Wirtschaft + Unternehmen

Stecken und Rasten statt Schrauben

Wartezeiten im Büro, weil fehlende elektrische Anschlüsse -- für was auch immer ¿ Zeit raubend nachgerüstet werden müssen, gehören inzwischen zum Tagesgeschäft. Das angeblich flexible Büro führt die immer noch zu starre Technik der Verkabelung ad absurdum. Die strikte Trennung zwischen Leitungsführung und Geräteeinbau in einem neuen Elektro- Installationskanal-System mit drei Kammern soll hier ¿ zusammen mit anderen Zeit sparenden Innovationen ¿ endlich Abhilfe schaffen.
Eigentlich sollte das verkabelte Haus ja ganz einfach funktionieren. Ein Stromkabel führt an alle Stellen des Gebäudes und transportiert sowohl die gewünschte Energie als auch die Signale und Daten, ohne die wir ja inzwischen nicht mehr leben können sollen. So einfach ist es aber immer noch nicht, obwohl diese goldene Zukunft immer wieder vollmundig verkündet wird.

Wir brauchen also ¿ zumindest auf Sicht ¿ wenigstens ein Kabel für die Energie, eines für die Steuersignale, eines fürs Telefon, an dem dann auch das Internet hängen könnte. Selbstverständlich benötigt auch das Computer-Netzwerk eine eigene Strippe und das Pantoffelkino wünscht sich ebenfalls eine separate Zuleitung für die hochfrequente Erbauung, die uns per Satellit ins Haus flattert.

Ändern ist in
Gottseidank haben wir uns ¿ zumindest im gewerblichen Umfeld ¿ weitgehend abgewöhnt, die einzelnen Kabel ¿ wie ungetreue Weiber im Mittelalter ¿ einzumauern. Unter Putz verlegen nennt sich diese antiquierte Methode, die auch nicht wesentlich flexibler wird, wenn der Installateur die Strippen mühsam durch zu enge Leerrohre fädeln muss. Kabelkanäle verschiedenster Art, offiziell Elektro-Installationskanal-Systeme genannt, führen nicht nur die erforderlichen Leitungen, sondern erlauben auch den Einbau der notwendigen Steckdosen und anderer Installationsgeräte. Eigentlich ist es ein Wunder, dass diese verschiedenen Konstruktionen irgendwie zusammenpassen und funktionieren, obwohl sie sich nach und nach den veränderten Bedingungen der technischen Entwicklung anpassen mussten, also eigentlich kein von vorneherein durchgängig geplantes System darstellen. Und weil die Unternehmen und vor allem die Innenarchitekten möglichst keinen Mix dulden, schieben die Hersteller ein riesiges Programm vor sich her, um allen Nachrüstungswünschen über Jahre gerecht werden zu können.

Inzwischen stellt sich außerdem heraus, dass die herkömmlichen Elektro-Installationskanal-Systeme der permanenten Änderungswut ¿ insbesondere der elektronischen Datenverarbeiter ¿ nur noch mit erheblichem Arbeitsaufwand folgen können.
Es lag auf der Hand, dass ein neues System versuchen sollte, die vielen unterschiedlichen Forderungen erheblich flexibler unter einen Hut zu bringen als bisher. ¿BR Netway¿ nennt Tehalit seine Antwort auf die dargestellten Forderungen.
Die Spezialisten aus dem pfälzischen Heltersberg beschreiten mit einer Reihe patentierter Detaillösungen neue Wege in der Energie- und Dateninstallation, die zusätzliche Vorteile bieten. Neuartige Technologien standen bei der Entwicklung ebenso Pate wie die jahrzehntelange, Erfahrung und er enge Kontakt mit den Installateuren, Kunden und Anwendern.

Lösungen für jeden Anspruch
Büros, Kanzleien und andere Verwaltungsbereiche, Arztpraxen, Kliniken und Labors, Schulen und Universitäten ja sogar Werkstätten und technisch anspruchsvolle Wohngebäude lassen sich damit bedarfsgerecht ausstatten, versichern die Heltersberger. Das beginnt bei der Materialauswahl, die neben der Standard-PVC-Ausführung, halogenfreien Kunststoff für besondere Anforderungen an den vorbeugenden Brandschutz sowie hochwertiges Aluminium oder robustes Stahlblech bietet. Die Metallausführungen lassen sich auf Wunsch in allen RAL Farben lackieren. Sicher ein besonderes Bonbon zum farblichen Gestalten von Räumen durch die Innenarchitekten.

Das optische und funktionale Anpassen an die Raumgegebenheiten unterstützt auch die breite Palette an Zubehör wie winkelverstellbare Formteile für Richtungsänderungen, Paneele und Lamellen. Bei alledem sorgen leicht einhängbare Konsolen und praktische Kupplungen für die rationelle Ein-Mann-Montage des Systems.

