ifo senkt Prognose für Deutschland
Nahost-Krieg bremst Wirtschaftswachstum
Das ifo Institut hat seine Wachstumsprognose nach unten korrigiert. Der Nahost-Krieg hinterlässt Spuren in der deutschen Wirtschaft. Ein kurzfristiger Energiepreisanstieg würde das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr um rund 0,2 Prozentpunkte verlangsamen. Das Institut rechnet nun mit 0,8 Prozent Wachstum 2026 und 1,2 Prozent im kommenden Jahr.
„Wir gehen derzeit von einem Anstieg der Inflationsrate auf knapp 2,5 Prozent aus, wenn die Öl- und Gaspreise innerhalb der nächsten Wochen wieder sinken. Sollten die Preise für fossile Energie allerdings für einen längeren Zeitraum stark erhöht auf dem heutigen Niveau bleiben, könnte die Inflation in der Spitze bis auf knapp 3 Prozent steigen. Dies würde das Wachstum um weitere 0,2 Prozentpunkte auf nur noch 0,6 Prozent in diesem Jahr und um 0,4 Prozentpunkte auf 0,8 Prozent im kommenden Jahr bremsen“, sagt ifo Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Ende 2025 hatte die deutsche Wirtschaft einen Erholungskurs eingeschlagen. Das zeigte sich am kräftigen Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts, an der höheren gesamtwirtschaftlichen Kapazitätsauslastung und an der spürbar besseren Auftragslage im Baugewerbe und in der Industrie.
„Ungeachtet des Energiepreisschocks dürfte sich die Erholung in Deutschland im weiteren Verlauf dieses Jahres fortsetzen, insbesondere weil staatliche Mehrausgaben für Infrastruktur, Klimaneutralität und Verteidigung ausgeweitet und zunehmend nachfragewirksam werden“, so Wollmershäuser.
Doch die Erholung ist untypisch. Nicht die Exporte treiben sie, im Gegenteil: Die Warenausfuhren sinken weiter, obwohl die Wirtschaftsleistung auf den deutschen Absatzmärkten wieder zunimmt. Stattdessen sind es inländische Impulse, die den Aufschwung einleiten – eine direkte Folge der expansiven Fiskalpolitik. Im vierten Quartal 2025 legten vor allem staatliche Ausrüstungsinvestitionen und öffentliche Konsumausgaben kräftig zu.
Am Arbeitsmarkt zeigt sich die Erholung erst verzögert. In allen Szenarien liegt die Arbeitslosenquote 2027 unter dem Wert von 2026.
„Wann hier die Trendwende kommt, hängt wiederum von der Länge der kriegerischen Auseinandersetzungen in Nahost und den damit verbundenen wirtschaftlichen Unsicherheiten ab“, sagt Wollmershäuser. Auch die Zahl der Erwerbstätigen werde in diesem Jahr noch einmal sinken und erst im kommenden Jahr im Zuge der Erholung zunehmen.









