zuruck zur Themenseite

Artikel und Hintergründe zum Thema

Safe-Motion-Lösung

Bremsen an vertikalen Achsen überwachen

Pilz erweitert sein Portfolio für die sichere Überwachung von Bremsen an vertikalen Achsen. Je nach Anwendungsfall und Betriebsart stehen verschiedene Lösungsansätze zur Verfügung, die Sicherheit und Wirtschaftlichkeit vereinen. Das Angebot reicht von einem reinen Bremsentest über die Ansteuerung von zwei leistungsstarken Halte-und Sicherheitsbremsen bis hin zur redundanten Absturzsicherung nach Kat. 3, EN ISO 13849-1.

Ein Schutzhelm soll vor herabfallenden Gegenständen schützen. Das funktioniert aber nur, wenn sein maximales Dämpfungsvermögen nicht überschritten wird. Aber genau das ist bei großen Lasten, die man z.B. über Vertikalachsen bewegt, häufig der Fall. Vertikalachsen setzt man in Belade- und Entladeportalen, Werkzeugmaschinen, Hubeinrichtungen und in der Bühnentechnik ein. Gerade durch störungsbedingte Bewegungen der Maschinen besteht bei diesen Anwendungen eine große Gefahr. Denn meist bieten die im Antriebsmotor integrierten Haltebremsen keinen ausreichenden Schutz gegen das unkontrollierte Absinken hängender Lasten. Hauptgrund hierfür ist meist das Versagen der Bremseinrichtungen. Bei Vertikalachsen sind daher spezielle, eventuell auch redundante Sicherheitseinrichtungen notwendig, die der Betriebsart und der Gefährdungssituation des Bedieners angepasst sind. „Für eine sichere Bewegungsüberwachung im Bereich schwerkraftbelasteter Achsen bietet Pilz je nach Anforderung zwei verschiedene Varianten an: Die Safe-Motion-Lösung PMC Protego DS ist eine Kombination aus Servoverstärker und Sicherheitskarte, die durch verschiedene sichere Bewegungs-, Stopp- und Bremsenfunktionen eine hohe Sicherheit des Anwenders gewährleistet“, erklärt Andres Hahn, Produktmanager bei Pilz. Hinzu kommt das neu entwickelte Stand-alone Sicherheitsrelais PNOZ s50. Es sorgt für die sichere Ansteuerung und Überwachung von zwei Halte- oder Sicherheitsbremsen. Beide sind bis PL e nach EN ISO 13849-1 bzw. SIL CL 3 nach EN/IEC 62061 konzipiert. Das Gefahrenpotenzial schwerkraftbelasteter Achsen hängt nicht nur davon ab, ob sich der Bediener außerhalb oder innerhalb des zugangsgesicherten Bereichs befindet. Denn innerhalb des gesicherten Bereichs muss zusätzlich zwischen „vollständigen“ und „teilweisem“ Aufenthalt sowie kurzer und langer Verweildauer unter der Last differenziert werden. Welche Sicherheitslösung letztendlich notwendig ist, muss der Hersteller im Rahmen einer Risikobeurteilung für jede Anwendung im Vorfeld festlegen. Voraussetzung hierzu ist die Bestimmung des erforderlichen Performance Levels (PL), zu der jeder Maschinenhersteller laut Maschinenrichtlinie verpflichtet ist. Er macht eine Aussage über die Schwere möglicher Verletzungen, die Häufigkeit und Dauer des Aufenthalts im gefährdeten Bereich sowie die notwendigen Maßnahmen zur Risikominimierung. Als Werkzeug bietet der Automatisierungsexperte aus Ostfildern hierfür den Safety Calulator Pascal an. Er berechnet und verifiziert die Sicherheitskenngrößen wie PL und Safety Integrity Level (SIL) von Sicherheitsfunktionen in Maschinen und Anlagen. Das Ergebnis lässt sich mit den Sicherheitskenngrößen der Sicherheitsfunktionen vergleichen und grafisch darstellen. Der Einfluss der einzelnen Komponenten auf die jeweiligen Sicherheitsfunktionen ist dabei einfach erfassbar. Um bei schwerkraftbelasteten Achsen in einen zugangsgesicherten Bereich zu gelangen, muss vor der Deaktivierung der Zuhaltung ein zyklischer Bremsentest nach Kat. 2, EN ISO 13849-1 erfolgen. Diese Aufgabe übernimmt die Sicherheitskarte der Safe-Motion-Lösung. Dieser „Sichere Bremsentest“ (SBT) erfolgt je nach Risikobeurteilung einmal in jedem Produktionszyklus oder nur alle acht Stunden. SBT ist eine von insgesamt elf Sicherheitsfunktionen der steckbaren Karte. Dazu gehören auch die „Sichere Bremsenansteuerung“ (SBC) und die „Sicher begrenzte Position“ (SLP), mit der sich Endlagen überwachen lassen. Beide zählen zusammen mit dem „Sicheren Bremsentest“ (SBT) zu den relevanten Sicherheitsfunktionen im Bereich vertikaler Achsen. Sie gehen weit über die im Regler integrierte Funktion „Sicher abgeschaltetes Moment“ (STO, Unterbrechung der Energieversorgung) hinaus und erhöhen damit sowohl die Sicherheit als auch die Verfügbarkeit der Anlage deutlich. Weitere integrierte Sicherheitsfunktionen, die sich auf den Eingriff in den Prozess beziehen, betreffen „Sicherer Betriebshalt“ (SOS), „Sicherer Geschwindigkeitsbereich“ (SSR) sowie Maßnahmen wie „Sicherer Stopp 1 und 2“. Alle Funktionen erfüllen die Anforderungen der Maschinenrichtlinie nach IEC 61800-5-2 und sind ausgelegt bis PL e nach EN ISO 13849-1 bzw. SIL CL 3 nach EN/IEC 62061. Die Safe-Motion-Lösung sorgt dank der Achsbruchüberwachung über einen externen Geber zusätzlich dafür, dass kein Fehlerausschluss der Mechanik notwendig ist.