Zeitsparender Geräteeinbau
Der modulare Aufbau und der bestechend einfache Geräteeinbau bilden die Grundlage der zukunftssicheren Flexibilität. Beispielsweise bietet ein berührungsgeschütztes Stecksystem mit vorkonfektionierten Kabeln die Möglichkeit, Geräte einfach und schnell modular verkettet, schraubenlos zu montieren. Änderungen werden auf diese Weise fast zur Minutensache. Eine zusätzliche Doppelsteckdose rastet einfach in die verschiebbaren Geräteträger und lässt sich entweder an die vorhandene Steckdose ranschieben und automatisch kontaktieren oder mit einem konfektionierten Steckkabel an den nächsten Phasenwähler des Energiebusses anschließen. Dazu müssen weder der Strom abgeschaltet werden noch die Mitarbeiter im Büro die Arbeit unterbrechen.

Hier beim Geräteeinbau unterscheiden sich die zwei lieferbaren Grundvarianten. ¿Ecoline¿ nennt sich die Lösung mit sichtbar im Installationskanal eingebauten Geräten, die sich dank eines modularen Blendenkonzepts auch nachträglich nahtlos und optisch perfekt aneinander reihen lassen. Beim ¿Inline¿-System werden die Geräte als komplette Einheiten mit Schutzmulden geliefert und verdeckt eingebaut. Direkt aneinander reihbare Abdeckklappen ergeben ein geschlossenes Erscheinungsbild, das Schnitte perfekt kaschiert.

Drei Kammern
Das Unterteilen der Installationskanäle in drei getrennte Kammern, die jeweils über eigene Abdeckung zugänglich sind, erleichtert sowohl den Geräteeinbau als auch die Installation aller notwendigen Leitungen. Die mittlere Kammer mit einem 80 Millimeter breiten Oberteil nimmt alle Einbaugeräte auf. Kompakte Doppelsteckdosen mit Schnellkontaktierung, vollgeschirmte Kommunikationsanschlüsse mit Schrägauslass, EIB-Geräte, Energieverteilungskomponenten und Standardgeräte lassen fast keine Wünsche offen. In den beiden äußeren Kammern werden die Leitungen geführt.

Interessant finde ich, dass die relativ schmalen, verschiebbaren Systemträger in der mittleren Kammer ausreichen, um die normgerechte Funktion von Trennwänden zu übernehmen. Offensichtlich reicht der große Abstand der Leitungskammern durch die dazwischen liegende Gerätekammer, um Schwach- und Starkstromleitungen in einem Installationskanal normgerecht gemeinsam zu verlegen. Integrierte Klammern verhindern darüber hinaus das Herausfallen der Leitungen beim Einlegen.

Steckbarer Energiebus
Eine erhebliche Vereinfachung bringt das Prinzip des Energiebusanschlusses. Von einer durchgeschleiften Standardleitung mit fünf Adern bis 2,5 Quadratmillimetern zweigen steckbare, so genannte Phasenwechsler jeweils eine der drei Phasen ab und versorgen die Steckdosen. Das verringert das Leitungsvolumen im Installationskanal und erlaubt eine stärkere Strombelastung der Leitungen. Den Einbau von Modulargeräten unterstützten Automateneinbaueinheiten, die unter anderem Leitungsschutzschalter und Fehlerstromschutzschalter aufnehmen.

Selbstverständlich gehören hier auch die einfache Integrierbarkeit von Komponenten des europäischen Installationsbusses (EIB) zum System. Schließlich bildet der Bus und seine Komponenten eine wichtige Voraussetzung für das komfortable Steuern und Automatisieren der Haustechnik. Beispielsweise lässt sich auf diese Weise die Funktion von Beleuchtung und Heizung, Rollläden, Jalousien und anderen Betriebsmitteln besser auf den tatsächlichen Bedarf abstimmen.
Beim verdeckten Geräteeinbau in der Inline-Ausführung lassen sich Energie- und Datenanschlüsse nahtlos aneinander reihen. Interessant finde ich die drehbaren Netzsteckdosen. Sie erleichtern das Einstecken und Abziehen der Winkelstecker, erlauben aber zugleich die Anschlusskabel elegant hinter der Abdeckung zu verstecken.
Das verwendete, berührungssichere Stecksystem stammt übrigens von Wago. Es kontaktiert die Leitungsadern über schraubenlose Anschlüsse (Cage-Clamp) und erlaubt sowohl Massivdrähte als auch Litzen. Offensichtlich planen die Mindener, sich im Bereich der steckbaren Elektroinstallation stärker zu engagieren. Bisher beherrscht ja meines Wissens Wieland in Bamberg diese rationelle Installationsmethode ziemlich unangefochten.

Bernhard Siegmund/November 2000

Links: http://www.hager.de, http://www.wago.com

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