Editorial
Back to the Roots
Exportweltmeister sind wir nicht mehr, den Titel Reiseweltmeister haben wir letztes Jahr auch verloren. Aber noch ist Deutschland das Messeland Nummer 1 weltweit: Alleine 150 internationale, dazu unzählige nationale und regionale Messen sowie Kongresse und Ausstellungen finden jedes Jahr hier statt. Zu den internationalen Messen kommen jährlich mehr als zehn Millionen Besucher und über 160.000 Aussteller. Auf rund 23,5 Milliarden Euro wird der Umsatz mit und auf Messen geschätzt, rund 226.000 Arbeitsplätze sichert die Messebranche damit. Ein Grund für diese Messevielfalt liegt in der hohen Zahl mittelständischer Betriebe hierzulande. Für sie sind Messen ideales Schaufenster für die eigenen Leistungen und Produkte wie auch 1a-Möglichkeiten, um sich im Vier-Augen-Gespräch über eine Lösung für ihr Problem zu informieren. So bin auch ich Mitte der 1980er als AV-Ingenieur mit meinem Produktionsleiter auf die Hannover Messe Industrie gefahren: Der packte die Tasche voll mit Teilen, mit denen wir in der Produktion Schwierigkeiten hatten, dann wurden zwei Tage lang die Aussteller abgeklappert und Lösungen diskutiert. Doch Hannover entwickelte sich zu einer internationalen Branchenschau, bei der der Präsentationscharakter im Vordergrund steht. Auf ihren Platz rückten etwa die Motek oder die SPS/IPC/Drives nach. Für deren Macher Paul Schall oder Joseph Rath waren "Zeit und Raum für intensive Gespräche" das tragende Element der Messen. Mit zunehmendem Erfolg wird es jedoch auch für den engagiertesten Messemacher schwierig, dieses Konzept einzuhalten: die Wege werden immer länger, die Stände immer grösser und voller, und sowohl Aussteller wie Besucher haben immer weniger Zeit für tiefgehende Gespräche. Joseph Rath, der sich 2009 von der SPS verabschiedete, geht nun zurück auf Start: Er hat eine neue Messegesellschaft gegründet und Ende Juni sein regionales Konzept einer Arbeitsmesse vorgestellt. Die "all about automation" soll Anfang Juni 2014 in Friedrichshafen stattfinden, dann im Rhein-Main-Gebiet und im Osten Deutschlands. Rath: "Auf unserer Messe erfährt der Anwender wie seine Automatisierungsaufgabe hier und jetzt gelöst werden kann." Der Erfolg einer Messe hängt aber nicht nur vom sinnvollen Konzept ab, sondern auch den Personen, die es umsetzen sollen, wie man etwa an Beispielen in Frankfurt oder München sehen kann. Deshalb setzt Rath hier auf Bewährtes: mit Wolfgang Tondasch, dem einst wichtigsten Berater der SPS, oder Tanja Waglöhner, ebenfalls mit langjähriger SPS-Erfahrung, hat er Köpfe im Boot, die wissen, was Besucher, Aussteller (und Journalisten) auf einer Messe wollen: in kürzester Zeit mit überschaubarem Aufwand den bestmöglichen Erfolg erzielen. Ist das Konzept erfolgreich, werden wir den Titel als Messeweltmeister jedenfalls wohl noch auf Jahre verteidigen.
Hajo Stotz, Chefredakteur [email protected]








