Statement

"Die Elektromobilität wird kommen"

"Die Elektromobilität wird kommen", prognostizierte Roland Bent auf der Messe SPS IPC Drives 2013. Der Geschäftsführer von Phoenix Contact ist überzeugt, dass das Ziel von 1 Million Elektrofahrzeugen in Deutschland bis 2020 erreicht wird. Im Folgenden dokumentiert SCOPE ONLINE das vollständige Statement.

Roland Bent

Sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich willkommen zur Pressekonferenz von Phoenix Contact anlässlich der sps|ipc|drives 2013.

Wie ist das Geschäftsjahr 2013 verlaufen? Rückblickend weist das Jahr einen vergleichbaren Verlauf zum Vorjahr auf. Die globalen Unsicherheitsfaktoren wie die hohen Staatsverschuldungen der meisten Wirtschaftsnationen, die anhaltende Eurokrise und die aktuellen Turbulenzen um den US-amerikanischen Haushalt dämpfen die Investitionsbereitschaft großer Kreise der Industrie. Das Geschäft der deutschen Elektroindustrie findet also seit Mitte 2011 in einem nahezu unverändert schwierigen Umfeld statt. Eine Seitwärtsbewegung prägt somit das Konjunkturumfeld. Im Vorjahr 2012 ist uns mit 4,5 Prozent ein moderates Wachstum gelungen, das auch in 2013 fortgesetzt werden konnte. Dieses Wachstum wird allerdings durch die starke Entwicklung des Euro gegenüber fast allen anderen Währungen gedämpft. Das voraussichtliche weltweite Umsatzwachstum zum Jahresende von 4 bis 5 Prozent in den lokalen Märkten reduziert sich bei Umrechnung der lokalen Währungen in Euro auf einen Wert zwischen 2 und 3 Prozent.

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In absoluten Zahlen wird der weltweite Umsatz etwa 1,64 Milliarden Euro umfassen. Mit diesem Wachstum sieht sich Phoenix Contact deutlich über dem Branchendurchschnitt angesiedelt. Es war und ist auch weiterhin Kern unserer Unternehmensstrategie, sich mit eigenen Wachstumsimpulsen durch neue Marktfelder, Produktlinien und Geschäftsmodellen von der Entwicklung der Weltkonjunktur zu entkoppeln. Das kann bei einer marktführenden Position im Kerngeschäft nur bedingt erfolgen, hat aber in vielen Bereichen zu einem deutlichen Gewinn von Marktanteilen für Phoenix Contact geführt.

Differenziert betrachtet zeigte sich bei der weltweiten Geschäftsentwicklung vor allem eine umgekehrte Situation zu 2012. Die USA, 2012 noch Wachstumsmotor für Phoenix Contact, verzeichnen eine mehr oder weniger flache Entwicklung. Konsolidiert man dem Umsatz allerdings um große Projekteffekte, dann ergibt sich ein nahezu zweistelliges Wachstum im Breitengeschäft. Ähnliches gilt für den deutschen Markt, der trotz einer durchaus positiven Entwicklung im Kerngeschäft, bedingt durch weiterhin starke Rückgänge im Bereich der erneuerbaren Energien, auch kein Wachstum aufweisen kann. Anders ist die Situation in China. 2012 geprägt durch einen starken Rückgang im WKA (Windkraftanlagen)-Geschäft hat sich der Markt wieder erholt und ermöglicht uns in 2013 ein fast zweistelliges Wachstum in Landeswährung. In Europa ist das starke Nord-Südgefälle des letzten Jahres durch einsetzendes Wachstum in wichtigen südeuropäischen Märkten wieder ausgeglichener. Insgesamt wächst Europa mit moderaten 3 Prozent. Besondere Wachstumsmärkte für Phoenix Contact sind in 2013 Brasilien, Türkei und Korea sowie einige osteuropäische Märkte.

Trotz oder gerade wegen dieses herausfordernden, wirtschaftlichen Umfelds bleibt Phoenix Contact seiner Strategie des Aus- und Aufbaus neuer Geschäftsfelder und Wachstumschancen treu. So wurden auch 2013 bedeutende personelle und sachorientierte Investitionen zum Ausbau der Vertriebsstrukturen, der Geschäftsbereiche und der Technologiekompetenz getätigt. Insgesamt führte dies zur festen Einstellung von rund 100 neuen Mitarbeitern weltweit.

