Elektronik

Webasto kauft Schaidt Innovations nach Jungbrunnen

Der Elektronik-Dienstleister Schaidt Innovations (ehem. Harman-Gruppe) wurde nach einem Innovationsprozess (Transformation as Restructuring) mit Wirkung zum 1. Januar 2017 durch die Webasto SE übernommen. Mit 166 Mitarbeitern wird das Unternehmen künftig als Webasto Mechatronics fortgeführt.

Der Elektroik-Dienstleister Schaidt Innovations gehört seit Jahresbeginn zur Webasto Gruppe.

Ein von Rasenberger Toschek geführtes Expertenteam leitete erstmalig einen Innovationsprozess unter Insolvenzbedingungen ein. Aus Innovationsgesichtspunkten ausgewählte Mitarbeiter der Schaidt Innovations arbeiteten über sieben Monate mit externen Beratern an der Entwicklung und Umsetzung eines neuen unternehmensinternen Innovationsprozesses zusammen. Zum ersten Mal wurde der neue Ansatz Transformation as Restructuring (TaR) in der Praxis angewendet, der dann zum Einsatz kommen soll, wenn ein Unternehmen nicht klassisch saniert werden kann, weil die Geschäftsgrundlage entfallen ist. Auslöser für den Wegfall der Geschäftsgrundlage im Fall Schaidt Innovations waren die Veränderungen im modernen Automobilbau. Für die Produkte von Schaidt Innovations – mit die besten auf dem Weltmarkt - gab es schlichtweg keine Nachfolgeaufträge.

"Wer hier einseitig auf Kostenreduzierung und Personaleinsparung setzt, verkennt die Lage. Nur mit neuen Produkten und Kundenkreisen gibt es eine Zukunft", sagt der Unternehmenssanierer, Dr. Jochen Brinkmann. Zu dem weiteren Kreis der bekannten Top Berater gehörten u.a. Georg von der Ropp (BMI Lab), Dr. Christoph Wecht (BGW, St. Gallen) und Professor Peter Russo (EBS Universität).

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Webasto mit dem überzeugendsten Übernahmekonzept

Dem anschließenden Verkauf der Schaidt Innovations war ein strukturierter, intensiver Investorenprozess vorausgegangen, der weltweit auf Interesse stieß. Es wurden Gespräche mit 140 potenziellen Investoren geführt, bis Webasto aufgrund der überzeugendsten Lösung den Zuschlag erhielt. Der Verkaufsprozess wurde vom Schweizer M&A-Beratungsunternehmen Rasenberger Toschek begleitet unter der Führung von Sebastian Kordt, CFA.

Die Webasto-Gruppe gehört mit einem Umsatz von nahezu 3 Milliarden Euro und rund 12.000 Mitarbeitern zu den 100 größten Automobilzulieferern weltweit. Als Weltmarktführer für Dach-, Cabriodach- und Thermosysteme, verstärkt das Unternehmen mit diesem Zukauf seine Kompetenz durch eine eigene Elektronikfertigung. Infolgedessen wird Webasto künftig einen Teil seiner Elektronik-Komponenten in Eigenfertigung produzieren.

Durch die globale Präsenz der Webasto ist eine Internationalisierung der bisher auf Deutschland fokussierten Schaidt Innovations zügig möglich. Das Konzept des Käufers für den Standort in Wörth-Schaidt überzeugte alle Beteiligten. Schon heute verfügt Webasto über eine langjährige Mechatronik-Entwicklungskompetenz, die durch Schaidt Innovations optimal ergänzt wird. Die Komplexität und Bedeutung elektronischer Komponenten für alle Webasto-Produkte steigt seit Jahren. Der TaR-Prozess zeigte, dass die Stärken der Schaidt Innovations bestens zu Webasto passen. Silke Nötzel, zuständige Bezirkssekretärin der IG Metall Bezirksleitung Mitte, ergänzt: „Der neuartige Ansatz zur Entwicklung von Geschäftsmodellinnovationen hat geholfen, für mehr als 160 Mitarbeiter eine langfristige Zukunftsperspektive zu eröffnen. Die IG Metall hat dieses Vorgehen als einen wichtigen Baustein unterstützt, damit in Schaidt nach dem langem Kampf die Tore nicht geschlossen werden müssen.“

Zum 1. Januar 2017 übernahm Webasto alle Vermögenswerte sowohl der operativen Schaidt Innovations GmbH & Co. KG als auch der Besitzgesellschaft Schaidt Holding GmbH. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

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