Ingenieurerhebung 2013

Höhere Ingenieurquote und mehr Frauen im Osten

Im ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbau ist der Anteil der Ingenieure in den Belegschaften fast doppelt so hoch wie im gesamtdeutschen Maschinenbau. Auch die Zahl der Ingenieurinnen liegt deutlich höher. Das ergab die jüngste Ingenieurerhebung des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

In Ostdeutschland beträgt die Ingenieurquote 29,2 Prozent - in der gesamten Branche 16,7 Prozent. Die Gründe hierfür liegen in der historisch bedingten Strukturentwicklung. "In Ostdeutschland gibt es relativ gesehen viel mehr kleine Unternehmen als in anderen Regionen. Je kleiner aber ein Unternehmen, desto größer ist der Ingenieuranteil", erklärt Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost, die Unterschiede. Außerdem wirkt sich nach wie vor der hohe technische Ausbildungsgrad älterer Generationen aus.

Ostdeutscher Maschinenbau profitiert von gut ausgebildeten Frauen

Eine weitere Besonderheit in ostdeutschen Maschinenbau-Unternehmen ist der Frauenanteil unter den Ingenieuren. Zwischen Ostsee und Erzgebirge gibt es 15 Prozent weibliche Ingenieure - damit ist etwa jeder siebte Ingenieur eine Frau. Für den gesamtdeutschen Maschinenbau wurden 7,5 Prozent ermittelt. "Auch dieses Ergebnis lässt sich mit einem Blick in die Vergangenheit begründen", sagt Pätz. Demnach durchliefen in der ehemaligen DDR deutlich mehr Frauen eine technische Ausbildung als im ehemaligen Bundesgebiet. Zudem arbeiteten sie anschließend auch in diesen Berufen. Im Vergleich zur Ingenieurerhebung in 2010 ist die Zahl der Ingenieurinnen jedoch leicht rückläufig (17 Prozent). "Da derzeit weiblicher Nachwuchs fehlt und sich die Altersstrukturen in den Unternehmen infolge des demografischen Wandels ändern, wird sich dieser Trend voraussichtlich fortsetzen", ist Pätz besorgt.

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Gleichzeitig steigt in den kommenden Jahren der Bedarf an technisch orientierten Nachwuchskräften. Der Erhebung zufolge gehen 53 Prozent der befragten Unternehmen davon aus, dass in den nächsten fünf Jahren die Zahl der Ingenieure im ostdeutschen Maschinenbau zunehmen werde. Einstellungsbedarf bestehe dabei vor allem in den Bereichen Forschung/Entwicklung/Konstruktion sowie im Vertrieb.

Zunehmend Nachwuchsprobleme

Wie wichtig es ist, noch mehr junge Menschen für Technik, Technologien und Naturwissenschaften zu begeistern, verdeutlicht auch der hohe Anteil älterer Ingenieure. Während im gesamten Maschinen- und Anlagenbau 15 Prozent älter als 55 Jahre sind, sind es in Ostdeutschland 27 Prozent. "Das zeigt, dass der demografische Wandel in den hiesigen Regionen tatsächlich angekommen ist. Zahlreiche Unternehmen haben bereits seit einiger Zeit Probleme, Ausbildungsstellen zu besetzen und junge Ingenieure zu rekrutieren", weiß der VDMA-Landesverbands-Geschäftsführer. Die Ursache liegt in der Zeit um 1990. Nach den notwendigen Anpassungsmaßnahmen sind vor allem die damals 30- bis 40-Jährigen in den Betrieben verblieben. Ebenso haben in den Folgejahren kleinere Unternehmen kaum dual ausgebildet oder Personal eingestellt.

Das Nachwuchsproblem lasse sich nach Ansicht des Verbandes nur im Einklang von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft lösen. So müssen die Politik beispielsweise die Rahmenbedingungen für eine wettbewerbsfähige Hochschulausbildung schaffen, die Kommunen lebenswerte Städte erhalten und Bildungsstätten zukunftsorientiert und praxisnah ausbilden. "Natürlich sind genauso die Unternehmen gefragt. Viele von ihnen engagieren sich auch in vielfältiger Weise", berichtet Pätz. Hierzu gehören die eigene Ausbildung, die Zusammenarbeit mit Schulen und Hochschulen, Einstiegschancen für Studierende über Praktika und Abschlussarbeiten, schnelle Aufstiegschancen, Möglichkeiten der Weiterqualifizierung, gute Gehälter sowie Angebote zur Vereinbarung von Beruf und Familie wie flexible Arbeitszeiten und Kooperationen mit Kindertageseinrichtungen. kf

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