Editorial

Andrea Gillhuber,

5G mit Krücke

Als ich kürzlich aus Österreich zurückkam, bemerkte ich den Grenzübertritt als erstes an meinem mobilen Internet: Anstatt LTE war das einzig verfügbare Netz für einige Kilometer Edge.

Andrea Gillhuber, Chefredakteurin SCOPE. © Andrea Gillhuber

Leider kein Einzelfall, wie Gespräche mit Kollegen und Unternehmen zeigen. Meist folgt Gelächter. Doch jetzt mal im Ernst: Wenn junge, gut ausgebildete ausländische Fachkräfte zu Besuch im „Hochtechnologieland Deutschland“ sind, was wird ihnen wohl in Erinnerung bleiben – wie toll wir im Maschinenbau sind oder dass sie leider keine Bilder von ihrer Tour senden konnten, weil das Netz zu wünschen übrig ließ?

Das führt zum nächsten Diskussionspunkt: Während die Deutschen noch in der Frequenzvergabe sind, zeigen unsere Schweizer Nachbarn, wie die Technologie umgesetzt wird: Stand 16. Mai ist 5G schon in 45 Städten verfügbar, die flächendeckende Anbindung erfolgt Ende des Jahres.

Warum sind die Schweizer so schnell? Ganz einfach: Sie haben ein gut funktionierendes 4G-Netz, auf das sie mit der 5G-Technologie aufbauen können. Ein weiterer Punkt ist wohl auch, dass die Netzbetreiber keine horrenden Summen für die Frequenzbänder ausgeben mussten. Dafür sorgte auch die für die Vergabe zuständige Eidgenössische Kommunikationskommission ComCom: Ziel der Frequenzvergabe war „nicht ein möglichst hoher Auktionserlös, sondern eine effiziente Frequenz- zuteilung zur Sicherstellung einer ausgezeichneten Mobilfunkversorgung der Schweiz“. Zudem gab es ein Bietbeschränkung, damit die Preise nicht in die Höhe schnellen.

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Und wir Deutschen? Die Bundesnetzagentur freut sich über außerordentliche Einnahmen von über 5 Milliarden Euro, die Netzbetreiber über freuen sich über mangelndes Geld für den 5G-Ausbau und wir auf den nächsten Trip in die Schweiz.

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