Internationale Marktpräsenz

Neben Innovation und Prozesskompetenz gehört auch die hohe Kundennähe durch ein eigenes und umfassendes Vertriebsnetzwerk zu den langfristigen Erfolgsfaktoren von Phoenix Contact. Mit derzeit 50 eigenen Vertriebsgesellschaften ist das Unternehmen weltweit in allen industriellen Märkten präsent. Insgesamt deckt Phoenix Contact so rund 80 Prozent der weltweiten Brutto-Inlandsprodukte mit eigenen Vertriebsorganisationen ab. Wachstumsoptionen für die Zukunft entwickeln heißt aber auch, frühzeitig neue kommende Märkte in den Fokus nehmen. So wurden in den letzten drei Jahren mit Kasachstan, Indonesien, Thailand, Abu Dhabi, Weißrussland und Estland sechs neue Gesellschaften in Schwellenmärkten gegründet. Alle diese Märkte sind heute noch von ihrer weltweiten Bedeutung betrachtet, überschaubar, sie bieten aber große Wachstumspotenziale für die Zukunft.

Technologiekompetenz im Überspannungsschutz

Der Geschäftsbereich Überspannungsschutz von Phoenix Contact zählt mit über 20 Prozent Marktanteil zu den internationalen Markt- und Technologieführern im Bereich der sogenannten IEC-Technologien. Ein besonderer Kompetenzschwerpunkt liegt dabei auf der Entwicklung von Funkenstrecken-basierenden Blitzstromableitern. Das ist eine Technologie, die hohe Investitionen in Forschung und Laborausstattung erfordert. Um hier unsere Technologieführerschaft zu festigen und weiter auszubauen, hat Phoenix Contact jetzt am Standort Blomberg ein neues Forschungs- und Entwicklungsgebäude bezogen und mit modernem Equipment ausgestattet. Das neue Gebäude vereint Hochspannungs- und Hochstromlabore mit Büroräumen für Entwicklung, Konstruktion und Marketing des gesamten Geschäftsbereichs unter einem Dach. Die Kombination dieser funktional unterschiedlichen Bereiche in einem Gebäude war Leitidee der Planung und spiegelt sich in der Struktur des Gebäudes anschaulich wieder. Der rund 1.000 qm große Laborbereich ist speziell auf die technologischen und sicherheitstechnischen Anforderungen der Hochspannungs- und Hochstromprüftechnik zugeschnitten. Die Büroräume mit einer Gesamtfläche von rund 2.500 qm sind durch eine Atriumhalle von den Laboren getrennt. Diese architektonische Struktur ermöglicht es, mit externen Besuchern Prüfungen an Produkten oder Systemen persönlich zu verfolgen, ohne dabei Arbeits- oder Prüfabläufe zu beeinträchtigen.

Die Prüfung von Funkenstrecken als Kerntechnologie unserer Überspannungsschutzgeräte stellt herausragende Anforderungen an die notwendige Prüftechnik. In den neuen Laboren stehen dazu jetzt zwei AC-Prüffelder für Spannungen bis zu 1.000 V und Netzkurzschlussströme bis zu 50 kA zur Verfügung. Mit einem variablen Hoch- und Niederspannungs-Netzwerk lassen sich alle Leistungsfaktoren und Spannungen darstellen, die nach weltweiten Prüfstandards gefordert sind. Zur Prüfung der Überspannungs-schutzgeräte gibt es Stoßstromgeneratoren, um Blitzströme bis 100 kA und Stoßströme bis 200 kA nachbilden zu können. Ergänzt werden diese Prüfmöglichkeiten durch weitere Labore, in denen spezielle Applikationsumgebungen nachgebildet werden. Das sind beispielsweise DC-Netze bis zu 1.500 V, wie es sie in Photovoltaik-Anlagen oder in leistungsstarken DC-Stromversorgungssystemen gibt.

