Praxisnahes Training der Antriebstechnik

Melanie Steinbeck,

ABB Motion University: Lernen, ausprobieren, anwenden

Die ABB Motion University am Standort Mannheim hat ihr Schulungsprogramm für Antriebstechnik vorgestellt. Die Kurse sind praxisorientiert angelegt, sodass die Teilnehmenden das erworbene Wissen direkt in der Implementierung, im Betrieb und in der Wartung von Anlagen einsetzen können.

Von der Implementierung neuer Technik bis zur Instandhaltung: In den Präsenzkursen werden Theorie und praktische Übungen miteinander verknüpft. © ABB

Wer sich mit Antriebstechnik beschäftigt, spürt den Wandel. Neue Normen, neue Komponenten, immer vernetztere Systeme. Wer hier den Anschluss behalten will, muss nicht nur Produkte verstehen, sondern auch deren Anwendung in komplexen Anlagen. Genau hier setzt die ABB Motion University in Mannheim an.

Praxisnah qualifizieren und ausbilden

Unternehmen in Infrastruktur, Fertigung, Prozessindustrie oder Transport stehen vor ähnlichen Herausforderungen: Sensoren vernetzen, Daten per Fernzugriff auslesen, neue Produkte implementieren – die Anforderungen steigen. ABB begegnet dieser Dynamik mit einem eigenen Schulungsprogramm, das Theorie und Praxis eng verknüpft.

„ABB hat schon immer die Philosophie verfolgt, sowohl ihre Kunden und Partner als auch ihre Mitarbeitenden praxisnah zu qualifizieren und auszubilden“, sagt Michael Link, Dozent für elektrische Antriebstechnik in Mannheim. Link selbst ist studierter Elektroingenieur und seit 1991 bei ABB tätig.

Wissen direkt anwenden

Die ABB Motion University ist Teil einer globalen Struktur: fünf Trainingszentren weltweit, 20 weitere lokal. Rund 60 Dozierende bieten mehr als 2.000 Kurse jährlich an – vor Ort oder als Webinar. Dabei wird das Material zentral erstellt und für Länder und Kunden angepasst. Das Mannheimer Zentrum verantwortet die global genutzten Lerninhalte zu Stromrichtern.

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Die Seminare richten sich an alle, die mit Antriebstechnik im Niederspannungsbereich arbeiten: AC- und DC-Motoren, Stromrichter, Frequenzumrichter, speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS). Darüber hinaus werden nichtmotorische Anwendungen behandelt, wie Elektrolyse für die Wasserstoff(H₂)-Herstellung, Gleichstrom-Batterien-Laden oder elektrisches Heizen und Kühlen.

Praxisnah Antriebstechnik lernen

Der Kern des Angebots ist praxisnahes Lernen. In viertägigen Präsenzkursen lernen die Teilnehmenden nicht nur die Grundlagen der Antriebstechnik, sondern führen auch praktische Übungen an Demoeinheiten durch.

„Die Schulungen sind produkt-, anwendungs- und branchenbezogen“, betont Link. „Mit dem bei uns erworbenen Wissen können Technikerinnen und Techniker nicht nur die Projektierung und die Inbetriebnahme effizienter und sicherer gestalten, sondern auch bei Störungen und Wartungen zielgerichteter agieren.“

Für Unternehmen bedeutet das konkret: höhere Anlagenverfügbarkeit, geringere Ausfallzeiten und wirtschaftlicherer Betrieb.

Hands-on: das Gelernte erleben

Demo-Koffer, komplette Schaltschränke, Maschinensätze oder SPS-Demokoffer erlauben den Lernenden, alle Funktionen selbst zu testen. Aufgabenstellungen, von der Installation eines Frequenzumrichters bis zur Ausblendung kritischer Drehzahlen bei Lüfterapplikationen, vertiefen das theoretische Wissen.

„Die Kunden sind im Anschluss in der Lage, sich selbst zu helfen oder wissen bei Störungen, welche Informationen die Support Line oder der Field Service nun von ihnen benötigt und wie die Begrifflichkeiten lauten“, erklärt Link.

