Editorial Antriebs- und Fluidtechnik

Andreas Mühlbauer,

Mit Antrieb durch die Krise

Wer hätte noch Anfang März gedacht, dass wenige Wochen später viele Produktionen auf Sparflamme laufen oder ganz stillliegen würden? Der VDMA hat eine Umfrage unter knapp 1.000 seiner Mitglieder durchgeführt.

Andreas Mühlbauer, SCOPE-Redakteur. © WBM

Nach dieser Umfrage litten der allergrößte Teil der produzierenden Unternehmen – ganze 84 Prozent – Ende März unter massiven Einschränkungen aufgrund der gestörten Lieferketten. Das betrifft vor allem Lieferungen aus China, aber auch aus Europa und Deutschland.

Doch auch dieser Tage herrscht nicht überall Stillstand. Wer kann, arbeitet weiter. Und so manches Unternehmen stellt sich auf die schwierigen Gegebenheiten ein und macht das Beste daraus. Denn nicht selten lassen sich bestehende Anlagen nutzen, um aktuell besonders gefragte und dringend nötige Produkte herzustellen. Und dabei ist nicht die Rede von Toilettenpapier – die Keller müssten ja eigentlich voll sein –, sondern von medizinischen Produkten oder Produkten zum Schutz vor Ansteckung. Schutzkleidung und -masken, Desinfektionsmittel, nach Möglichkeit vielleicht auch Beatmungsgeräte oder deren Komponenten. Plexiglasscheiben, die Einzelhändler schützen, oder Systeme, die ein berührungsfreies Öffnen von Türen ermöglichen. Und selbstverständlich benötigen wir auch in Krisenzeiten so ziemlich all das, was wir auch sonst benötigen – Lebensmittel, Haushaltswaren, Kosmetik und ja, auch Toilettenpapier.

Wo produziert wird – ob mit umgestelltem oder regulärem Sortiment –, dort sind Antriebe am Werk. Die klassische Hydraulikpumpe ist ebenso unentbehrlich wie die leistungsfähigen Wechselspannungs- oder präzisen Servomotoren bis hin zu den exotischeren Antrieben zur genauen Positionierung, beispielsweise mit Piezo-Elementen. Nicht erst mit dem Einzug von Robotern in produzierenden Unternehmen haben insbesondere die Servoantriebe eine starke Verbreitung erfahren. Überall wo präzise Bewegungen erforderlich ist, kommen die geregelten Antriebe zum Einsatz.

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Häufig stecken die ausgefeiltesten Antriebe dort, wo man sie nicht sieht. Die immer leistungsfähiger werdenden kollaborativen Roboter sind ein gutes Beispiel. Die vielen Achsen wollen alle angetrieben sein, dabei muss der Antrieb kompakt, zuverlässig und sehr genau sein. Das gilt nicht nur für die Servomotoren selbst, sondern selbstverständlich für den gesamten Antriebsstrang inklusive aller Komponenten wie Lager und Getriebe, die hier hohe Anforderungen erfüllen müssen. Damit Mensch und Maschine reibungslos zusammenarbeiten können, müssen Hersteller gerade bei Cobots ein besonderes Augenmerk auf die Sicherheit legen. Gleichzeitig soll sich ein Safety-Konzept effizient, also möglichst schlank, umsetzen lassen, um die Roboter kompakt und möglichst günstig zu halten.

Ein weiteres Thema in diesem Sonderheft sind dezentrale Antriebe, die flexible und modulare Produktionsanlagen erst möglich machen. Dazu ist es wichtig, dass die einzelnen Antriebe vernetzbar sind und unterschiedliche Bus-Systeme beherrschen. So lassen sich moderne Anlagen in kurzer Zeit erweitern oder an neue Aufgaben anpassen.

Bleiben Sie gesund und lassen Sie sich nicht den Antrieb nehmen.

Unser Sonderheft finden Sie auch als E-Paper.

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