Meinung

Der Coup der Chinesen

Das war ein echter Coup aus China: Der Haushaltsgerätehersteller Midea hat in Windeseile den Roboterhersteller Kuka so gut wie übernommen. Nach dem China-Angebot von 115 Euro pro Aktie an die Altaktionäre war die Aufregung groß. Politik und Wirtschaft wähnten einen Ausverkauf deutschen Know-hows, wiewohl Kuka bereits in China produziert und damit dort Kenntnisse aus der Roboterproduktion vorliegen. Und auch die Großaktionäre, die Familiengesellschaft Voith und Rittal-Eigner Friedhelm Loh, die zusammen auf mehr als 35 Prozent Aktienanteil kamen, verwiesen erschrocken auf die Aufgabe von Kenntnissen.

Bernd Waßmann, stellv. Chefredakteur

Die Politik warnte schnell vehement vor dem Szenario. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel telefonierte nach anderen, deutschen Investoren, die auf das Angebot aus China noch etwas obendrauf legen wollten. Vergebens. 115 Euro waren schon ein ordentlicher Zuschlag auf die Notierung vor der Offerte. Damals lag Kuka aktiennotiert bei etwa 85 Euro. Voith und Loh gaben nach Wochen des Zögerns beide innerhalb weniger Stunden der Versuchung nach und verkauften für rund 1,7 Milliarden Euro an die Chinesen. Für die Entscheidung der Unternehmen muss man Verständnis aufbringen. Es war rein wirtschaftliches Kalkül. Ob die Entscheidung vernünftig war, steht auf einem anderen Blatt. Einträglich war sie zumindest. Beide Investoren haben ordentlich verdient.

Die Klagen über den Ausverkauf deutscher Interessen waren schnell auf dem Tisch, vor allem aus der Wirtschaft. Den Schwarzen Peter allerdings an die Politik weiterzureichen ist voreilig. Die Wirtschaft hätte die Bedeutung des Deals selbst erkennen müssen und das überschaubare Investment von zwei Milliarden Euro in die Hand nehmen können. Auch wenn die Zeit knapp war – Signale des Interesses hätten wohl ausgereicht und den Deal der beiden Großinvestoren aufgehalten. Handfeste Gründe dafür hätte es gegeben. Für manche Internet-Klitsche wird hier mit größeren Summen, vagen Zukunftsaussichten und dünnen Gewinnen schneller das dickste Scheckbuch gezückt.

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Bei Kuka stehen Investoren handfeste Zukunftsaussichten vor Augen. Die Roboter aus Augsburg sind auf die Zukunftsproduktionen mit Industrie 4.0 und Mensch-Roboter-Kooperation ausgerichtet. Da ist kaum zu übersehen, dass diese Produktionsmittel schon bald Realität in den Industrien der Welt sind. Midea hat auch nicht aus altruistischen Gründen gehandelt. Der Hausgerätehersteller muss seine Produktion aktuell halten und sieht in der Diversifikation eine Chance. Und Kuka denkt bereits über Haushaltsroboter nach.

Gleichwohl verliert Deutschland zunächst einmal nicht an Roboter-Know-how. Verträge sichern das Unternehmen und die Mitarbeiter bis weit ins nächste Jahrzehnt hinein.


Herzlichst
Ihr

Bernd Waßmann
Stellv. Chefredakteur

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