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Artikel und Hintergründe zum Thema

Photonische Mikrochips mit 3D-Stecker

Melanie Steinbeck,

Wie ein 3D-System photonische Chips industriefähig macht

Es klingt nach einer technischen Randnotiz, doch es könnte für die industrielle Produktion photonischer Systeme ein entscheidender Schritt sein: Physiker und Chemiker der Universität Heidelberg haben einen photonischen Mikrochip so weiterentwickelt, dass er sich künftig ebenso einfach anschließen lassen soll wie eine elektronische Komponente – über einen „Stecker“.

Illustration eines photonischen Chips (blau), der über 3D-gedruckte Koppler (grün) mit einem Glasfaser-Array (schwarz) verbunden ist. Die Ausrichtungsstifte auf der Oberfläche des Chips sorgen dafür, dass die Teile automatisch und präzise ausgerichtet werden, während die Koppler das Licht in den Chip leiten. © Erik Jung

Die Vision dahinter ist ebenso pragmatisch wie ambitioniert. Statt optische Chips mit aufwendigen experimentellen Justierungen in Betrieb zu nehmen, soll die Kopplung von Glasfaser und Chip standardisiert, reproduzierbar und automatisierbar werden. Entwickelt wurde das neue Verbindungskonzept unter Leitung von Prof. Dr. Wolfram Pernice am Kirchhoff-Institut für Physik. Es könnte die Grundlage für eine schnellere und kostengünstigere Produktion photonischer integrierter Systeme bilden – und damit für Technologien, die in Rechenzentren, Kommunikationsnetzen oder zukünftigen Quantenarchitekturen eine zentrale Rolle spielen.

Photonische integrierte Schaltkreise – sogenannte Photonic Integrated Circuits (PICs) – nutzen Licht statt Elektronen zur Informationsübertragung. Sie bieten extrem hohe Bandbreiten, minimale Verzögerungszeiten und gelten zugleich als energieeffizienter als klassische elektronische Systeme. Alle optischen Komponenten, etwa Wellenleiter, sind direkt auf dem Chip integriert. Sperrige Anordnungen aus Spiegeln und Linsen werden durch kompakte Strukturen ersetzt. Ihr Innovationspotenzial reicht von Quantenkommunikation über neuromorphes Computing bis hin zu optischer Hochgeschwindigkeitskommunikation.

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Doch gerade an einer entscheidenden Stelle zeigt sich die technologische Hürde: beim Ein- und Auskoppeln der Daten. Damit das Licht verlustarm auf den Chip gelangt, werden in der Regel optische Fasern eingesetzt. Diese müssen mit einer Genauigkeit von unter fünf Mikrometern in allen Raumrichtungen positioniert werden – andernfalls geht ein Großteil der Signale verloren. Bisher geschieht diese Justierung über sogenanntes aktives Alignment. Dabei werden die Glasfasern während des Betriebs präzise auf maximale Lichtübertragung ausgerichtet und anschließend fixiert. Nach Angaben der Heidelberger Forscher ist dieser Prozess jedoch langsam, kostenintensiv und schwer zu automatisieren.

Eine alternative Lösung bestand bislang darin, Mikrolinsen auf Fasern und Chips zu integrieren, um die Toleranzen bei der Ausrichtung zu vergrößern. Doch auch diese Methode hat Grenzen. Die Herstellung solcher Linsen ist aufwendig und funktioniert nur für einen schmalen Wellenlängenbereich – ein Nachteil, der die hohe Bandbreite der Photonik als zentralen Vorteil einschränkt.

Das Team aus Heidelberg setzt deshalb auf einen anderen Ansatz: ein neuartiges Verbindungskonzept, das die Kopplung zwischen Faser und Chip mechanisch standardisiert. Glasfaserkabel werden dazu in einem Glasblock präzise angeordnet und mit standardisierten Ausrichtungslöchern versehen. Das Gegenstück entsteht direkt auf der Chipoberfläche – gefertigt mittels hochpräzisem 3D-Mikrodruck. Dieses Element fungiert wie ein „Stecker“.

Die Kameraaufnahme zeigt, wie ein Glasfaserkabel an einen photonischen Chip angeschlossen wird. Eine Vorausrichtungsstruktur trägt das Gewicht des Kabels und Führungsstifte ermöglichen eine sehr präzise Positionierung im Mikrometerbereich. © Erik Jung

Die eigentliche Kopplung erfolgt über dreidimensional gedruckte Totalreflexionskoppler. Sie lenken die Lichtwellen verlustarm um und sind als superbreitbandige Komponenten für die in der Telekommunikation typischen Wellenlängen zwischen 1.500 und 1.600 Nanometern ausgelegt. In diesem Bereich gewährleisten sie eine praktisch konstante Transmission. „Durch diese innovative Stecklösung garantieren wir, dass beim Kopplungsprozess keine Daten verloren gehen“, erklärt Erik Jung, Doktorand in der Forschungsgruppe von Prof. Pernice.

Mit dem neuen Konzept gelang es den Forschenden zudem, einen neuromorphen photonischen Prozessor mit 17 Ports – also 17 Kommunikationssendepunkten – effizient anzusteuern. Damit wird die praktische Umsetzbarkeit des Ansatzes unter Beweis gestellt.

„Unser Ansatz zeigt, wie sich breitbandige, verlustarme und skalierbare Verbindungen für lichtgesteuerte Mikrochips einfach realisieren lassen. Mit diesem ,Stecker‘ ist der Weg frei für eine automatisierte, reproduzierbare und effiziente Massenproduktion von photonischen integrierten Systemen“, so Wolfram Pernice.

Auch über die unmittelbare Anwendung hinaus zeigt sich Perspektive: Nach Angaben von Erik Jung ist das Verbindungskonzept kompatibel mit hybriden Systemen, in denen Elektronik und Photonik kombiniert werden. Gleichzeitig werden modulare und flexibel rekonfigurierbare Architekturen unterstützt. Damit könnte der „Stecker“ zu einem zentralen Baustein für Rechen- und Kommunikationssysteme der nächsten Generation werden – etwa auch in der optischen Sensortechnik.

Die Arbeiten wurden gemeinsam mit Forscherinnen des Institute for Molecular Systems Engineering and Advanced Materials der Universität Heidelberg durchgeführt. Sie sind eingebettet in das Exzellenzcluster „3D Matter Made to Order“. Publiziert wurden die Ergebnisse in der Fachzeitschrift Science Advances.

Originalpublikation:
Jung, E., Gehring, H., Brückerhoff-Plückelmann, F., Krämer, L., Vazquez-Martel, C., Blasco, E., & Pernice, W. (2025, September 26). Ultrabroadband plug-and-play photonic tensor core packaging with sub-dB loss. Science Advances. DOI:10.1126/sciadv.adz1883

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