Software
Semantic-PLM-Ansatz will auch unstrukturierte Daten erfassen
Anlässlich seiner Technologietage Anfang Juni hat die BCT Technology AG aus Willstätt die Software-Lösung ‚BCT Compositus‘ vorgestellt. „Ziel ist es, die strukturiert vorliegenden Informationen in PDM- und ERP-Lösungen mit den unstrukturierten beispielsweise in Mail- und Messaging-Systemen sowie Intra- und Internet zu verknüpfen“, erläuterte Vorstand Klaus Erdrich, „auf Basis der inhaltlichen Zusammenhänge.“ BCT will damit aus Daten Informationen generieren – und spricht von einem völlig neuen Ansatz: Semantic PLM. „Geschätzt 80 Prozent aller Informationen in einem Unternehmen liegen eher unstrukturiert vor, und in der Vergangenheit war es sehr schwer, existierende Beziehungen zwischen den Daten zu erkennen.“ Denn einen Zugriff auf alle Daten des Produktlebenszyklus gibt es nicht, weil beispielsweise unterschiedliche Benennungen die Verknüpfung erschweren.
Der Trick des Semantic-PLM-Ansatzes ist: Wer wissen möchte, welche Informationen zu einer bestimmten Komponente vorliegen – beispielsweise einem simplen O-Ring – findet mit BCT Compositus nicht nur die Daten aus dem PDM-System, sondern auch relevante Angaben dazu in E-Mail-Verzeichnissen. Der Anwender erhält aber nicht eine unübersichtliche Ansammlung von ‚Fundstellen‘, sondern er kann über die Verknüpfungen direkt die jeweils relevanten Informationen erkennen. „BCT Compositus bietet aber nicht nur einen zentralen Zugang zu verknüpften Daten, sondern adaptiert darüber hinaus automatisch neue und geänderte Inhalte und erlaubt den Echtzeitzugriff auf angeschlossene Systeme“, ergänzte Jürgen Hillemann, ebenfalls Vorstand von BCT. „Das Beziehungswissen wächst mit zunehmender Zahl der verbundenen Systeme.“ Die Idee überzeugte: „Bereits während der Technologietage fanden sich unter den rund 250 Besuchern spontan erste Kunden, die an einer Testphase der Lösung interessiert sind.“ Entstanden ist die neue Software übrigens in Zusammenarbeit mit der iQser AG aus dem schweizerischen Bassersdorf. Einbinden lassen sich zudem eigene Konnektoren zu den jeweils eingesetzten Daten-Quellen. Auch beim Einsatz zeigt sich BCT Compositus vielseitig: Neben der Anwendung im firmeneigenen Intranet können darüber Daten aus dem Internet eingebunden oder Daten visualisiert werden.
Auf den Technologietagen stellten die Willstätter zudem bereits Version 3 ihrer iPad-Applikation iPDM für den Zugriff auf Teamcenter-Daten vor. Schon 2010 hatte man diese Software für Apples Tablet-PC vorgestellt, noch bevor Teamcenter-Hersteller Siemens PLM Software zur Hannover Messe mit einer eigenen ‚App‘ folgte. Version 3.0 von iPDM bietet nun erweiterte Zugriffsmöglichkeiten auf Teamcenter-Arbeitslisten und -Aufgaben, die geprüft, genehmigt und abgelehnt werden können. Zudem sei nun die Darstellung von 3D-Daten im JT-Format genauso möglich wie das individuelle Ein- oder Ausblenden von Komponenten und Unterbaugruppen im JT-Modell, betont BCT. Und: „Unabhängig vom Standort attestieren die Anwender der Applikation einen guten Zugriff und einen schnellen Verbindungsaufbau zur Teamcenter-Installation.“
Insbesondere Gelegenheitsanwender aus Geschäfts- und Konstruktionsleitung, Vertrieb, Service, Montage und Instandhaltung sowie Qualitätssicherung und Warenkontrolle können über iPDM direkt auf aktuelle Produktdaten zugreifen – sofern die eigene IT-Abteilung mitspielt und den Zugriff der Apple-Hardware zulässt.
Vergleich von 3D-JT-Daten ist nun möglich
Verbessert hat BCT auch die Inspector Suite, mit der sich vor allem die Zusammenarbeit mit Zulieferern optimieren lässt. Ein wesentlicher Punkt dabei: Man will jederzeit nachvollziehen können, was geändert wurde. Die Software erlaubt dazu nun auch den Vergleich von 3D-Daten im JT-Format, das sich nicht zuletzt aufgrund der Entscheidung von Daimler für NX und eben JT als Austauschformat weiter durchsetzen dürfte. „Inspector Suite ersetzt die bisher manuelle und meist mühselige Suche und Dokumentation von Konstruktionsänderungen durch einen automatisierten Ablauf“, betonte Klaus Erdrich. „Ohne manuellen Aufwand werden alle erforderlichen Grunddaten für den Änderungsvergleich durch unsere Software selbstständig generiert, so dass eine prozesssichere und automatisierte Datenkonsistenz jederzeit sichergestellt ist.“ Der Anwender kann auf diese Weise jederzeit davon ausgehen, mit aktuellen Daten zu arbeiten.
Inspector Suite lässt sich übrigens auch in Portale einbinden, was die Zusammenarbeit mehrerer Standorte oder mit Lieferanten erleichtert. Die beiden BCT-Manager können sich auch gut Lösungen im Rahmen von Cloud-Computing-Ansätzen vorstellen. Auf den Technologietagen war deshalb auch ein Angebot in Zusammenarbeit mit der Neckarsulmer TDS Informationstechnologie AG zu sehen, die unter anderem den Betrieb von Teamcenter im eigenen Rechenzentrum übernimmt und als Service zur Verfügung stellt. „Zugriffszeiten und Leistung können sogar – abhängig von der eingesetzten Hardware und aufgrund der besseren Lastverteilung – besser sein als bei einer lokal installierten Lösung“, berichtete Jürgen Hillemann. Kritisch sehen an dieser Stelle viele Anwender allerdings nach wie vor das Thema Sicherheit, wobei man dabei fairerweise auch nach der Sicherheit der lokal installierten Software fragen sollte. Hinweise rund um das Thema Sicherheit liefert übrigens das Mitte des Jahres erschienene Eckpunktepapier Cloud Computing des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI, http://www.bsi.bund.de) in Bonn.
Neben den zahlreichen Technologie-Themen boten die Technologietage natürlich die Gelegenheit, mit anderen Besuchern in Kontakt zu kommen und Erfahrungen auszutauschen. BCT selbst ist außerdem selbst seit 2010 auch mit einer Niederlassung in der Schweiz vertreten.
Michael Corban, CAD-CAM REPORT
BCT Technology AG, Willstätt Tel. 07852/996-0, http://www.bct-technology.com