Die vorhandene Leistungsfähigkeit und Spannungsfestigkeit macht dieses Labor weltweit einzigartig und führend, was die Prüfung des Betriebsverhaltens von Blitzstrom- und Überspannungsableitern bei Stoßstrombeanspruchung im Betrieb am Netz betrifft. Die umfassende und unabhängige Laborkompetenz vor Ort ermöglicht, insbesondere wegen der Vielzahl notwendiger empirischer Untersuchungen an Überspannungsschutzgeräten, Entwicklungsprozesse deutlich zu beschleunigen. Das Labor erfüllt in vollem Umfang die Anforderungen der etablierten Zertifizierungsstellen. Als akkreditierte Einheit wird das Labor auch eine wesentliche Rolle bei unseren Zertifizierungsprozessen spielen und somit die "Time to Market" weiter verkürzen.

Das gesamte Investitionsvolumen beläuft sich auf rund 20 Millionen Euro. Zurzeit befinden sich die Labore in der Inbetriebnahme. Der reguläre Prüfbetrieb wird ab Jahresbeginn 2014 starten. Eine offizielle Einweihung ist für Mai 2014 geplant.

Investitionen in Wachstumsfelder - Stromversorgungen

Seit Ende der 90er Jahre hat Phoenix Contact mit dem Aufbau und der Vermarktung eines Stromversorgungsprogramms begonnen. Dieses Produktprogramm hat sich zu einem bedeutenden Geschäftsbereich mit einem zweistelligen Anteil am Gesamtumsatz der Gruppe entwickelt. Im letzten Jahr wurde der Bereich durch die Übernahme der APtronic AG mit Sitz in Bad Sassendorf deutlich verstärkt. Mit Wirkung zum 1. Januar 2014 werden jetzt die Mitarbeiter und die Aktivitäten der APtronic AG sowie des Geschäftsbereichs "Power Supplies" der Phoenix Contact Electronics GmbH aus Bad Pyrmont organisatorisch und rechtlich zusammengelegt. Hieraus entsteht eine eigenständige Tochtergesellschaft, die "Phoenix Contact Power Supplies GmbH". Mit einem eigenen Gebäude mit rund 12.000 qm Fläche in Paderborn wird es dann einen gemeinsamen Standort aller Stromversorgungs-Aktivitäten von der Produktdefinition bis zur Vermarktung geben. So entstehen optimale Rahmenbedingungen für eine nahtlose Zusammenarbeit, die beschleunigte Entwicklung neuer Produkte, die Erschließung neuer Märkte und das Gewinnen neuer Kunden. Die Serienproduktion der Geräte wird weiterhin in internationalen Fertigungsstätten stattfinden.

Mit diesem Standort verfügt der Geschäftsbereich Power Supplies über alle Ressourcen und eine klare unternehmerische Fokussierung für eine erfolgreiche und nachhaltige Wachstumsstrategie. Neben den erfolgreichen Standard-Stromversorgungssystemen für industrielle Anwendungen können damit auch projekt- oder anlagenspezifische Anforderungen unserer Kunden gezielt bedient werden.

Die derzeit rund 140 Mitarbeiter der Power Supplies GmbH werden in den nächsten Jahren gezielt in den Bereichen Entwicklung und Marketing verstärkt. Mit weiteren Investitionen in Anlagen und Equipment ist auch die Basis für die Zukunft geschaffen, um die heute führende Position weiter auszubauen.

Produktseitig wird die konsequente Ausrichtung des Produktportfolios auf die drei funktionalen Segmente: Basic, Standard und High-End mit den Gerätefamilien Uno, Trio und Quint Power, weiterverfolgt. Die Gerätefamilie Uno Power, die in diesem Jahr eingeführt wurde, bietet Basisfunktionalität bei günstigen Preisen ohne Einschränkungen der bekannten Qualität von Phoenix Contact. Diese Linie zeichnet sich durch eine kompakte Bauform, hohe Wirkungsgrade und den geringsten auf dem Markt anzutreffenden Leerlaufverlusten aus. Sie bietet die Grundversorgung der Anlagen mit elektrischer Energie im Kleinspannungsbereich von 12V bis 48V und im Leistungsbereich bis 240 W.

