Hajo Stotz zum
Erfolgsmodell ohne Nachwuchs
Auch Jayne Archbold, CEO Midmarket des Softwareherstellers Sage, bestätigt mir: „Das Deutsche Mittelstandsmodell wird in ganz Europa als wirtschaftspolitisches Vorbild gesehen.“
Eine von Sage in Auftrag gegebene Studie, die Ende Februar veröffentlicht wurde und die Sie hier lesen können, verdeutlicht die Bedeutung des Mittelstandes für Europa. So stellten im Jahr 2014 mittelständische Unternehmen (Studie: Firmen von 50 bis 499 Mitarbeitern) in den 12 analysierten Ländern nur 1% der Firmen in der gewerblichen Wirtschaft, sorgten jedoch für 20 % des Umsatzes, generierten 18 % der Bruttowertschöpfung und boten 17 % der Arbeitsplätze.
Gleichzeitig zeigt die Studie einmal mehr: Deutschland ist das Land des Mittelstandes. Mit 57.400 Unternehmen stellen wir einen Anteil von 1/3 aller Mittelständler in den 12 Ländern, zusammen mit UK (26.600) sogar fast die Hälfte.
In Deutschland arbeiteten 5,5 Mio. Arbeitnehmer 2014 in mittelständischen Firmen und erzielten eine Bruttowertschöpfung (BWS) von 298 Mrd. Euro. Im Verhältnis zu ihrer Mitarbeiteranzahl investierten die Mittelständler doppelt so viel in F&E wie große Firmen mit mehr als 499 Mitarbeitern. Und während die BWS der deutschen Gesamtwirtschaft zwischen 2004 und 2014 um 30% anstieg, stieg die des Mittelstandes um 40%.
Dennoch wachsen in Deutschland – relativ gesehen – große Firmen schneller als kleine und mittelständische Firmen, sowohl im Umsatz wie auch bei den Beschäftigten. Erklärung: Konzerne kaufen sich beides einfach dazu.
Doch dem Erfolgsmodell Mittelstand geht mittelfristig der Nachwuchs aus: Im weltweiten Vergleich können sich in keinem anderen Land so wenig junge Menschen vorstellen, ein Unternehmen zu gründen, wie hierzulande, wie eine weitere, aktuelle Studie der TU München und des US-Unternehmens Amway ergibt. Dafür wurden rund 44.000 Personen in 38 Staaten befragt.
Offenbar ist die deutsche Generation Y vor allem auf der Suche nach einem sicheren Arbeitsplatz. Obwohl sich 32 Prozent der 14- bis 34-Jährigen Selbstständigkeit vorstellen können, wagen sie in der Realität kaum noch den Schritt in die Selbstständigkeit: Lediglich zwei Prozent sind diesen Schritt gegangen. Im europäischen (49% / fünf Prozent) und weltweiten (51% / sechs Prozent) Vergleich ist Deutschland weit abgeschlagen.
Die Wahrnehmung des Unternehmertums ist bei den Ypsilons aber eine ganz andere: Jeder zweite ist davon überzeugt, dass Deutschland ein gründerfreundliches Land ist. Nur 40% sind der Meinung, dass Politik und Gesellschaft zu wenig für Gründungswillige tun.
Die Studie kommt zu dem Schluss: Wo Unternehmertum in der Schule gelehrt wird, ist die Einstellung wesentlich positiver (Schweden 94%, Norwegen 93%, etc.) als in Deutschland (59 Prozent).
Aber vielleicht sind es doch eher die Ängste der deutschen Generation „Why“ vor dem Risiko – denn, wie auch kürzlich FDP-Chef Christian Lindner vor dem Düsseldorfer Parlament wütend auf seine Erfahrungen zurückblickte: „Wenn man scheitert, ist man sich Spott und Häme sicher.“









