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Artikel und Hintergründe zum Thema

Kommissionier-Roboter

Roboter verändern die Arbeit

Automatisierung auch im Bücherregal. Die Veränderung der Arbeitswelt durch die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung wird allerorten diskutiert. Der wachsende Einsatz von intelligenten Maschinen, Lagersystemen und Betriebsmitteln, die eigenständig Informationen austauschen und Aktionen auslösen, wirft Fragen auf – und eröffnet neue Möglichkeiten.

Regal-Roboter Toru im Bücher-Großhandel. (Foto: Magazino)

Mit diesen neuen Möglichkeiten befasst sich auch das Unternehmen Magazino, das Roboter für die Logistik entwickelt und baut. Die Technologie des Unternehmens ermöglicht die genaue Vermessung und Erkennung von Objekten mittels 2D/3D-Kameras sowie den sicheren Griff auf das einzelne Produkt. Unterstützt von einer leistungsfähigen IT optimiert ein maßgeschneiderter Algorithmus den notwendigen Platz für die Ablage. Mit dem Regal-Roboter Toru zum Beispiel, der als „Schwarm“ quasi zum modernen Lagerarbeiter wird, bildet Magazino die Fähigkeiten des Menschen auf Technikseite nach.

Studien beackern das Automatisierungs-Feld
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) schätzt gemäß einer aktuellen Studie ein, dass etwa 0,4 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland in Berufen arbeiten, deren Substituierbarkeitspotenzial bei 100 Prozent liegt. Das bedeutet, dass alle Tätigkeiten in diesem Beruf von Computern übernommen werden könnten. Bei 15 Prozent der Beschäftigten bestehe das Risiko, dass innerhalb ihres Berufs mehr als 70 Prozent der Tätigkeiten durch Computer ausgeführt werden können. Mit jeder technischen Neuerung werden Arbeitsplätze vernichtet und zugleich neue Tätigkeitsbereiche und damit Arbeitsplätze geschaffen. So werden zum Beispiel die Arbeitsplätze in der Fertigung IT-lastiger. Roboter müssen entwickelt, gebaut, betrieben, programmiert, gewartet und kontrolliert werden – neue Einsatzbereiche verändern die Arbeitswelt.

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Der Roboter mit Kamerasystem pickt Waren und Teile im Lager. (Foto: Magazino)

Diese Entwicklungstendenz bestätigen diverse Studien. Nach Einschätzung der Boston Consulting Group (BCG) dürfte die wachsende Digitalisierung der Industrie in den kommenden zehn Jahren bis zu 390.000 neue Arbeitsplätze in Deutschland schaffen – so das Ergebnis einer im September 2015 von der BCG veröffentlichten Studie. Zwei Jahre zuvor fand der internationale Roboterverband IFR in seiner Studie „Positive Impact of Robots on Employment“ heraus, dass pro eingesetztem Roboter drei bis fünf neue Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe geschaffen werden. Während die deutsche Automobilindustrie laut VDMA-Fachverband Robotik + Automation ihren Bestand an Industrierobotern in Deutschland von 2010 bis 2014 um 15 Prozent auf 92.000 Einheiten ausweitete, erhöhte sie die Zahl der Beschäftigten im selben Zeitraum um zehn Prozent auf 775.000.

Fortschritt ist das Gegenteil von Stillstand
Entscheidend für hohe Beschäftigungszahlen ist die Wettbewerbsfähigkeit: Nur Standorte, die mit dem technischen Fortschritt mithalten, können im internationalen Wettbewerb bestehen. Gleichzeitig steigert eine größere Wettbewerbsfähigkeit den Absatz der Produkte, was zu einer höheren Anzahl von Beschäftigungsverhältnissen und besser bezahlten Tätigkeiten in der Fertigung führt. Neue Märkte entstehen, die Produktivität steigt und die Unternehmensgewinne wachsen. So beruht der weltweite Erfolg der deutschen Industrie wesentlich auf dem Einsatz von Automatisierungstechnik – das zeigt vor allem die Automobilindustrie, denn in keinem Bereich sind mehr Roboter präsent.

„Toru“ kommt aus dem Japanischen und bedeutet Greifen. Im Gegensatz zu heutigen Systemen schafft es Toru, Objekte selbständig aus dem Regal oder Karton zu entnehmen. (Foto: Magazino)

Das Siemens-Elektronikwerk in Amberg, auch als „Digitale Fabrik“ bezeichnet, steht beispielhaft für diese Entwicklung: Obwohl die Fabrik stetig automatisiert wurde und mittlerweile 75 Prozent der Wertschöpfungskette von Maschinen und Computer eigenständig bewältigt werden, ist die Mitarbeiterzahl konstant geblieben. Gleichzeitig konnte das Werk sein Produktionsvolumen verachtfachen und die Fehlerquote minimieren. Obwohl die Produkte ihre Fertigung selbst steuern, bleibt der Mensch unverzichtbar. Die mehr als 1.000 Mitarbeiter sind gefragt, wenn es um die Entwicklung von Produkten und ihres Designs, um die Produktionsplanung oder unerwartete Zwischenfälle geht.

Roboter Toru entlastet die Mitarbeiter
Roboter sollen den Menschen entlasten, indem sie ihm Arbeit abnehmen. Sie übernehmen zuverlässig körperlich anstrengende, ergonomisch ungünstige und monotone Arbeiten. Magazinos Kommissionier-Roboter Toru entlastet die Mitarbeiter zum Beispiel bei langen Laufwegen oder beim Greifen eines Objektes aus einem der oberen Regalböden. Der Roboter arbeitet parallel zum Menschen und ist skalierbar, kann also nach und nach in das Lager integriert werden. Statt den Kommissionierer mit immer mehr Technik, etwa Datenbrillen oder Voice-Anwendungen, quasi fernzusteuern – was mit einer inhaltlichen Abwertung der menschlichen Tätigkeit und steigendem Leistungsdruck einhergehen kann, wird mit Toru die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine gefördert.

Auf lange Sicht wird die Arbeitswelt zunehmend mehr auf den besonderen Fähigkeiten des Menschen aufbauen: Der Mensch kann sich auf komplexe und anspruchsvolle Arbeiten konzentrieren und sich durch Individualität und Kreativität gegenüber den Maschinen behaupten. Technischer Fortschritt in Verbindung mit geeigneten Qualifizierungsmaßnahmen kann dazu führen, dass menschliche Arbeit gesichert und gleichzeitig aufgewertet wird. pb

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