Editorial
Immer so gemacht
Deutschlands Konjunktur schwächelt. Die Schuldigen wurden auch schnell gefunden: US-Präsident Donald Trump sowie die Briten mit ihrer Brexit-Achterbahn. Sicherlich haben Trumps (Twitter-)Entgleisungen für viel weltpolitischen und -wirtschaftlichen Schaden gesorgt. Doch eines ist sicher: Er alleine trägt nicht die Schuld daran, dass in Deutschland die Konjunktur schwächelt.
Meiner Meinung nach gibt es ein typisch deutsches Problem: Wir machen Dinge so, weil wir sie schon immer so gemacht haben. Da wir seit Jahrzehnten in einigen Bereichen technologisch führend sind, sind wir das auch heute und werden es auch in Zukunft sein. So scheint die landläufige Meinung. Maschinenbau? Führend! Automobilbau? Führend – zumindest bei Verbrennungsmotoren! Digitalisierung? Ähm ... ja.
Bereits zur Hannover Messe fanden Vereine und Verbände deutliche Worte und sprachen Warnungen aus. Ungewöhnlich deutlich wurde damals VDE-Geschäftsführer Ansgar Hinz. Er warnte davor, dass Deutschlands technologische Führerschaft nicht so sicher ist, wie viele glauben. Gerade bei den entscheidenden Zukunftstechnologien sei Deutschland im weltweiten Vergleich nur Mittelmaß.
Und das betrifft nicht nur den Bildungssektor und die Wirtschaft, es betrifft auch die Infrastruktur Deutschlands. Dies zeigt sich unter anderem im Mobilfunkausbau – hier ist Deutschland bei der LTE-Flächenabdeckung im europäischen Vergleich auf dem vorletzten Platz – sowie im Schienenverkehr: Viele Strecken müssen überholt, teils marode Brücken repariert werden. In einer vernetzten Welt sind diese Infrastrukturthemen aber unerlässlich. Der Datenaustausch muss gewährleistet sein, und auch im Güterverkehr muss es verlässliche Alternativen zu überlasteten Straßen geben. Dabei kann sich der Staat nicht immer nur auf private Investoren verlassen.
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