Zulieferer
„Kurze Wege zum Kunden“
SCOPE: Wie ist bei Dirak die Durchführung kundenspezifischer Produktentwicklungen praktisch organisiert?
Merckens: Der Außendienst beziehungsweise ein Key Account Manager hat den Kontakt zum Kunden. Er wird eingeladen, wenn Entwicklungsvorhaben beim Kunden anstehen, nimmt dessen Anforderungen auf und erstellt mit ihm ein Lastenheft. Das Lastenheft beschreibt das komplette Projekt. Es benennt die Ansprechpartner beider Seiten, um die direkte Kommunikation zwischen den Beteiligten zu vereinfachen, beschreibt den Produkteinsatz sowie die Anwendungsdaten und Prüfkriterien für die Neuentwicklung. Zudem werden hier die Funktionsparameter des Produkts festgelegt und das Erstellungsziel definiert, also ob der Kunde einen Entwurf, Rapid Prototyping oder ein fertiges Produkt wünscht. Auch kaufmännische Daten wie Lieferzeit, Lieferort, Losgröße und Zielpreis sind hier niedergelegt.
Die Dirak-Entwicklung bewertet diese Vorgaben dann hinsichtlich der Machbarkeit – etwa bezüglich des Werkstoffeinsatzes. Anschließend entsteht ein erster Entwurf, der mit der Ziel-vorgabe abgeglichen und dem Kunden zwecks Abnahme vorgestellt wird. Der Entwurf kann ein Funktionsmodell, ein einfaches Modell oder auch ein Prototyp für Funktions- und Festigkeitsprüfungen sein. Nach der Freigabe werden die Fertigungszeichnungen und Werkzeuganfragen vorgenommen. Nach einem Design-Review wird die Freigabe zur Produktion gegeben. Das Erstmuster, die 0-Serie und der Serienstart führen dann zum Einsatz beim Kunden.
SCOPE: Das klingt alles sehr flüssig. Gibt es auch typische Reibungspunkte?
Merckens: Eine Voraussetzung, um diesen Prozess möglichst sicher und schnell im Sinne des Kunden zu führen, ist ein Team qualifizierter Mitarbeiter. Neben erfahrenen Konstrukteuren auf dem Gebiet der Befestigungstechnik sind Fertigungsspezialisten – zum Beispiel für die Stanz und Biegetechnik, den Kunststoffbereich, den Druck- und Edelstahl-Feinguss – sowie Elektroniker für elektromechanische Verschlüsse ein notwendiger Bestandteil dieses Prozesses. Und selbst wenn Sie noch so erfahrene Entwickler haben, benötigen sie stets den kurzen Weg zum Kunden. Deshalb binden wir mindestens einen festen Ansprechpartner des Kunden mit in den Entwicklungsprozess ein.
SCOPE: Was ist Ihrer Erfahrung nach die entscheidende Prozessstufe im Rahmen der Kundenprojekte?
Merckens: Die Entscheidung fällt mit der definierten Zielsetzung und einem kompletten Lastenheft. Das ist die Grundlage, um einen zielgerichteten Entwicklungsprozess durchzuführen. Die Möglichkeit, mit dem Kunden die Meilensteine zeitnah abzugleichen runden es ab.
SCOPE: Durch welche Maßnahmen stellen Sie sicher, dass die entwickelte Lösung am Ende tatsächlich exakt dem Bedarf des Kunden entspricht?
Merckens: Fehlentwicklungen durch Missverständnisse lassen sich durch den beschriebenen Prozess grundsätzlich vermeiden. Aber in der täglichen Arbeit kommt man an der Formulierung interner Standards nicht vorbei. Wir haben definierte Prüfkriterien wie etwa Lastprüfungen, Bewegungsanalysen, Umweltsimulationen und Sicherheitstests, um Fehler zu vermeiden. Die beste Prävention sind aber die Design-Reviews mit dem Kunden.
SCOPE: Welche technischen Werkzeuge nutzt Ihr Unternehmen im Rahmen von Entwicklungsprojekten?
Merckens: Wir setzen auf 3D CAD, FEM-Berechnungen, das Rapid Prototyping und den konventionellen Modellbau.
SCOPE: Wo liegen Ihrer Erfahrung nach die Hauptrisiken bei kundenorientierten Produktentwicklungen?
Merckens: Alle Kunden sind Spezialisten in der Fertigung ihrer eigenen Produkte, allerdings weniger in dem Design von Beschlagelementen. Das führt häufiger dazu, dass der Kunde erst im Fortschritt des Projekts erkennt, welche Features oder Anforderungen das bei uns in Auftrag gegebene Produkt erfüllen muss. Dieses fehlende eigene Know-how veranlasst immer mehr Kunden dazu, Dirak bereits bei den ersten Überlegungen zu einem neuen Produkt mit einzubeziehen. So können wir dem Kunden bereits von Anfang an Möglichkeiten aufzeigen, wie sich sein Produkt mit neuen innovativen Alleinstellungsmerkmalen ausstatten lässt.
SCOPE: Binden Sie Forschungsinstitute oder Hochschulen in Ihre Produktentwicklung ein?
Merckens: In der Vergangenheit haben wir diesem Thema nicht genug Bedeutung zugemessen. Allerdings ist uns klar, dass die Einbeziehung von Forschungseinrichtungen unser eigenes Know-How, zum Beispiel im Bereich der Materialien, verbessern wird.
SCOPE: Inwiefern besteht eine Wechselwirkung zwischen kundenspezifischen Produktentwicklungen und Katalogprogramm?
Merckens: Kunden, die Entwicklungsprojekte mit uns machen, sind in ihrer Branche in der Regel die Trendsetter der technischen Entwicklung. Daher sind diese Partnerschaften eine wichtige Informationsquelle, um an den zukünftigen Marktstandards frühzeitig mitzuarbeiten. In der Regel sind diese Entwicklungen aber spezifische Lösungen für den Kunden. In Absprache mit dem Kunden entscheiden wir uns aber manchmal auch, die spezielle Lösung auf andere Applikationen zu übertragen und ein Produkt für das Standardprogramm daraus abzuleiten.
SCOPE: Woher bezieht Dirak seine Ideen für die Entwicklung neuer Produkte?
Merckens: Zum einen entstehen im Rahmen von Kundenprojekten neue Ideen. Weiterhin sind die Vertriebseinheiten weltweit gefordert, sich mit den Entwicklungen in den unterschiedlichen Kundengruppen auseinanderzusetzen. Dirak versteht sich als Problemlöser seiner Kunden; wir machen uns die Probleme unserer Kunden zu eigen und wollen sie lösen. Aus dieser Situation heraus ergeben sich immer wieder neue Ansätze für innovative Verschluss- und Scharnierlösungen.








