Steighilfen

Andreas Mühlbauer,

8 Tipps für den richtigen Einsatz von Leitern

Leitern wurden nachweislich bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. verwendet, und auch heute noch sind sie in vielen Bereichen unverzichtbar. Doch wer ungeeignete oder defekte Steighilfen verwendet oder eine Leiter nicht fachgerecht einsetzt, geht das Risiko eines Sturzes ein. Die folgenden Tipps sollen helfen, das Arbeiten in der Höhe sicherer zu machen.

Das Arbeiten mit Leitern ist oft unerlässlich, birgt aber auch Gefahren. © Hymer

Ein Arbeiten ohne Leiter ist für viele Betriebe kaum vorstellbar. Auch in der Industrie, auf dem Bau und im Handwerk sind Stufen- und Sprossenleitern allgegenwärtig. Doch das Arbeiten in der Höhe birgt Gefahren: Für das Jahr 2019 verzeichnete die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung mehr als 12.000 Unfälle im Zusammenhang mit Leitern.

„Leiterstürze zählen zu den schwersten Unfällen und ziehen langwierige Heilverfahren nach sich“, mahnt auch Markus Nowak, Leiter Vertrieb Steigtechnik bei Hymer-Leichtmetallbau. „Neben dem gesundheitlichen kann auch der wirtschaftliche Schaden immens sein.“

In den meisten Fällen ist menschliches Fehlverhalten die Ursache. Zu den häufigsten Fehlern gehören falsches Aufstellen mit zu geringer Standsicherheit, einseitige Belastung etwa durch seitliches Hinauslehnen, die Verwendung von schadhaften oder qualitativ minderwertigen Steighilfen sowie Arbeiten mit hohem Krafteinsatz auf einer ungesicherten Leiter. „Um Unfälle im Zusammenhang mit Leitern zu vermeiden, gelten einige Normen und Richtlinien, die jeder Arbeitgeber und auch die Beschäftigten kennen sollten“, sagt Nowak. Es sei die Pflicht des Arbeitgebers, dafür zu sorgen, dass nur sichere Arbeitsmittel zur Verfügung gestellt werden. Der Anwender trage darüber hinaus die Verantwortung, die Arbeitsmittel bestimmungsgemäß zu verwenden. „Achten beide Parteien darauf und werden die Arbeitsmittel regelmäßig geprüft, steht sicherem Arbeiten mit Leitern nichts mehr im Weg.“

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Tipp 1: Augen auf beim Leiterkauf

Für Leiterproduzenten gilt die Europäische Norm EN 131. Anwender sollten darauf achten, ausschließlich nach Norm produzierte Leitern zu erwerben. So reduzieren sie das Risiko, dass es aufgrund schlechter Leiterqualität zu Unfällen kommt. Wesentlich ist die Unterscheidung nach professionellem oder nicht beruflichem Gebrauch. Profi-Leitern durchlaufen mehr Prüfzyklen und werden mit höherer Last geprüft. Die verwendete Leiter sollte also explizit für den beruflichen Gebrauch ausgelegt sein.

Tipp 2: Gefährdungsbeurteilung und Inaugenscheinnahme

Die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) definiert die Grundpflichten von Arbeitgebern und Beschäftigten bei der Nutzung von Arbeitsmitteln. Vor der Verwendung einer Leiter ist jeder Arbeitgeber verpflichtet, im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln und zu dokumentieren, ob eine Leiter sich als sicheres Arbeitsmittel für die vorgesehene Tätigkeit eignet (Inaugenscheinnahme). Nowak rät: „Gerade während des materialbelastenden Dauereinsatzes sind defekte Leitern ein großes Sicherheitsrisiko. Prüfungen sollten deshalb regelmäßig durchgeführt werden.“

Tipp 3: Neue Regeln zur Betriebssicherheit beachten

Wer bereits mit Sprossenleitern gearbeitet hat, weiß, dass die Arbeit damit ein höheres Risiko beinhaltet. Auf- und Abstieg erfordern mehr Konzentration, und ein wackeliger Stand erhöht die Absturzgefahr. Seit Dezember 2018 gelten deshalb erweiterte Technische Regeln für Betriebssicherheit (TRBS) 2121-2, die die Rechtsgrundlage der BetrSichV weiter konkretisieren. Grundsätzlich gilt: Stufen- statt Sprossenleitern, und die Dauer und Höhe der Arbeit bestimmen die Auswahl des Arbeitsmittels. Stellt der Anwender fest, dass für die auszuführende Arbeit die Verwendung einer Leiter nicht zulässig ist, muss eine alternative Steighilfe wie etwa ein Fahrgerüst verwendet werden.