Ergänzt wird die Uno Power-Reihe durch die Trio Power-Familie. Sie besitzt zusätzlich einen einstellbaren Ausgangsspannungsbereich, elektronische Relais-Kontakte, erweiterte Power-Boost-Funktionalität und eine dynamische Kurzschlussstromregelung. Diese Familie verfügt heute schon über einen erweiterten Leistungsbereich bis 480W, in der nächsten Generation bis 960W, sowie einen erhöhten Eingangsspannungsbereich bis zu 300V.

Die Quint Power-Familie rundet das Produkt-Programm ab. Sie bietet bei nochmals erweitertem Leistungsbereich die höchste Funktionalität mit Technologien wie ¿Selected Fuse Breaking¿ (SFB-Technologie), "Auto Current Balancing" (ACB Technologie) in den Redundanzmodulen und die erstmals in den unterbrechungsfreien Stromversorgungen (USV) eingeführte IQ-Technologie, die über Kommunikations-Schnittstellen den aktuellen Zustand des USV-Systems an die übergeordnete Steuerungszentrale übermittelt. In den Produktfamilien Quint Power und Trio Power gibt es neben den klassischen Stromversorgungen (AC/DC-Wandler) heute schon DC/DC Wandler, USV-Systeme einschließlich verschiedener Energiespeicher wie Bleibatterien, Li-Ionen Batterien oder kapazitive Speicher sowie Dioden und Redundanzmodule.

Investitionen in Wachstumsfelder - Elektromobilität

Auch wenn die Umsetzung des hochgesteckten Ziels von 1 Million Elektrofahrzeugen in Deutschland bis 2020 für viele scheinbar zu langsam läuft und in der öffentlichen Diskussion stark hinterfragt wird, so ist doch sicher, dass mittelfristig der Weg zur elektrischen Mobilität nicht aufzuhalten ist. Die wachsende Verfügbarkeit rein batteriebetriebener Serienfahrzeuge - auch deutscher Hersteller - ist dafür ein guter Beleg. Zum Ende dieses Jahres werden mit dem BMW i3 und dem VW e-Up zwei Produktanläufe erfolgt sein. Bis Ende 2014 werden 16 deutsche Elektrofahrzeug-Modelle auf dem Markt existieren. Mit dieser breiten Verfügbarkeit von Fahrzeugen kann man dann die Phase der Marktverbreitung in Deutschland, die von der "Nationalen Plattform Elektromobilität" (NPE) bis 2014 vorgesehen wurde, als abgeschlossen betrachten. Für die bis 2018 folgende Phase des Markthochlaufs kann von einer exponentiellen Entwicklung der Zulassungszahlen ausgegangen werden.

Die Elektroindustrie kann mit Fug und Recht als Leitindustrie für die Elektromobilität bezeichnet werden. Die wesentliche Rolle innerhalb dieser Leitindustrie nimmt die Automatisierungstechnik ein, mit Produkten, wie wir sie auch traditionell anbieten. Phoenix Contact beschäftigt sich im Rahmen seines Produktprogramms bereits seit einigen Jahren mit verschiedenen Aspekten der Elektromobilität. Für einen Hersteller der elektrischen Verbindungstechnik ist es zunächst einmal naheliegend, sich dem Thema der Ladestecker zuzuwenden. Wir sind heute in der Lage, mit einem breiten Angebotsspektrum alle bedeutenden internationalen Standards auf diesem Gebiet zu unterstützen. Neben den Ladesteckersystemen hat Phoenix Contact in den letzten Jahren auch ein umfangreiches Produktprogramm an weiteren elektronischen Komponenten zum Aufbau von Ladestationen und Ladeinfrastruktur aufgebaut. Diese Komponenten und Systeme werden heute schon in den Ladestationen vieler namhafter Hersteller eingesetzt.