Anzeige

Zwei Haltebremsen sicher ansteuern

Bei einem nur geringen Gefährdungsrisiko ist der sichere Bremsentest ausreichend. Befindet sich der Bediener jedoch mit dem Körper ganz darunter oder hält er sich dort deutlich länger auf, so ist sowohl im Automatikbetrieb als auch beim Einrichten eine redundante Einrichtung zur Absturzsicherung nach Kat 3, EN ISO 13849-1 erforderlich. Da an der Achse bzw. im Motor meist aber nur eine Bremse vorhanden ist, muss eine zweite integriert und zeitgleich angesteuert werden. „Hier bietet Pilz mit dem neuen Sicherheitsrelais PNOZ s50 für die sichere Bremsenansteuerung eine effiziente Lösung. Das Besondere daran ist, dass das Sicherheitsrelais gleichzeitig zwei Halte- und/oder Sicherheitsbremsen, auch unterschiedlicher Hersteller, ansteuern kann“, verrät Hahn. Damit entfällt nicht nur eine weitere Steuerung mit entsprechender Verdrahtung: Das neue Sicherheitsrelais lässt sich auch zum Nachrüsten bestehender Bremsen einsetzen. In Kombination mit PNOZ s50 überwacht PMC Protego DS die im Antrieb integrierte Sicherheitsfunktion und steuert gleichzeitig eine externe Bremse an. Dank des hohen Ausgangsstroms von 4,5 A, der bei einer Versorgungsspannung von 24 VDC an beiden Ausgängen zur Verfügung steht, ist auch die Ansteuerung von leistungsstarken Halte- und Sicherheitsbremsen für schwere Lasten möglich. Bei Bedarf lassen sich sogar Spitzenströme bis zu 6,5 A abdecken.

Das Sicherheitsrelais bietet neben der hohen Sicherheit durch eine schnelle Abschaltung der Leistungskreise zusätzlich die Möglichkeit der langsamen Abbremsung. Somit reduziert es die Schaltgeräusche der Bremsen deutlich. Neu ist auch die kontaktlose und damit verschleißfreie Technik. Sie reduziert die Reaktionszeit und erhöht damit den Personenschutz erheblich. Das Relais verfügt über einen Drehknopf zur Navigation durch die Menüs und Einstellung der gewünschten Parameter. „Das spart Zeit beim Konfigurieren, da weder PC noch Softwaretool notwendig sind“, fasst Hahn zusammen. jg

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
zurück zur Themenseite
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Rekord-Umsatz

Pilz knackt 400-Millionen-Euro-Marke

Erstmals knackt Pilz die Umsatzmarke von 400 Millionen Euro. Es sei gelungen, "aus den so ungünstigen und unwägbaren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen das Beste zu machen". Für die kommenden Jahre hat das Unternehmen angekündigt, das Angebot im...

mehr...
Anzeige

Übergabemodul

Mehr Platz im Schaltschrank

Die neue Generation der kompakten Varioface-Übergabemodule ist das Bindeglied zwischen den Remote-I/O-Systemen und der Feldebene. Ein innovatives Design sorgt für die schnelle und fehlerfreie Verdrahtung sowie Platzersparnis im Schaltschrank.

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jetzt Newsletter abonnieren