Meinung
Liebe Leserinnen und Leser,
die Aufgabe steht, der Countdown läuft: In elf Jahren will Deutschland frei von Atomstrom sein. Der hiermit verbundene Zielkonflikt zwischen Versorgungssicherheit, Klima- und Umweltschutz, Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit zieht ein hochkomplexes Spannungsfeld auf, das nur durch ein exzellentes und grundsolides, durch und durch ehrliches und pragmatisches Projektmanagement zu beackern sein wird. Eine Riesenherausforderung, bei der es ans Eingemachte geht. Eine Operation am offenen Herzen unseres wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Organismus, ohne Betäubung. Die wird schmerzhaft sein und voller Komplikationen, aber sie muss unbedingt gelingen. Denn unsere Bänder müssen rollen, unsere Maschinen funktionieren – da gibt gibt es keine Diskussion. Keinesfalls darf aufs Spiel gesetzt werden, was in den vergangen Jahrzehnten aufgebaut worden ist, denn das ist unser aller Existenz und die unserer Kinder und Kindeskinder.
Sogar Papst Benedikt XVI. hat 2009 in seiner Enzyklika Caritas in veritate die Energieversorgung als eine der größten Herausforderungen für die zivilisatorische Entwicklung herausgestellt. Wir sitzen (noch) warm und trocken: Die garantierte und lückenlose Versorgung sowie die jederzeitige Verfügbarkeit der Energie ist für uns selbstverständlich geworden – das lässt uns allzu leicht vergessen, welch kostbares Gut sie ist. Wir sind abhängig geworden von einem äußerst fragilen System. Sogar fürs Zähneputzen brauchen wir Strom! Die Katastrophe Fukushima hat ein Fass zum Überlaufen gebracht und – bei aller furchtbaren Tragik – die Chance gehoben, das Thema Energie mit allen Aspekten neu anzupacken. Dazu bedarf es aller verfügbaren Kräfte – also jeden Einzelnen. Denn Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, gemeinhin als abstrakte Gebilde zur allseitigen Problemlösung aufgefordert, sind wir, die konkret Handelnden. Alle sind betroffen, alle sind gemeint. Wir müssen dazu bereit sein, Dinge auch im Kleinen und alltäglich wirksam zu ändern – auch gewohnte und liebgewordene Bequemlichkeiten sowie die schier grenzenlose Mobilität. Und wir müssen jene technischen Infrastrukturen, die zur Nutzung diverser Energiequellen jenseits der Atomkraft nun einmal nötig sind, in unserem Umfeld akzeptieren.
Machen wir uns nichts vor: Sicher sind wir auch ohne AKW in Deutschland nicht – denn unsere Nachbarschaft ist voll davon. Man wird uns gespannt dabei beobachten, wie wir das Ziel der eingeläuteten Energiewende angehen. Es wird nicht die erste Quadratur des Kreises sein, an deren Lösung in ganz besonderem Maße die Ingenieure ihren Anteil haben werden. An diesem Thema mitzuwirken und zu ergrübeln, wo noch was geht und noch mehr Effizienz zu holen ist, muss doch den querdenkenden und kreativen Tüftler jetzt erst recht packen. Welch grandiose Chance für den Maschinenbauer, mit neuen Ideen an der Umsetzung des Paradigmenwechsels, ja an der Zukunft schlechthin zu arbeiten!
Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre und eine schöne Sommerzeit!
Herzlichst,
Petra Born
Chefredakteurin handling








