Wirtschaft + Unternehmen
Jahrestagung 2008 des Berliner Kreises
Der Berliner Kreis verfolgt das Ziel, Forschung und Lehre der Hochschulen auf die aktuellen Herausforderungen der Industrie abzustimmen und Unternehmen bei der Entwicklung der Produkte für die Märkte von morgen zu unterstützen. Dies wird ermöglicht durch einen ständigen, intensiven Dialog zwischen rund 50 führenden Persönlichkeiten aus der Industrie und mehr als 30 Universitätsprofessorinnen und -professoren, die die Wissenschaftslandschaft auf dem Gebiet der Produktentwicklung prägen.
Die Jahrestagung 2008 zum thematischen Schwerpunkt »Mechatronik – Die Herausforderungen an Integration im Produktentstehungsprozess« basierte auf dem bereits im Vorjahr erfolgreich eingeführten Konzept und stieß bei den Teilnehmern auf gute Resonanz. Das Programm gliederte sich in einen Plenum- und einen Workshop-Block, in dem jeder Teilnehmer seine persönlichen Interessenschwerpunkte intensiv in kleinen Expertengruppen diskutieren konnte.
Im Rahmen des ersten Plenarvortrages stellte Prof. Dr.-Ing. Gernot Spiegelberg, Siemens Corporate Technology (CT), Themen aus dem Geschäftsfeld Energie vor und skizzierte eine Vision, in der das Automobil der Zukunft mit einem austauschbaren Lithium-Ionen-Akkumulator ausgestattet ist.
Wissenschaft und ihre industrielle Umsetzung
Hierbei fungiert das Automobil nicht mehr ausschließlich als Transportmittel, sondern auch als Energiespeicher, der in Abhängigkeit von Energiebedarf und -preis an verschiedenen Punkten des Energienetzes Energie einspeisen oder entnehmen kann.
Dr.-Ing. Alexander Lewald, PTC GmbH, diskutierte in seinem darauf folgenden Vortrag anhand einiger Fallbeispiele die These, dass zwischen dem Stand der Wissenschaft und dem Stand der industriellen Umsetzung oft eine zeitliche Lücke von bis zu 20 Jahren besteht. Zur Reduzierung dieser Lücke leitete er auf der Grundlage eines holistischen Gedankengerüstes zur Mechatronik-Entwicklung aktuelle Handlungsfelder ab.
Prof. Harald Schaub, IABG mbH, führte den dritten Plenarvortrag mit der Erkenntnis ein, dass die Evolution den Menschen nicht hinreichend auf die Komplexität heutiger Systeme vorbereitet habe. Unter anderem leitete Prof. Schaub daraus den Handlungsbedarf ab, dass moderne Organisationen Mechanismen bereitstellen müssen, die einen optimalen Informations- und Wissenstransfer gewährleisten.
Im Rahmen der Workshops sollte der Handlungsbedarf der Industrie in Bezug auf die nachstehenden Workshop-Themen identifiziert werden. Eine ausführliche Darstellung der Resultate wird in den »Berliner Kreis News 1/2009« veröffentlicht.
Workshop 1 – Renaissance des Systems Engineering? In dem von Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Albert Albers (Institut für Produktentwicklung der Universität Karlsruhe) und Prof. Dr.-Ing. Jürgen Gausemeier (Heinz Nixdorf Institut) moderierten Workshop wurde die Frage diskutiert, ob ein Handlungsbedarf bei der domänenübergreifenden Spezifikation der Prinziplösung mechatronischer Systeme besteht. Dieser wird von der Industrie insbesondere bei der Integration der Domänen Mechanik, Regelungstechnik, Elektronik und Software-Technik gesehen.
Handlungsbedarf in der Produktentwicklung
Diese Domänen müssten mit einer einheitlichen, allgemeinverständlichen Spezifikationstechnik arbeiten, um die Produktintegration effizient bewerkstelligen zu können. Lösungsansätze hierfür bieten das am Institut für Produktentwicklung entstandene integrierte Produktenstehungsmodell iPeM sowie die am Heinz Nixdorf Institut entwickelte Spezifikationstechnik zur Beschreibung der Prinziplösung mechatronischer Systeme.
Workshop 2 – Neue Ansätze der Rechnerunterstützung, Projektidee HOPE: Prof. Dr.-Ing. Martin Eigner (Lehrstuhl für Virtuelle Produktentwicklung der Technischen Universität Kaiserslautern) und Prof. Dr.-Ing. Michael Abramovici (Lehrstuhl für Maschinenbauinformatik der Ruhr-Universität Bochum) moderierten den zweiten Workshop. Die in diesem Rahmen vorgestellte Projektidee »Holistische Optimierung der Produktentstehung« (HOPE) zielt auf die Erarbeitung und Umsetzung von Methoden, Prozessen und Systemen für die nachhaltige und optimale Produktentstehung von kooperierenden kleinen und mittelständischen Unternehmen, Systemlieferanten und OEMs. Unter den Teilnehmern herrschte schnell Einigkeit, dass insbesondere in den Bereichen Next Generation PLM, Next Generation CAx sowie bei der Planungs- und Entscheidungsunterstützung Handlungsbedarf besteht. Die Vertreter der Industrie merkten an, dass eine große zeitliche Lücke zwischen den technischen Möglichkeiten der Systeme und deren Anwendung klafft. Diese Lücke könnte etwa durch die Etablierung branchenspezifischer Lösungen und Bibliotheken sowie durch die stärkere Einbeziehung von »Human Factors« reduziert werden.
Workshop 3 – Human Factors in der Produktentwicklung: Human Factors in der Produktentwicklung standen im Vordergrund des dritten Workshops, der an den Vortrag von Prof. Schaub anknüpfte und von Prof. Dr. h.c. Dr.-Ing. Herbert Birkhofer (Fachgebiet Produktentwicklung Maschinenelemente der Technischen Universität Darmstadt) und Prof. Dr.-Ing. Udo Lindemann (Lehrstuhl für Produktentwicklung der Technischen Universität München) moderiert wurde. Die Teilnehmer stellten heraus, dass bereits in der Ingenieurausbildung die Grundlagen für ein interdisziplinäres Arbeiten gelegt werden müssten. Eine stärkere Praxisorientierung in Form von Projektseminaren und Praktika wird hier als zielführend erachtet. In der Lehre sollen Themenbereiche wie das Projektmanagement oder Präsentationstechniken integraler Studienbestandteil werden, und die einzelnen Fachdisziplinen sollen stärker miteinander verzahnt werden.
Der vollständige Tagungsband der diesjährigen Jahrestagung steht unter http://www.berliner-kreis.de zum Download bereit. Im Rahmen der Mitgliederversammlung am 15. November wurde der bisherige Vorstand für weitere zwei Jahre wiedergewählt. Prof. Dr.-Ing Michael Abramovici wurde im Amt des Vorsitzenden bestätigt, Prof. Dr.-Ing. Udo Lindemann übt weiterhin das Amt des stellv. Vorsitzenden aus und Prof. Dr.-Ing. Jürgen Gausemeier wurde im Amt des Geschäftsführers bestätigt. -fr-
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