Editorial
Lehmschicht?
"Die Lehmschicht muss weg" - so ähnlich äußerte sich Peter Löscher kurz nach seinem Start bei Siemens im Jahr 2007 und meinte damit den von ihm geplanten Personalabbau im Angestelltenbereich. Noch direkter kann man seine Mitarbeiter kaum verunsichern, und der Ex-Siemens-Chef hat es in seiner Amtszeit dann wohl auch nicht mehr geschafft, das Vertrauen der Mitarbeiter in seine Personalentscheidungen wieder aufzubauen.
Eine andere Strategie, von der zwar jedes "Wie-motiviere-ich-Mitarbeiter"-Lehrbuch abrät, die aber besonders von schwachen Führungskräften gern genutzt wird, ist es, gar nicht erst über anstehende Entscheidungen zu sprechen. Denn, wer weiß, eventuell widerspricht ja einer dem Vorhaben, und der Chef muss sich mit Argumenten auseinandersetzen.
Vorgesetzte aber, die eine klare Vorstellung ihrer Ziele haben und ihre Mitarbeiter mitnehmen wollen, kommunizieren diese dagegen lautstark nach innen und außen - wie etwa VW-Chef Martin Winterkorn ("Wir werden bis 2018 Toyota als größten Automobilhersteller der Welt ablösen") oder der verstorbene Apple-Boss Steve Jobs ("Wir sind hier, um eine Delle im Universum zu hinterlassen"). Etwas bodenständiger klingt meist die Motivation bei Chefs von mittelständischen Firmen, wie Roland Bent von Phoenix Contact ("Die wichtigsten Treiber sind die Anwender und die Mitarbeiter"), oder Dr. Karl Tragl von Bosch Rexroth ("Unsere kompetenten Mitarbeiter sind unser wichtigstes Potenzial"; s. auch Interview Seite 8). Denn motivierte Kollegen steigern den Wert eines Unternehmens erheblich. So haben etwa Beschäftigte, die sich ihrem Betrieb nicht verbunden fühlen, fast ein Drittel höhere Fehlzeiten als die Motivierten, wie eine Gallup-Studie zeigt. Hinzu kommt, dass sie häufiger den Arbeitsplatz wechseln. Fluktuation verursacht aber enorm hohe Kosten.
Als ausschlaggebenden Faktor für die Zufriedenheit der Mitarbeiter nennt die Studie das Verhalten der Führungskräfte. Denn ein großer Teil der Arbeitnehmer fühle sich vom Vorgesetzten vernachlässigt - sei es durch mangelnde Informationen oder weil die Mitarbeiter mit ihren Ideen regelmäßig ins Leere laufen. Ergebnis: Sie bringen sich nicht mehr ein. Dabei sind es gerade die vielen "kleinen" Ideen, etwa zur Umsetzung von Kundenwünschen oder zur Optimierung von Arbeitsabläufen, die es erst ermöglichen, ein "großes" Unternehmensziel zu erreichen.
Vorgesetzte mit Zielen sorgen deshalb nicht nur für motivierte und informierte Mitarbeiter, sondern auch dafür, dass alle gemeinsam in die richtige Richtung ziehen.
Löscher-Nachfolger Joe Kaeser fasst seine Strategie in einem Focus-Interview so zusammen:"Als Führungskraft müssen Sie die allerbesten Mitarbeiter finden, für sich gewinnen und als ein Team zusammenführen, das harmoniert. Dann müssen Sie dieses Team bei Laune halten und Prioritäten setzen." Der Mann ist mir sympathisch.
Hajo Stotz, Chefredakteur
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