Anwenderbericht

Melanie Steinbeck,

„Wenn Bewehrungsstahl dicker wird, muss die Automation nachziehen“

Maschinen zur Verarbeitung von Bewehrungsstahl müssen zuverlässig laufen, oft über Jahrzehnte hinweg. Für den italienischen Hersteller MEP (Macchine Elettroniche Piegatrici) bedeutet das zugleich, sich kontinuierlich auf veränderte Marktanforderungen einzustellen. Größere Drahtdurchmesser, neue Werkstoffe und steigende Produktivität verlangen nach einer neuen Generation von Maschinen und leistungsfähigeren Antriebssystemen.

MEP–Keba-Team. In der Mitte (mit weißem Hemd): Giles Haysom, Procurement Director MEP © Keba

MEP entwickelt und produziert seit 1966 Maschinen zum Biegen, Verarbeiten und Schweißen von Bewehrungsstahl. 2024 ging das Unternehmen unter Beteiligung des Fonds Wise Equity VI an die Börse und übernahm gleichzeitig die Mehrheitsanteile an Promostar und Planet Automation. Aus den Unternehmen entstand die MEP Group.

© Keba

Die grundlegenden Prozessschritte hätten sich über die Jahre kaum verändert, sagt Giles Haysom, Procurement Director bei MEP. Die Anforderungen an die Maschinen dagegen schon. „Ganz ehrlich, es gibt einige Trends im Markt, die sich darauf auswirken, wie wir unsere Maschinen entwickeln müssen.“ Während früher Bewehrungsstahl mit einem maximalen Durchmesser von 16 Millimetern verarbeitet wurde, müssen heutige Anlagen Material mit bis zu 26 Millimetern Durchmesser beherrschen. Gleichzeitig kommen zunehmend unterschiedliche Stahlsorten, darunter auch Edelstahl, zum Einsatz. Hinzu kommt der Wunsch vieler Produzenten nach höheren Ausstoßleistungen. „Und darüber hinaus möchten die Produzenten auch den Output ihrer Maschinen steigern. Deshalb können MEP-Maschinen zwei Drähte gleichzeitig verarbeiten“, ergänzt Haysom.

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Leistungsfähigere Antriebe werden erforderlich

Für die Konstrukteure hatte das Konsequenzen. Die Maschinen mussten grundlegend überarbeitet werden, insbesondere die Antriebstechnik. „Die zuvor genannten Veränderungen und Anforderungen zwangen uns dazu, unsere Maschinen neu zu konzipieren. Dafür benötigten wir leistungsstärkere Servoachsen als jene, die wir bisher eingesetzt hatten. 100 Ampere galten früher als maximale Nennstromanforderung, aber uns war klar, dass wir uns anpassen und Antriebe einsetzen mussten, die 150 Ampere bewältigen können“, erklärt Haysom. Gleichzeitig wurde ein bislang eingesetztes Produkt des damaligen Lieferanten abgekündigt. Die Suche nach einer Alternative begann.

Offene Systemarchitektur ermöglicht Flexibilität

Den Kontakt zu Keba knüpfte MEP auf der SPS-Messe in Parma im Jahr 2012. Dort diskutierten die Ingenieure beider Unternehmen erstmals über die anstehenden technischen Herausforderungen. Aus den Gesprächen entwickelte sich eine langfristige Zusammenarbeit.

© Keba

Für MEP waren dabei zwei Aspekte ausschlaggebend. Zum einen das verfügbare Produktportfolio, das sowohl die damaligen als auch künftige Anforderungen abdeckte. Zum anderen die Offenheit der Systemarchitektur. „Wir haben uns aus zwei wesentlichen Gründen für Keba entschieden: Einerseits bot Keba genau die Produkte an, die wir damals benötigten, aber auch jene, die wir für unser zukünftiges Wachstum brauchen würden. Andererseits sind die Lösungen von Keba so ausgelegt, dass sie dank entsprechender Schnittstellen problemlos mit unterschiedlichen Systemen wie CANopen, EtherCAT, PROFINET usw. kommunizieren können. Und genau diese Flexibilität suchten unsere Ingenieure.“

Neben den technischen Eigenschaften habe auch die Zusammenarbeit eine Rolle gespielt. „Wir haben relativ schnell ein sehr gutes Verhältnis zum Keba-Team aufgebaut, das auf gegenseitigem Vertrauen basierte“, ergänzt Haysom.

Echtzeitkommunikation für eine Anlage in Argentinien

Wie sich diese Zusammenarbeit weiterentwickelte, zeigte sich 2020 bei einem Projekt für eine Gittermattenanlage in Argentinien. Dort war die Unterstützung des industriellen Ethernet-Kommunikationsstandards PROFINET (Process Field Network) gefordert, über den Steuerungen, Antriebe und andere Automatisierungskomponenten in Echtzeit miteinander kommunizieren. Gemeinsam mit dem Automatisierungspartner Centro Automazioni und Keba entstand eine entsprechende Lösung auf Basis des D3-Antriebssystems.

© Keba

„Damals wurden wir beauftragt, eine Anlage in Argentinien für die Produktion von Gittermatten zu realisieren. Eine der Anforderungen bestand darin, das PROFINET-Protokoll zu unterstützen. MEP kontaktierte daraufhin den technischen Partner Alfonso Sciarrabone von Centro Automazioni, der auf Basis der verfügbaren Projektdaten den Einsatz des Antriebssystems D3 von Keba empfahl. Kolleginnen und Kollegen des Keba-Teams in Italien unterstützten anschließend bei der Ausarbeitung des gesamten Setups, um sicherzustellen, dass MEP eine PROFINET-Lösung anbieten konnte. Dieses IRT-PROFINET-Protokoll ermöglicht es den D3-Antrieben von Keba, mit der Automatisierungsanwendung von Siemens zu kommunizieren.“

Energie effizienter nutzen

Die Zusammenarbeit wird inzwischen fortgesetzt. Aktuell testet MEP eine neue Richt- und Biegemaschine mit EtherCAT-Schnittstelle. Dabei soll die gemeinsame DC-Bus-Lösung der D3-Antriebsplattform die vom Zugsystem benötigte Energie mit der von der Schereinheit rückgespeisten Energie koppeln. Ziel ist es, sowohl den Gesamtenergieverbrauch als auch die über einen externen Bremswiderstand abgeführte Energie zu reduzieren. Sollten die Tests erfolgreich verlaufen, könnte die Kooperation weiter ausgebaut werden. „Bei Schneid- und Biegeanwendungen könnte es durchaus möglich sein, die Zusammenarbeit auch auf die Ebene der Servomotoren auszuweiten.”

Neben der Technik spielt für MEP der weltweite Service eine zentrale Rolle. „Lokaler Support und After-Sales-Service in den jeweiligen Ländern – auch und gerade in weit entfernten Regionen – sind eine sehr wichtige strategische Säule unserer Zusammenarbeit“, so Haysom.

Partnerschaft statt Einkauf

Entscheidend sei letztlich jedoch die Art der Zusammenarbeit. „Wir suchen Partner, die ihren Kunden aufmerksam zuhören und entsprechend handeln, mit dem Erfolg ihrer Kunden im Blick. Entweder man spielt in dieser Liga, oder eben nicht. Wir brauchen Menschen auf der anderen Seite, die sagen: Ok, lassen Sie uns das gemeinsam lösen, denn auch das gehört zu unserer Verantwortung.“

Und schließlich fasst Haysom die Zusammenarbeit mit Keba so zusammen: „Keba ist vielleicht nicht der günstigste Anbieter, aber man weiß genau, was man bekommt.“

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