Tipp 4: Sprossenleitern nur noch in Ausnahmefällen

Das Arbeiten von der Leitersprosse aus ist nur noch in Ausnahmefällen gestattet, wie etwa bei der Arbeit in engen Schächten oder bei der Obsternte. Dies muss dann aber schriftlich in der Gefährdungsbeurteilung festgehalten werden. Nowak sagt: „Bei längeren Arbeiten empfehlen sich Stufen- oder Plattformleitern, da der Beschäftigte gemäß der neuen TRBS mit beiden Füßen auf einer Stufe mit einer Auftrittsfläche von mindestens 80 mm Tiefe oder einer Plattform stehen muss. Im Betrieb vorhandene Sprossenleitern können jedoch weiterhin genutzt werden, wenn ihre Standsicherheit durch Zusatz-Equipment wie etwa Einhängetritte oder einklickbare Stufen erhöht wird.“

Tipp 5: Die Wahl der passenden Leiter

Die Auswahl des richtigen Arbeitsmittels ist auch abhängig vom Einsatzort. Manche Arbeitsumgebungen erfordern Spezialprodukte, um sicher arbeiten zu können. Eine Treppenstehleiter lässt sich beispielsweise optimal an die Arbeitsbedingungen in einem Treppenhaus anpassen. Ist der Untergrund sehr weich, können Obstbaumleitern für einen sicheren Stand sorgen. Sie gewähren somit eine höhere Standsicherheit auf weichem Untergrund. Darüber hinaus wichtig: Um Stürze zu vermeiden, sollte eine Stehleiter nie als Anlegeleiter verwendet werden.

Tipp 6: Erhöhte Standsicherheit durch Zubehör

Durch Zusatz-Equipment lässt sich die Sicherheit einer Leiter deutlich erhöhen. Ein Einhängetritt beispielsweise lässt sich komfortabel in Sprossenleitern einhängen und sorgt so für einen sicheren und stabilen Stand. Das Arbeiten auf einer Sprossenleiter ist dadurch über längere Zeit möglich. Bei der Arbeit auf weichem Untergrund wie etwa einer Wiese erhöhen Stahlspitzen die Standsicherheit.

Tipp 7: Richtiges Verhalten im Umgang mit Leitern

Vor der Verwendung einer Leiter sollte die Anleitung gelesen und ein Sicherheitscheck durchgeführt werden. Dabei ist besonders das Maximalgewicht zu beachten, das eine Leiter tragen kann. Werkzeuge und Materialien, die auf der Leiter verwendet werden, dürfen beispielsweise nicht schwerer als 10 kg sein. Werden beide Hände zum Tragen eines Werkzeugs benötigt, ist ein sicheres Festhalten an der Leiter nicht mehr möglich. Seitliches Hinauslehnen erhöht zudem die Unfallgefahr. Steighilfen sollten grundsätzlich so angelegt werden, dass sie in einem Anstellwinkel zwischen 65 und 75 Grad zur Waagerechten stehen. Mit der „Ellenbogenmethode“ lässt sich ermitteln, ob die Leiter richtig steht.

Tipp 8: Hersteller beraten gerne

Das Fazit von Steigtechnikspezialist Markus Nowak: „Selbst wenn die richtige Leiter ausgewählt wurde, kann ein falscher Umgang mit dem Arbeitsmittel zu einem Unfall führen.“ Eine regelmäßige Kontrolle aller Steighilfen im Unternehmen auf ihren ordnungsgemäßen Zustand sei deshalb notwendig für die betriebliche Unfallprävention und daher auch durch die Betriebssicherheitsverordnung vorgeschrieben. „In unserer Verantwortung als Hersteller und Lösungsspezialist beraten wir unsere Kunden gerne ausführlich zu diesem Thema und bieten diesbezüglich auch Seminare und Weiterbildungen an. Zur weiterführenden Information stellen wir zusätzlich auf unserer Homepage ein kostenloses Whitepaper zum Download bereit.“

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