Wirtschaft + Unternehmen
Sparen, was die Technik hergibt
Eines der zentralen Themen der Hannover Messe ist erneut die Energieeffizienz. Dabei hat die deutsche Industrie bereits einen großen Teil des weiten Wegs zurückgelegt. Ein Gutteil des Potenzials, den Energiebedarf bei industriellen Prozessen zu senken und damit Ressourcen zu schonen und CO2-Emissionen zu senken, ist bereits ausgeschöpft, ergab eine Studie von Roland Berger für den VDMA. Denn der Maschinen- und Anlagenbau hat erkannt: Energieeffizienz wird sich aus Sicht der Kunden als ein entscheidender Faktor bei Investitionen manifestieren. Anbieter können sich differenzieren, wenn ihre Maschinen und Geräte sparsam arbeiten.
Die Industrie weiß, wovon sie spricht. Der industrielle Energiebedarf von rund 4.312 Petajoule entspricht etwa 50 Prozent des gesamten Energiebedarfs in Deutschland. Ein Petajoule bedeutet umgerechnet rund 278 Millionen Kilowattstunden. Die Industrie ist mit einem Anteil von nahezu 60 Prozent beim industriellen Energieeinsatz vertreten. Der Rest geht in den Verkehr sowie die Sektoren Gewerbe/Handel/Dienstleistungen. Dabei sind bereits in den letzten Jahren signifikante Einsparerfolge zu verzeichnen gewesen. Produzierendes Gewerbe, Logistik/Handel sowie Bau haben in den letzten zehn Jahren Einsparerfolge in einer Größenordnung von 12,1 bis 12,7 Prozent verzeichnen können. Das ist somit nahezu in der gleichen Größenordnung anzusiedeln.
Differenzierte Entwicklung
Für die nächsten zehn Jahre allerdings stellt Roland Berger in der Untersuchung unterschiedliche Einsparpotenziale fest. Das Produzierende Gewerbe will mit 12,1 Prozent (nach 12,6 Prozent) nahezu das gleiche Ergebnis erzielen wie in der Vergangenheit. Die anderen beiden Bereiche rechnen aber mit Effizienzsteigerungen in einer Größe von 19,4 Prozent. Berger führt dieses bemerkenswerte Auseinanderdriften der Entwicklung auch auf den Faktor zurück,„dass bei Technologien für einige Anwenderbranchen große Anstrengungen unternommen wurden, um den Energiebedarf zu senken und man somit hier bereits relativ weit fortgeschritten ist.“
Durchschnittszahlen ergeben natürlich ein Zerrbild. Die Realität stellt sich in den einzelnen Branchen unterschiedlich dar. Die detaillierte Betrachtung der Einsparungen ergibt differenzierte Entwicklungen. Einige Branchen werden vom bisherigen Branchendurchschnitt abweichen und sich positiv entwickeln, etwa die Papier- und die Getränkeindustrie. Andere Branchen lagen in der Vergangenheit über dem Durchschnitt, treten dafür in Zukunft etwas kürzer. Kunststoff/Gummiwaren zählt Roland Berger hierzu, aber auch die Grundstoffchemie oder die Metallerzeugung.
Technologien spielen bei der weiteren Steigerung der Energieeffizienz eine entscheidende Rolle. Die Basis für Energieeinsparungen entstammt in den nächsten zehn Jahren etwa je zur Hälfte bereits existierenden und anderen neuen Technologien. Die Hebel der Optimierung sind dabei klar ausgemacht. Sie weichen nicht von denen in der Vergangenheit ab: Systemsteuerung (Steuern und Regeln, Sensorik), Verfahrensoptimierung, Konstruktionsoptimierung (Antriebe, IT-Tools), Materialanpassung sowie die Substitution von Subsystemen wie Motoren und Antrieben durch neue Techniken. Roland Berger bemerkt: „Insgesamt zeigt sich, dass neben der Entwicklung gänzlich neuer Effizienztechnologien vor allem die Verbesserung und Weiterentwicklung bestehender Technologien den zukünftigen Wachstumspfad charakterisieren.“
In seiner Bilanz rechnet der Consulter zusammen: Über alle Industriebranchen hinweg werden bereits heute im Vergleich zu vor zehn Jahren 215 Petajoule weniger verbraucht. In zehn Jahren werden pro Jahr weitere 460 Petajoule gespart, Produktionssteigerungen nicht eingerechnet. Damit steigen die Einsparungen Jahr für Jahr um acht Prozent. Eine Wachstumsrate mit Perspektive. bw







