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Artikel und Hintergründe zum Thema

Kongress, Ausstellung und Netzwerken

Annina Schopen,

Positives Fazit zur Jubiläums-Rapid.Tech 3D

Positive Stimmung nach der 20. Rapid.Tech 3D: 2.700 Gäste aus dem In- und Ausland kamen vom 14. bis 16. Mai 2024 nach Erfurt, um sich zu neuesten Anwendungen, Entwicklungen und Trends in diesem Bereich zu informieren und auszutauschen. Ideeller Träger der Veranstaltung war erstmals die Arbeitsgemeinschaft Additive Manufacturing des VDMA.

Die Aussteller betonten die positive Grundstimmung der Rapid.Tech 3D, die sich in diesem Jahr fortgesetzt hat. © Christian Seeling/Messe Erfurt

Vier Keynotes, rund 70 Vorträge im Fachkongress und knapp 100 Ausstellerpräsentationen in der Halle waren vom 14. Bis 16. Mai in Erfurt zu sehen und zu hören. Sie zeigten, dass Additive Manufacturing einen weiteren Schritt in Richtung Serienfertigung gemacht hat und dank Material- und Technologieentwicklung immer neue Applikationen ermöglicht – sowohl in den klassischen AM-Anwenderbranchen wie Aerospace, Medizintechnik und Automotive als auch in Industrien, in denen AM eine noch relativ junge Technologie ist, wie in der Mikroelektronik, der Chemie und im Maschinenbau.

AM auf kontinuierlichem Wachstumspfad

Welche Entwicklungen in den nächsten zehn Jahren zu erwarten sind, verdeutlichte der AM-Pionier Dr. Brent Stucker, Technologiestratege bei Wohlers Associates, in einem Keynote-Interview mit dem Rapid.Tech-3D-Fachbeiratsvorsitzenden Prof. Dr. Christian Seidel. Nach einer Phase der Überhitzung sei die AM-Industrie weltweit auf einen kontinuierlichen Wachstumspfad eingeschwenkt. Das biete große Chancen beispielsweise für deutsche Maschinenbauer und Technologieanbieter. Jetzt sei eine gute Zeit, um Neu- bzw. Weiterentwicklungen bei AM-Maschinen, -Materialien und -Applikationen zu forcieren und Kapital dafür zu generieren, so Stucker. Eine besondere Dynamik erwartet der Experte bei metallischen Anwendungen. Eine große Herausforderung bleibe der Normungs- und Standardisierungsprozess.

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AM steigert Leistung in der Halbleiterindustrie

Zur Nutzung von AM in den „jungen“ Anwenderbranchen gab Dr. Radu Donose, Competence Lead Additive Manufacturing beim niederländischen Unternehmen ASML, in seiner Keynote einen Einblick. Der Hersteller von Lithografie-Systemen für die Chipproduktion fertigt bereits mehr als 200 Maschinenteile additiv aus Metall, Kunststoff oder Keramik in Serie. Generell trage AM zur Leistungssteigerung der ASML-Maschinen bei, betonte er. Um die Qualität zu sichern, hat das Unternehmen einen internen Standard für die gesamte Wertschöpfungskette entwickelt, der den Zulieferern eine kontinuierlich zuverlässige Teileproduktion ermöglicht.

Plattform für das Fokusthema Maschinenbau

Weitere AM-Applikationen mit und für den Maschinenbau stellte das erstmals veranstaltete Forum AM4industry in den Mittelpunkt, u. a. mit Beiträgen von Reintjes, DiManEx, Toolcraft, Hermle, Siemens und Trumpf. Initiator und Organisator war die Arbeitsgemeinschaft Additive Manufacturing (AM) des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA. Rainer Gebhardt, Projektleiter Additive Manufacturing beim VDMA, schätzt: „Die vielfältigen Möglichkeiten, die AM mit und für den Maschinenbau bietet, sind bei weitem noch nicht alle bekannt. Veranstaltungen wie die Rapid.Tech 3D, wo sich Anbieter und Anwender treffen, sind hervorragende Gelegenheiten zur Vernetzung der Know-how-Träger mit potenziellen Anwendern. Auf unserem erstmals ausgetragenen Forum AM4industry haben Unternehmen aufgezeigt, wie additive Fertigung zu mehr Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit beitragen kann, beispielsweise im Schiffbau oder für emissionsarme Mobilität. Ebenso stellten die Referenten die Vorteile dar, die sich aus der Kombination traditioneller subtraktiver und neuer additiver Verfahren ergeben, insbesondere im Zusammenhang mit Digitalisierung und intelligenter Vernetzung der Prozesse.“