Um diesem neuen Geschäftsfeld eine Heimat zu geben und eigene Identität zu schaffen, wurde am 1. Januar 2013 die Phoenix Contact E-Mobility GmbH gegründet. Die neue Gesellschaft hat mittlerweile zehn Monate operativen Betrieb hinter sich. Die Geschäftsräume des Unternehmens befinden sich in einem von uns komplett sanierten und umgestalteten Gebäude am neuen Unternehmensstandort Schieder-Schwalenberg, rund fünf Kilometer vom Hauptcampus der Phoenix Contact-Gruppe in Blomberg entfernt. Die Geschäftsräume bieten mit 1300 qm Bürofläche Platz für perspektivisch bis zu sechzig Mitarbeiter. Ebenfalls zur E-Mobility GmbH gehört ein Produktionsgebäude, das in unmittelbarer Nähe zu dem Verwaltungsgebäude liegt, mit einer Fläche von rund 1.100 qm, in dem in den letzten Monaten die Produktion von Ladesteckersystemen für Elektromobilität aufgenommen wurde.

Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem sogenannten "Combined Charging System" (CCS), mit dem Phoenix Contact Marktführer ist. Das CCS ist ein Schnellladesystem, das die Gleichstromladung mit bis zu 200 Ampere und 800 Volt Ladezeiten auf bis zu 10 Minuten verkürzt. Entwickelt wurde dieses System, das am Fahrzeug auch den Anschluss des "klassischen" Wechselstromladesteckers ermöglicht, von Phoenix Contact zusammen mit allen deutschen Automobilherstellern. Das Combined Charging System (CCS) befindet sich inzwischen in der IEC 62196 Teil 3 in einem finalen Normungszustand. Es wird sowohl von der European Automobil Manufacturers Association (ACEA) als einheitliche AC/DC-Ladeschnittstelle für alle neuen Fahrzeugtypen in Europa, als auch von der europäischen Kommission als Standard für die Ladeinfrastruktur vorgeschrieben.

Mit den aktuell rund vierzig Mitarbeitern der Phoenix Contact E-Mobility GmbH soll schon im Geschäftsjahr 2014 ein Umsatz von rund zehn Millionen Euro erwirtschaftet werden. Die Mitarbeiter nehmen Aufgaben des Vertriebs und Produktmanagements genauso wie der Entwicklung, Produktion und des Qualitätsmanagements wahr. Verstärkt werden sie über das breite Kompetenzportfolio der Muttergesellschaft, so dass hohe Flexibilität und schnelle Reaktionszeiten zum Markt sichergestellt sind.

Damit ist jetzt die Gründungsphase eines neuen Geschäftsfelds der Phoenix Contact-Gruppe abgeschlossen, das große Zukunftspotentiale bietet und von dem neue bedeutende Wachstumsimpulse für die ganze Unternehmensgruppe ausgehen werden.

Investitionen in Technologie - Industrie 4.0

Der Begriff "Industrie 4.0" ist aktuell in aller Munde. Er steht als Schlagwort für die sogenannte vierte industrielle Revolution, die durch die zunehmende Digitalisierung des Produktionsumfelds und des Produkt-Lebenszyklus geprägt ist. Für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist von elementarer Bedeutung, dass die Wettbewerbsfähigkeit der produzierenden Unternehmen erhalten bleibt. Dies muss trotz des Drucks der ständig wachsenden Herausforderungen eines globalen Marktes sowie der zunehmenden Komplexität und Individualisierung von Produkten erfolgen. Die Vision der Industrie 4.0 ist es, dass durch die Vernetzung und Integration aller Wertschöpfungsinstanzen und Lebenszyklusprozesse von Produkten und Produktionsmitteln dynamische, echtzeitoptimierte, selbstorganisierende und unternehmensübergreifende Wertschöpfungsnetzwerke entstehen. Ihre Umsetzung wird zur Wettbewerbsfähigkeit der produzierenden Industrie maßgeblich beitragen. Die deutsche Forschungsunion hat mit ihrem Arbeitskreis "Industrie 4.0" Umsetzungsempfehlungen für diese Vision erarbeitet. Im Abschlussbericht, der zur Hannover Messe 2013 an die Bundesregierung übergeben wurde, postuliert sie den Anspruch, Deutschland zum Leitmarkt und zum Leitanbieter für Anwendungen und Technologien von Industrie 4.0 zu entwickeln.

Wie sieht sie also aus, die Fabrik der Zukunft - die Smart Factory? Und welche Anforderungen leiten sich daraus für die Automation ab?

