Hajo Stotz
Schland!
Jetzt geht er wieder los, der Kampf um das runde Leder – und diesmal wird es ganz besonders spannend: Die Amerikaner müssen ihren Titel in Leipzig gegen die starken Teams aus Finnland und Japan verteidigen.
Amerikaner? Finnen? Japaner? Ganz recht, denn in Leipzig findet Ende Juni die Fußball-WM der Roboter statt, der sogenannte Robo-Cup, was allerdings – im Gegensatz zur laufenden Europameisterschaft in Frankreich – für mich unverständlicherweise bisher der breiten Öffentlichkeit verborgen blieb. Noch.
Denn so wie die Roboter sich derzeit aufmachen, aus der Auto-Industrie immer stärker in andere Bereiche einzudringen, treten sie auch mehr und mehr in den Blick der Öffentlichkeit. Ob als stiller Kollege beim Montieren, als Pflegeroboter, als Roboterauto oder Haushaltsroboter – die Maschinen werden das Leben der nächsten Generationen deutlich stärker beeinflussen als unser jetziges.
Und Deutschland hat dabei die Chance, von der Roboter- und Automatisierungstechnologie enorm zu profitieren. Zum einen haben viele der Hersteller ihren Sitz in Deutschland, und die Branche wächst laut VDMA heute bereits weit stärker als der allgemeine Maschinenbau. Was die Hersteller an Neuheiten zu bieten haben, davon kann man sich auf der Automatica in München überzeugen – und in dieser Ausgabe einen Vorgeschmack bekommen.
Zum anderen werden aber nicht nur die Hersteller von Robotern und Automatisierungslösungen von diesem Trend profitieren, sondern auch die Produktion in Deutschland als solche kann mit Industrie 4.0 und Automatisierung wieder wettbewerbsfähiger werden. So hat etwa der deutsche Sportartikelhersteller Adidas vor über 20 Jahren seine Produktionsstätten komplett in Billiglohnländer verlagert. Doch auch dort steigen die Löhne. Nun will Adidas wieder Schuhe „made in Germany“ herstellen. Vollautomatisch von Robotern und einem kleinen menschlichen Team. Benötigt werden für diese Art der Produktion aber keine Hilfskräfte, sondern Spezialisten mit guter Ausbildung. Und die kann Deutschland noch immer bieten. Und wenn wir unser bildungspolitisches Länder-Klein-Klein endlich überwinden und ein kreativitätsförderndes, chancengleiches Bildungssystem schaffen würden, zukünftig noch viel mehr als heute.
Denn Bildung ist der wichtigste Rohstoff Deutschlands. Ein Gemeinplatz, aber Tatsache. Doch auch die „verlängerten Werkbänke“ wissen um das hohe Zukunftspotential der Roboter- und Automatisierungslösungen, und nicht umsonst beäugen Bundesregierung und die deutsche Industrie die Übernahmeversuche von Kuka durch die halbstaatliche chinesische Midea-Gruppe kritisch.
Denn wer weiß: Mit dem gekauften Know-how gewinnen die Chinesen womöglich noch eine Fußball-Weltmeisterschaft – zumindest bei den Robotern. kf