Ein Beispiel aus der Praxis: Matthias Braun, Entwicklungsingenieur bei Zollern, berichtet: „Die Kombination aus Theorie und Praxis vermittelt verständlich Wissen, macht Spaß und verleiht einem die nötige Sicherheit. Nach dem Training konnten wir das Gelernte direkt im Projekt umsetzen und den ACS880-Frequenzumrichter schnell und strukturiert in Betrieb nehmen.“

Schulungsformate für unterschiedliche Bedürfnisse

Die ABB Motion University bietet Präsenzseminare, kundenspezifische Schulungen, E-Learning-Kurse und Webinare. Teilnehmende sind OEMs, ABB-Vertriebspartner, Endanwender und eigene Mitarbeitende. Für Letztere existieren spezielle Lern- und Kompetenzpfade, die Qualifikationen dokumentieren und sichern. Servicetechniker wie Vertriebsmitarbeitende verfügen so über sämtliche notwendigen Kenntnisse rund um ABB-Produkte.

Visuelle, auditive, motorische und kommunikative Ansätze

Präsenztrainings liegen im Trend. „Die Leute möchten die Produkte anfassen, sie möchten es selbst ausprobieren“, sagt Link. Die Trainingszentren sind modern ausgestattet: Großbildgeräte mit Whiteboard-Funktion erlauben Hybrid-Formate, bei denen ein Teil der Teilnehmenden vor Ort ist, der andere online zugeschaltet wird.

Die Lernmethoden kombinieren visuelle, auditive, motorische und kommunikative Ansätze. Trainer verbinden klassische Präsentationen mit Übungen an Demo-Koffern. „Train-The-Trainer-Veranstaltungen“ sorgen dafür, dass die Dozierenden technisch und didaktisch auf dem neuesten Stand bleiben. Teilzeittrainer übernehmen Spezialthemen und bringen besondere Expertise ein.

„Der Mensch vergisst vieles, wenn die Praxis fehlt“

Das Kursangebot begleitet sämtliche ABB Motion Produkte über den gesamten Lebenszyklus. „Ist spezielles Branchenwissen gefragt wie zum Beispiel für Kran- oder Windkraftanwendungen, bieten wir auch hier geeignete Kurse zu den jeweiligen Applikationsanforderungen und den entsprechenden Produktfeatures der ABB-Antriebstechnik“, sagt Link.

„Für einen reibungslosen Betrieb ist es wichtig, das erlernte Wissen immer wieder bei den Anwendern aufzufrischen. Der Mensch vergisst vieles, wenn die Praxis fehlt“, sagt Link.

Max Burger, Geschäftsführer der IWIK GmbH, ergänzt: „Für uns als langjähriger ABB Value Provider sind die Trainings in der ABB Motion University ein fester Bestandteil unserer Qualifizierung. Für Quereinsteiger bilden sie eine wichtige Wissensbasis, für erfahrene Kollegen dienen sie der Vertiefung.“ Besonders Kurse zu Energieeffizienz und Service seien für das Unternehmen ein echter Aha-Moment gewesen. „Die Schulungen gaben uns nicht nur fachliche Impulse, sondern auch wertvolle Anregungen für unsere eigene Unternehmensstrategie – insbesondere in der Frage, wie wir unseren Kunden konkrete Mehrwerte bieten können.“

Jährlich nehmen rund 800 bis 1.000 Teilnehmende in Mannheim teil. Die Kurse dienen nicht nur der Qualifizierung, sondern auch dem Austausch. „Die Kunden tauschen sich untereinander aus, erfahren von Applikationen oder Vorgehensweisen von Kolleginnen und Kollegen aus anderen Firmen und versuchen, diese neuen Einblicke für sich zu adaptieren“, beobachtet Link.

Schulungen zu Wasserstoff- und Windkraftanwendungen

„Aktuell gewinnen Schulungen zu Wasserstoff- und Windkraftanwendungen an Bedeutung“, berichtet Link. Ein weiteres Trendthema sei die künstliche Intelligenz für industrielle Anwendungen. „Dank der neuen offenen Entwicklungsumgebung von ABB lassen sich mittlerweile entsprechende Features in die Umrichter integrieren, um die Steuerungs- und Analyseprozesse smarter zu gestalten.“

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