Lineartechnik

„Fein, präzise und raffiniert“

IEF-Werner-Chef Manfred Bär über die Triebfedern des Unternehmens. Automatisch intelligent pressen – kurz aiPress: Damit überzeugte IEF-Werner beim handling award 2014 und belegte den zweiten Platz.

Manfred Bär: Fortschritt braucht einfache und intuitive Technik. (Foto: IEF Werner)

Die Presse beeindruckt durch Präzision und ist optisch ein Schmuckstück in den Werkhallen. Bernd Waßmann sprach mit IEF-Werner-Geschäftsführer Manfred Bär darüber, wie die Lineartechniker aus dem Zentrum der deutschen Uhrenindustrie ticken.

Herr Bär, IEF-Werner hat beim handling award einen ausgezeichneten zweiten Platz im Bereich innovative Anwendungen belegt. Inwieweit ist Innovation eine Triebfeder für die tägliche Arbeit bei Ihnen im Haus?
IEF-Werner versucht seit jeher innovative Nischen zu finden. Dinge umzusetzen, die andere nicht können. Um bei dem Beispiel aiPress zu bleiben: sicherer und ergonomischer pressen zu können als andere. Damit steigern unsere Kunden ihre Qualität. In dieser Freistellung gegenüber den Mitbewerbern sehen wir einen Erfolgsfaktor für IEF-Werner.

Wenn Sie die Entwicklungsarbeit unter ein Motto stellen müssten, wie würde das lauten?
Präzise, ideenreich und raffiniert gelöst – das umreißt unsere Entwicklung am besten.

Welche generellen Themen beschäftigen Sie dabei gegenwärtig?
Wir beschäftigen uns mit der Verkleinerung der Linearachsen und mit energieeffizienten Antrieben auf Piezo-Basis. Daraus lassen sich kleine, abgeschlossene Handlingeinheiten zur Mikro-Montage erwarten. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Modularisierung. In vielen Branchen, beispielsweise in der Feinwerk- und Mikrosystemtechnik, werden skalierbare Fertigungseinrichtungen stark nachgefragt, die sich zudem schnell und flexibel an Änderungen im Produktspektrum anpassen lassen. Produkte müssen immer schneller, präziser und dabei schonend gehandhabt werden. Es gilt, Durchlaufzeiten zu verkürzen und handhabungsbedingte Ausschussraten zu verringern. Damit Anwender ihre Montageanlagen einfach auf veränderte Bedingungen einstellen können, müssen sie problemlos erweiterbar sein. Dafür unterstützen wir sie mit standardisierten Modulen. Wartungen oder der Austausch einzelner Baugruppen sind sogar während des Betriebs möglich.

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Sie haben ja weitere Beteiligungen am handling award angekündigt ...
Wir ermitteln und loten laufend neue Innovationslücken aus, die wir schließen können. Dabei hilft uns der enge Kontakt mit unseren Kunden.

Dabei ist Ihre eingereichte Lösung auch ein optischer Leckerbissen ...
Design ist bei uns ein wichtiger Aspekt. Dabei wollen wir das Design nicht irgendwelchen Modeströmungen unterwerfen, sondern wir suchen aus der Funktion heraus ein schlichtes, gradliniges, funktionales und ergonomisches Designkonzept. Dies spiegelt sich zum Beispiel auch in unseren Bedienoberflächen wider. Diese sind optisch ansprechend gestaltet und sehr benutzerfreundlich. Denn selbst die fortschrittlichste Technik kann sich beim Anwender kaum durchsetzen, wenn sie sich nicht einfach und intuitiv bedienen lässt.

Der Schwarzwald, wo IEF-Werner zuhause ist, gilt noch immer als Zentrum der Feinwerktechnik. Das ist unter anderem der Uhrmacherkunst geschuldet, die hier eine lange Tradition hat. Fühlt sich das Unternehmen dieser Tradition irgendwie verbunden?
Sehr. Wir sind davon überzeugt, dass die Bauteile an vielen Stellen immer kleiner werden. Wir sehen aber auch die Diskrepanz, dass immer kleinere Teile mit übergroßen Maschinen montiert werden. Es arbeitet oft eine schwere Handling- oder Robotereinheit mit einem minimalen Teilegewicht. Das ist weder ökonomisch noch ökologisch. Deswegen sind wir auf dem Weg, unsere Automatisierungslösungen zu verkleinern und mit immer geringerer Antriebsleistung zu versehen. Dies ermöglicht gleichzeitig auch eine höhere Präzision.

Automation und Lineartechniken sind das Arbeitsfeld des Unternehmens. Wo werden Sie da konkret tätig?
Es war immer unser Prinzip, breit gestreut tätig zu sein und damit letztendlich auch krisenunabhängiger. Deswegen sehen Sie uns in allen Branchen, weil Handhaben fast überall verlangt wird. Wir sind nie sehr automobillastig gewesen.

IEF-Werner betont gerne die wirtschaftliche Effizienz der Lineartechnik im Vergleich zu Robotern. Stichworte sind hier Überqualifizierung und Ressourcenverschwendung. Ist aber deren Flexibilität nicht auch ein entscheidender Vorteil?
Es gibt Anwendungsbereiche, in denen wir den Sechs-Achsroboter nicht verdrängen wollen. Aber in vielen Fällen ist diese Vielachsigkeit überhaupt nicht notwendig. Da sind X-Y-Z-Linearachssysteme effektiver und von Vorteil.

Ein Trendthema im Maschinenbau ist gegenwärtig die Modularität. Inwieweit ist die tatsächlich notwendig oder doch nur ein Kostenfaktor?
Die Modularität ist bis zu einem gewissen Maß sicherlich sinnvoll. Wir versuchen hier einen vernünftigen Rahmen zu finden, da sie nämlich ab einem bestimmten Rahmen eher kostentreibend wirkt. Irgendwann macht es keinen Sinn mehr.

Sie bieten als Hersteller einerseits herkömmliche analoge Lineartechniken an und auf der anderen Seite Automationstechniken wie Palettiersysteme. Wie verteilt sich das Geschäft?
Zu etwa 50 Prozent verkaufen wir Standardanwendungen, die die Kunden selbst in ihren Anlagen verbauen. Die anderen 50 Prozent sind Standardanlagen, die um gewisse kundenspezifische Applikationen von uns erweitert werden.

Die Kunden rufen immer stärker nach schlüsselfertigen Lösungen. Ist das ein Thema für IEF-Werner?
Wir fertigen immer wieder schlüsselfertige Lösungen, wenn sie von der Anlage her nicht zu komplex sind. Unser Vorteil ist, dass wir eine hohe Fertigungstiefe haben: Linear- und Verstelleinheiten, Motoren, Energieführungen, Untergestell, Steuerung – bei uns kommt alles aus einer Hand. Fertig montiert und in Betrieb genommen.

Wie passen dabei IEF-Werner und Industrie 4.0 zusammen?
Wir entwickeln in einigen Bereichen am Thema Industrie 4.0. Das sind zum Teil auch EU-Forschungsprojekte. Beispielsweise entwickeln wir im Rahmen des internationalen Forschungsprojekts ‚Transparency‘ eine intelligente Linearachse, die ihren Zustand permanent selbst überwacht. Anwender können so künftig Ausfallgefahren frühzeitig erkennen und Wartungsarbeiten rechtzeitig planen. Kosten für Ersatzteile und Wartung lassen sich dadurch minimieren, Stillstandzeiten deutlich reduzieren. Wir sehen darin große Chancen.    bw

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