Meinung
Das Jahr neigt sich dem Ende zu…
…damit geht zugleich ein Jahrzehnt zu Ende. Die Zwanziger stehen bevor. Endlich nach den Neunzigern des letzten Jahrhunderts wieder ein Jahrzehnt, das gut klingt, wenn man es ausspricht.
Das Jahrzehnt begann unter dem Eindruck der Finanzkrise infolge der Lehman-Pleite, Eurokrise, Anleihenprogamme der EZB, Niedrigzins- und Niedriginflation. Aber leider war es auch geprägt vom Aufkommen rassistischer populistischer Bewegungen und Parteien, rechter Gewalt bis hin zur Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten oder dem antisemitischen Anschlag in Halle.
Ende 2019 schließlich standen die Berichte über die konjunkturelle Abkühlung im Fokus. Man muss nur das Radio anschalten oder die Zeitung aufschlagen: Deutschland ist knapp an der Rezession vorbeigeschlittert. Viele Unternehmen durchleben angespannte Zeiten, protektionistische Handelskonflikte machen ihnen zu schaffen, dazu die Never-ending-story um den Brexit, was in Summe für eine lahmende Weltwirtschaft sorgt. Die deutschen Maschinenbauer spüren das in ihren Auftragsbüchern, auch die Automobilindustrie ist im Umbruch. Es gibt genügend Warnzeichen, wie Einstellungsstopps und Kurzarbeit.
Aber trotz allem muss betont werden, dass wir zugleich ein Jahrzehnt wirtschaftlicher Prosperität hinter uns haben. Deutschland entwickelte sich vom „kranken Mann Europas“ zum wirtschaftlichen Stabilitätsanker der Eurozone. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit konnten Firmen gar keine Aufträge mehr annehmen, weil sie ausgelastet waren. Und da wir immer noch von Konjunkturzyklen sprechen, kann es eigentlich nicht verwunderlich sein, dass auf die Jahre des Wachstums eine Abkühlung folgt.
Hinzu kommt, dass die Digitalisierung sowie die drängenden Anforderungen umwelt- und klimafreundlicheren Wirtschaftens bestehende Geschäftsmodelle auf den Prüfstand stellen. Die Unternehmen stehen vor der Herausforderung, diesen Wandel zu meistern. Aber gerade hier sehe ich auch viele Gründe für Optimismus. Wie erst kürzlich auf der SPS in Nürnberg zu sehen war und auch die Berichte in dieser Ausgabe wieder zeigen, sind viele Firmen für die kommenden Aufgaben hervorragend aufgestellt. Und selbst Wachstumskritiker können sich der Erkenntnis nicht verschließen, dass Energiewende, Ausbau von Bus- und Bahnangeboten, ökologische Landwirtschaft und ressourcenschonende Produktion vor allem mutiger Investitionen, also Wachstum, bedarf. Wandel hat es schon immer gegeben, und ohne die Fähigkeit zur Wandlung wäre Deutschlands Wirtschaft nicht das, was sie ist: Ein innovativer und globaler Akteur.
Wir wünschen Ihnen aus der handling-Redaktion geruhsame Weihnachtsfeiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Ihre
Annina Schopen
Redakteurin handling









