Software
Grenzgänger
Wettbewerbsfähig bleibt man nur durch Innovation – das gilt vor allem für mittelständische Fertigungsbetriebe wie etwa die Krüger Erodiertechnik GmbH & Co. KG in Biedenkopf. Geschäftsführer Friedhelm Krüger setzt deswegen auf qualifizierte Mitarbeiter und ihre regelmäßige Weiterbildung genauso wie auf technologische Herausforderungen. Seit einigen Monaten ist in Biedenkopf nach Angaben des Unternehmens die weltweit größte Mitsubishi-Drahterodiermaschine in Betrieb, mit der sich Werkstücke bis zu einer Größe von 2.000 x 1.850 mm bearbeiten lassen. Auch bei der Schneidhöhe ist das Unternehmen experimentierfreudig: Liegt beim Mitsubishi-Maschinentyp FA 50V die Standard-Schneidhöhe bei 630 mm, hat Krüger diese durch sein Know-how auf 850 mm gesteigert. Auf anderen Maschinen liegt die maximale Schneidhöhe bei bis zu 980 mm. Doch der Firmenchef plant schon weiter und will zukünftig das Drahterodieren um eine weitere Achse zum Dreherodieren erweitern. Das sich dabei drehende Werkstück ergänzt die Fertigungsmöglichkeiten deutlich, prinzipiell ließe sich auf diese Weise auch eine Kugel erzeugen.
Genauso flexibel und experimentierfreudig wie die Fertigungsspezialisten selbst müssen folglich auch die jeweiligen Systemlieferanten sein. Von der Schott Systeme GmbH aus Gilching stammt etwa das CAM-System ‚Pictures by PC‘, mit dem die Krüger-Mitarbeiter die Werkzeugpfade für das Drahterodieren generieren und testen, bevor das fertige CNC-Programm direkt zur Steuerung an der Maschine gesendet wird. „Aufgrund der positiven Erfahrungen mit der CAM-Software beim Drahterodieren haben wir andere Systeme ersetzt“, berichtet Frank Görgen, Maschinenbautechniker bei Krüger. Inzwischen nutze man die Schott-Software auch für das Senkerodieren und die dazugehörige Elektrodenfertigung sowie generell das Fräsen – auch mit hoher Geschwindigkeit (HSC).
Fräsmodul übernimmt Laufzeitberechnung
Wie flexibel sowohl die CAM-Lösung als auch Hersteller Schott sind, zeigte sich beispielsweise bei der Laufzeitberechnung für das Drahterodieren. Weil es dafür normalerweise keine entsprechenden Routinen gibt, nutzen Friedhelm Krüger und sein Team kurzerhand die Laufzeitberechnung im Fräsmodul – die Durchgängigkeit des Systems erlaubt das. Bei bekannten Pfaden lässt sich auf diese Weise mit einer entsprechend niedrigen Bearbeitungsgeschwindigkeit die Fertigungszeit für das Drahterodieren schnell und einfach berechnen.
Mit den zunehmenden Schneidhöhen tauchte nun aber das Problem auf, dass die Schnittgeschwindigkeiten so klein wurden, dass die Laufzeitberechnung nicht mehr möglich war – heraus kam Null. „Dann klappt aber die Zusammenarbeit mit Schott Systeme“, fährt Görgen fort. Oft reiche ein Anruf, um Lösungswege aufgezeigt zu bekommen. Auch in diesem Fall konnten die Schott-Programmierer helfen und lieferten umgehend eine modifizierte Basic-Routine, die bei Krüger die alte Laufzeitberechnung ersetzte und nur in das System kopiert werden musste. „Für uns ist es an dieser Stelle wichtig, einen Partner zu haben, der alles aus einer Hand liefert und dabei unkompliziert und engagiert ist“, ergänzt Friedhelm Krüger. Denn mit der neuen Routine steht die Laufzeitberechnung nun wieder uneingeschränkt zur Verfügung.
Pictures by PC bietet nicht nur Fertigungs-Module für das Drahterodieren oder 5-Achs-Simultan-Fräsen, sondern die Grundversion ist ein integriertes CAD/CAM-System. Neben der Eignung für konstruktive Aufgabenstellungen sind Standardfertigungsverfahren ebenso enthalten wie die jeweiligen Postprozessoren. Individuelle Änderungen lassen sich dabei mit dem Postprozessor-Generator umsetzen. Besonderen Wert legt der Hersteller darauf, sämtliche Daten unabhängig von Systemversion und -umgebung (sprich dem Betriebssystem) zu halten – nur auf diese Weise bleibt das Know-how, das in den Daten steckt, für den Anwender verfügbar.
Innerhalb der Software lassen sich die Daten deswegen auch durchgängig verwenden, beispielsweise die Erodierpfade im Fräsmodul für die Laufzeitberechnung nutzen. „Innerhalb des CAD/CAM-Systems haben wir nun keine Probleme mehr mit dem Datenaustausch“, bestätigt Frank Görgen, „auch das war ein Grund, komplett auf die Schott-Lösung umzusteigen.“ Probleme bereitet Krüger da eher schon einmal die Datenqualität der kundenseitig angelieferten 3D-Daten, weswegen häufig ergänzend eine Zeichnung im pdf-Format Auskunft über die Toleranzen gibt.
HSC-Fräsen und Projektplanung kommen hinzu
Geringe Wanddicken und enge Toleranzvorgaben spielen insbesondere auch bei der Graphitelektroden-Fertigung für das Senkerodieren eine Rolle, welches Krüger ebenfalls anbietet. Die Elektroden entstehen per 5-Achs-Bearbeitung auf HSC-Fräsen, die Werkzeugpfade berechnet wiederum das entsprechende Modul von Pictures by PC – so effizient wie möglich. Krüger kann zudem die Elektroden präzise vermessen und die Ergebnisse protokollieren – und so jederzeit eine Aussage darüber treffen, ob die Elektrode die geforderte Toleranz einhält.
Wie flexibel sich die CAD/CAM-Software einsetzen lässt, zeigt auch eine weitere Anwendung bei Krüger. Vor Kurzem konnte das Unternehmen seine Fertigungskapazitäten ausbauen und die zur Verfügung stehende Hallenfläche um ein benachbartes Gebäude ergänzen. Auch bei der Layout-Planung des vergrößerten Fertigungsbereichs kam Pictures by PC zum Einsatz. Ein Vorteil der Software: Beliebige, für solch ein Projekt relevante Dokumente lassen sich mit der strukturierten Grafik verknüpfen – ohne dass dazu auf eine Datenbank zurückgegriffen werden muss. Für das komplette Projekt kann so eine pdf-Datei mit allen relevanten, verlinkten Dokumenten erstellt und auf jedem beliebigen PC angesehen werden. -co-
Krüger Erodiertechnik GmbH & Co. KG, Biedenkopf Tel. 06461/9263-0, http://www.erodieren.de
Schott Systeme GmbH, Gilching Tel. 089/348069, http://www.schott-systeme.de