Für Phoenix Contact ist die Beantwortung dieser Frage aus Sicht beider Perspektiven von elementarer Relevanz. Als produzierendes Unternehmen stehen wir im ständig wachsenden Preiswettbewerb mit asiatischen Anbietern. Nur durch intelligente Automatisierungslösungen für die Produktionsabläufe lässt sich der heutige, hohe Wertschöpfungsanteil von rund 70 Prozent in Deutschland dauerhaft erhalten. Den Automatisierungsgrad bei einer zunehmenden Variantenvielfalt und kundenspezifischen Ausprägung der Produkte zu erhalten und zukünftig noch effizienter zu gestalten, ist eine der großen Herausforderungen, der sich die Vision einer Industrie 4.0 stellt. Der zweite Aspekt betrifft uns als Anbieter innovativer Automatisierungsprodukte. Zukünftig Komponenten, Systeme und Lösungen anzubieten, die die Anforderungen einer intelligent vernetzten und sich selbstorganisierenden Fertigungstechnik optimal unterstützen, das wird zunehmend zu einem wettbewerbsentscheidenden Kriterium.

Mit seiner heutigen Aufstellung ist Phoenix Contact sowohl aus technologischer wie auch aus organisatorischer Sicht gerüstet für diese Anforderungen. Der unternehmensinterne Maschinenbau, für die Erstellung und Automatisierung aller Montagemaschinen und Produktionsanlagen der Gruppe zuständig, ist ein ideales Testfeld sowie ein Anforderungs- und Ideenlieferant für die Produkte des Unternehmens. In enger Zusammenarbeit der Entwicklungsabteilungen und der Technologen dieses eigenen Betriebsmittelbaus entstehen neue Produkte und Funktionen für die Zukunft der Produktion. Das Ganze baut auf dem umfassenden Technologie-Portfolio des Unternehmens auf, das Schlüsseltechnologien für die Industrie 4.0 beinhaltet.

Ein zentrales Thema in der vernetzten Produktionswelt der Zukunft ist die Netzwerktechnologie, die eine durchgängige Kommunikation vom Sensor bis ins Web ermöglichen muss. Mit Profinet gibt es dafür heute schon die richtige Technologie. Phoenix Contact wendet nicht nur die Profinet-Technologie in Produkten an, sondern besitzt auch alle Mittel, die Technologie an sich weiter zu entwickeln. Das ist eine zentrale Voraussetzung für die aktive Gestaltung von Industrie 4.0-Produkten und -Lösungen.

Der zuverlässige Schutz des Netzwerks vor Fremd- und unautorisiertem Zugriff ist in der komplett vernetzten Welt einer Industrie 4.0 von essentieller Notwendigkeit. Phoenix Contact hat mit der Tochterfirma "Innominate AG" im eigenen Haus einen Spezialisten für die industrielle Netzwerk-Security als Technologielieferant für integrierte Security-Anwendungen.

Außerdem steht die Funktionale Sicherheit zum Schutz von Menschen und Maschinen in verteilten selbstkonfigurierenden Systemen im Mittelpunkt. Funktionale Sicherheit muss zukünftig zu einem inhärenten Bestandteil eines jeden Teilsystems werden. Das nötige Grundlagen Know-how dazu hat sich Phoenix Contact als Lieferant von funktionalen Sicherheitssystemen und Komponenten über viele Jahre erarbeitet.

Eine weitere, zentrale Technologiekomponente der Industrie 4.0 wird die drahtlose Übertragung von Informationen werden. Hier sind alle Anforderungsklassen berücksichtigt - von der harten Echtzeitübertragung bis zur zeitunkritischen Übertragung großer Datensätze zwischen Cloud-basierten Anwendungen. Auch hier hat Phoenix Contact als Technologiepionier der industriellen Wirelesstechnik alle nötigen Technologie- und Know- how-Resourcen im Haus.

In Anwendungen der Industrie 4.0 werden zunehmend Funktionsinhalte der Komponenten und Systeme von der Hardware- in die Softwareebene verschoben. Schon heute macht der Software- und Engineering-Anteil bei der Entwicklung von Maschinen und Anlagen einen signifikanten Anteil der gesamten Aufwände aus. Phoenix Contact hat sich in den letzten 20 Jahren neben einem nahezu rein Hardware-orientierten Produktportfolio ein starkes Standbein für die Entwicklung von Software und eingebetteter Firmware geschaffen.