AM in der Prozssindustrie

Auch in der Prozessindustrie nehmen AM-Applikationen Fahrt auf. Das belegte die Keynote von Dr. Jan Brummund, Business Development Manager beim niederländischen Unternehmen InnoSyn. Der Forschungs- und Produktionsdienstleister für die chemische Industrie nimmt eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung 3D-gedruckter Flow-Reaktoren ein und stellte seine Leistungen auch in der Ausstellung vor.

Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von AM in der Prozessindustrie widerspiegelte auch das Fachforum Chemie & Verfahrenstechnik, u. a. mit Experten von BASF und Evonik. Partner des Forums war erstmals die Dchema, das Netzwerk für chemische Technik und Biotechnologie in Deutschland. „Das Forum Chemie und Verfahrenstechnik auf der RapidTech.3D war aus unserer Sicht ein voller Erfolg. Die Beiträge haben gezeigt, wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten von Additive Manufacturing in der Prozessindustrie sind und wo es überall schon genutzt wird“, sagt Dr. Kathrin Rübberdt, Bereichsleiterin Wissenschaft und Industrie bei der Dechema.

Anorganischer 3D-Druck von Sandkernen

Jochen Wendling von BMW präsentierte in seiner Keynote eine AM-Innovation aus dem Automotive-Bereich. Mit dem anorganischen 3D-Druck von Sandkernen für die Motorenproduktion setzt der Fahrzeughersteller einen Benchmark in der automobilen Serienfertigung. © Christian Seeling/Messe Erfurt

Eine Innovation aus dem Automotive-Bereich präsentierte Jochen Wendling vom BMW-Werk Landshut in seiner Keynote. Mit dem anorganischen 3D-Druck von Sandkernen für die Motorenproduktion setzt der Fahrzeughersteller einen Benchmark in der automobilen Serienfertigung. Dank verwendeter Materialien und Prozess kann die Gießerei als erste ihrer Art CO2-frei fertigen. Bis zu 4.500 Kerne werden täglich hergestellt. Für die Zukunft sieht der Gießereitechnikexperte Anwendungsmöglichkeiten der Technologie, um bionische Automotive-Strukturen, z. B. im Fahrwerksbereich, herzustellen und damit zu Gewichts- und Kostenreduzierung beizutragen.´Im anschließenden Mobilitätsforum stellten Fachleute, u. a. von Audi, Honda und Mercedes-Benz, weitere AM-Lösungen für die Branche vor.

Elektronische Haut gewinnt Hauptpreis der 3D Pioneers Challenge

Aus den USA zugeschaltet war der diesjährige Hauptpreisträger der 3D Pioneers Challenge. Er erhielt die Ehrung für eine 3D-gedruckte elektronische Haut. © Christian Seeling/Messe Erfurt

Einen konkreten Blick in die Zukunft additiver Technologien bot erneut die 3D Pioneers Challenge. Das Finale dieses internationalen Designwettbewerbs fand bereits zum neunten Mal zur Rapid.Tech 3D statt. Den Hauptpreis erhielt das Projekt „3D-gedruckte elektronische Haut“ eines US-amerikanischen Teams. Die Entwicklung imitiert die Flexibilität und Empfindlichkeit der menschlichen Haut. Die aufgebrachten Hydrogele können Dehnung, Druck oder Temperaturveränderungen erkennen und sollen als Bewegungssensor, Spracherkennungssystem, Touchpad oder Thermometer dienen.

Insgesamt waren Preise mit einem Wert von über 175.000 Euro ausgelobt. Das gesamte Preisgeld in Höhe von 35.000 Euro stellte dabei das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft.

Die nächste Rapid.Tech 3D findet vom 13. bis 15. Mai 2025 in Erfurt statt.

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