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Branche warnt vor Rückschritten

Annina Schopen,

Keine neuen Fördermittel für AM und Leichtbau geplant

In der aktuellen Fassung des Haushaltsentwurfs der Bundesregierung sind keine neuen Fördermittel für Additive Fertigung (AM) und Leichtbau mehr vorgesehen. Die Branche reagiert darauf mit Kritik und fordert eine klare strategische Neuausrichtung.

© Formnext Mesago Messe Frankfurt / Feedback Media

Die Formnext sowie Experten im Bereich Additive Fertigung (AM) in Deutschland fordern ein Überdenken der staatlichen AM-Förderung. In der aktuellen Vorlage des Haushaltsentwurfs der Bundesregierung seien keine neuen Förderungen für AM und Leichtbau geplant. Sascha Wenzler, Vice President Formnext bei Mesago Messe Frankfurt, betont die Bedeutung eines politischen Signals: „Wir vermissen hier ein klares Bekenntnis zu dieser Zukunftstechnologie, insbesondere nachdem dies im Koalitionsvertrag bereits in Aussicht gestellt wurde.“ Die Formnext gilt als weltweit führende Messe für Additive Fertigung und industrielle Produktionstechnologien.

Auch weitere AM-Experten in Deutschland äußern sich enttäuscht. Noch vor wenigen Wochen habe die Bundesregierung angekündigt, Zukunftstechnologien wie den 3D-Druck stärker zu unterstützen. Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD sei die Förderung von Leichtbau, additiver Fertigung und 3D-Druck explizit genannt: Unter dem Titel „Verantwortung für Deutschland“ heiße es: „Wir fördern Leichtbau-Technologie, additive Fertigung und 3D-Druck.“ Dieses Ziel sei im Juni 2025 auch durch die Wirtschaftsministerkonferenz der Bundesländer bekräftigt worden: „Die Wirtschaftsministerkonferenz begrüßt, dass die Förderung von Leichtbautechnologien, additiver Fertigung und 3D-Druck auch weiterhin zu den politischen Zielsetzungen auf Bundesebene zählt – ein wichtiges Signal, das nun mit konkreten Maßnahmen hinterlegt werden sollte“, wird in der Stellungnahme der Formnext das Ergebnisprotokoll zitiert.

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Im aktuellen Haushaltsentwurf vom 26. Juni 2025 sei davon jedoch nichts zu finden. Für den Bereich Leichtbau seien ausschließlich Mittel zur Finanzierung bestehender Verpflichtungen und zur Abwicklung laufender Programme eingeplant. Neue Förderinitiativen seien nicht vorgesehen.

Auswirkungen auf AM-Industrie und andere Branchen

Sollte dieser Entwurf umgesetzt werden, sieht Sascha Wenzler „die weltweit führende Position der deutschen AM-Industrie langfristig auf dem Spiel. Dies hätte sicherlich auch Auswirkungen auf die Innovationsfähigkeit zahlreicher deutscher Industriebereiche.“ Denn die Additive Fertigung sei eine junge und gleichzeitig extrem innovative Technologie.

Additiv gefertigte Bauteile und Komponenten machen bereits heute in zahlreichen Branchen neue, leistungsfähigere und oftmals auch nachhaltigere Produkte und Lösungen möglich. Das betrifft unter anderem die Automobilindustrie, die Medizin, die Energiewirtschaft sowie sicherheitsrelevante Branchen wie Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung.

„Diese große Bedeutung für Innovationen haben Staaten wie USA, China und zahlreiche andere erkannt und in entsprechenden Förderprogrammen umgesetzt“, ergänzt Christoph Stüker, ebenso Vice President Formnext bei Mesago Messe Frankfurt. „Die deutsche AM-Industrie spielt in der führenden Liga weltweit. Die Innovationen, die deutsche Unternehmen und Forschungsinstitute regelmäßig erfolgreich entwickeln, reichen von neuen AM-Systemen über Materialien bis hin zu Lösungen für die Nachbearbeitung.“ Dies zeige sich auch jedes Jahr auf der Formnext, die als internationales Branchenevent die weltweite AM-Szene nach Frankfurt holt. „Damit die Lösungen deutscher AM-Unternehmen auch in Zukunft Innovationen in weiten Teilen der Industrie ermöglichen können, brauchen wir ebenso eine staatliche Unterstützung dieser für die gesamte Industrie so wichtigen Branche“, so Stüker.

„Strategie dringend aktualisieren“

Auch AM-Experten sehen die aktuelle Entwicklung kritisch. „Wir hatten mit dem neuen Koalitionsvertrag die Hoffnung verbunden, dass die Additive Fertigung systematisch sowohl kurzfristig als auch mittelfristig Unterstützung erfährt, um im globalen Wettbewerb in der Führungsgruppe bleiben zu können“, so Prof. Christian Seidel von der Hochschule München University of Applied Sciences und von Wohlers Associates. Die Folgen für die AM-Landschaft in Deutschland sind für Seidel nicht absehbar „Während andere Länder das Vorankommen in der Additiven Fertigung mit hohen Beträgen fördern, gilt es in Deutschland nun dringend, die eigene Strategie zu aktualisieren und gemeinsam zwischen Politik und Wirtschaft umzusetzen. Ein ‚Weiter so‘ kann ins Mittelmaß führen.“

Ähnliche Bedenken äußert Markus Heering, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Additive Manufacturing im VDMA: „Wir sehen die aktuelle wirtschaftspolitische Entwicklung in Deutschland rund um neue Produktionstechnologien, insbesondere Additive Manufacturing kritisch. Für den heimischen Maschinen- und Anlagenbau sind Innovationen aus der Industrie und der Forschung auch mit leistungsfähigen AM-Lösungen enorm wichtig. Das ist ein Schlüssel zur Entwicklung von Technologieführerschaft und Erhaltung der technologischen Souveränität des Standortes Deutschland. Dazu fordern wir ein starkes Engagement aus der Politik.“

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