Editorial
Jeder für sich...
"Der Weg zur intelligenten Fabrik führt über Hannover" wirbt die gleichnamige Messe für sich. Integrated Industry und Industrie 4.0 sind die messebeherrschenden Themen, und in unserer Titelstory "Alles smart oder was?" beschreibt Kollege Johannes Gillar wie die sogenannte "vierte industrielle Revolution" die Fertigung verändern wird.
Mit Industrie 4.0 haben die deutsche Industrie und der IT-Verband Bitcom einen Begriff kreiert, der mittlerweile weltweit die Runde macht.
Dass Deutschland bei dem Thema eine Vorreiterrolle einnimmt, liegt auch daran, dass es auf dem Gebiet der Embedded Systems führend ist. 98 Prozent der von der Industrie verbauten Mikroprozessoren arbeiten eingebettet, sind also über Sensoren und Aktoren mit der Außenwelt verbunden. Die Vernetzung der Mikroprozessoren untereinander und mit dem Internet ist da einfach der nächste Schritt.
Typisch deutsch forschen und entwickeln wir hierzulande wieder gründlich an entsprechenden Lösungen und Produkten. Jedoch: Jeder Hersteller für sich, keiner für alle. Auto- oder Haushaltsgeräteindustrie zeigen, wo das wieder hinführen wird: Während Bosch, Miele (intelligente Kühlschränke) oder Vorwerk (intelligenter Saugroboter) ihre jeweils eigenen „denkenden“ Lösungen entwickeln, setzt Samsung bei TV, Waschmaschinen, Geschirrspüler und Kaffee-Automaten einfach das Google-Betriebssystem Android ein, das dann mit Handy und Smartpads problemlos kommunizieren kann.
Und im Autobereich wurde gerade die Open Automotive Alliance mit dem Ziel gegründet, ein einheitliches Betriebssystem für Fahrzeug-, Unterhaltungs- und Informationssysteme zu etablieren. Eine gemeinsame Initiative der führenden deutschen Autobauer BMW, Mercedes, Porsche und VW zusammen mit Siemens und Bosch? Weit gefehlt. Der Internet-Gigant Google etabliert Android mit Audi, General Motors, Honda und Hyundai als Betriebssystem für Autos.
Wenn es schon die deutsche Autoindustrie nicht schafft, bei so einem wichtigen Thema eine gemeinsame Strategie zu finden, stellt sich bei Industrie 4.0 erst recht die Frage, wer mit den entsprechenden Diensten am Ende Erfolg haben wird – man erinnere sich an andere Ideen aus Deutschland wie mp3, Magnetschwebebahn, Scanner oder Computer.
Soll Industrie 4.0 als deutsche Kommunikationsplattform für die Fertigung erfolgreich werden, müssen die Firmen gemeinsam mit Verbänden wie Bitcom, VDMA, VDW, BDI etc. schnell eine gemeinsame Strategie – technologisch und betriebswirtschaftlich – entwickeln.
Doch diese Hoffnung ist so wahrscheinlich wie ein Erfolg der Energiewende mit dieser Regierung.
Ich wage jede Wette, dass der Weg zur intelligenten Fabrik nicht über Hannover führt, sondern über Google, Apple oder Microsoft.