Wer die Zukunft der Automatisierungstechnik in diesem Umfeld des technologischen Wandels aktiv mitgestalten will, muss auch in langfristige Forschungsprojekte investieren. Phoenix Contact ist deshalb Mitbegründer und Partner des Technologie-Spitzenclusters "Intelligente technische Systeme Ostwestfalen Lippe" (it¿s OWL). Als einziges von 15 Spitzenforschungsclustern in Deutschland ist ¿it`s OWL¿ auf die Umsetzung von Industrie 4.0 ausgerichtet. Hier arbeiten 24 Kernunternehmen, sechs Hochschulstandorte und 14 Forschungseinrichtungen an der Erforschung von intelligenten autonomen Systemen zusammen. In einem Zeitraum von fünf Jahren werden dabei von der regionalen Industrie Forschungsvorhaben mit einem Volumen von nahezu 100 Millionen Euro durchgeführt. Phoenix Contact führt dabei eins von 33 Innovationprojekten und arbeitet in zwei weiteren Projekten als Partner mit.

Erste Anwendungen für Industrie 4.0-Technologien sind bereits in der Fertigung von Phoenix Contact im Einsatz. So helfen innovative Automatisierungslösungen mit, dass auch zunehmend die Variantenfertigung im Sinne eines synchronen "one piece flow" automatisiert werden kann. Hierdurch entfallen kostenträchtige Zwischenlager und aufwändige Handarbeitsplätze. Die Wettbewerbsfähigkeit wird nachhaltig gesteigert.

Auch auf der diesjährigen SPS IPC Drives präsentiert Phoenix Contact die Umsetzung von Industrie 4.0 an zwei Demonstrationsanlagen. Zum einen wird im Kontext des relevanten Thema die Ressourceneffizienz gezeigt. Anhand einer Roboterzelle wird demonstriert, wie sich signifikante Energieeinsparungen durch eine hohe Vernetzung und Integration aller Prozessteilnehmer erreichen lassen. Kernstück des Energiemanagementsystems ist die sogenannte Energie-SPS von Phoenix Contact, die über eine standardisierte Schnittstelle von dem überlagerten Leitsystem Informationen über die Produktionszeiten und die Produktionspausen erhält. Die Energie-SPS berechnet, in Abhängigkeit der geplanten pausen- oder produktionsfreien Zeit, die Schaltstrategie, um den energetisch optimalen Betriebszustand zu erreichen und schaltet die Anlagenkomponenten in der Pause in die entsprechenden Zustände. Diese integrierte Betrachtung ermöglicht eine Senkung des Energieeinsatzes um bis zu 15 Prozent.

Die zweite Demo-Anlage zeigt das Thema der integrierten Engineering-Kette. Digitale Produktbeschreibungen und Makros von Phoenix Contact unterstützen die E-CAD-Tools zur Schaltplanerstellung, Komponentenauslegung und -auswahl für Komponenten auf der Tragschiene. Als Ergebnis wird die Produktauswahl durch den digitalen Artikel beschrieben. Er ist Bindeglied zur Produktion, die in der Demonstrationsanlage in Form einer automatisierten, individuellen Klemmleistenbestückung für den Schaltschrankbau erfolgt.

Zusammengefasst darf man sagen, dass Phoenix Contact sich mit dem Credo der "IT-Powered Automation" schon seit mehr als zehn Jahren im Feld der "Enabler-Technologien" der Industrie 4.0 bewegt und für die kommende Technologie-Evolution ausgesprochen gut gerüstet ist.

Ausblick

Wie im letzten Jahr, ist auch heute eine zuverlässige Wirtschafts-Prognose für das kommende Jahr sehr schwierig, bedingt durch viele Faktoren, die nicht in unserem Einflussbereich liegen. Wir gehen aber von einer leichten Belebung der Gesamtwirtschaft aus, die sich auch positiv auf unser Geschäft auswirken wird. In diesem Umfeld und zusätzlich gestärkt durch die nachhaltigen Investitionen in Innovation und Markt gehen wir für 2014 von einem Wachstum von 5 bis 6 Prozent aus.

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