Kühlbett wird für 14 Millionen Euro modernisiert

Deutsche Edelstahlwerke investieren am Standort Siegen

Gerade erst haben die Deutschen Edelstahlwerke das neue Sekundärmetallurgische Zentrum am Standort Witten eingeweiht, jetzt investiert die Schmolz+Bickenbach-Tochter auch in die Zukunft des Standorts Siegen.

Blick in das Walzwerk Siegen während der Bauarbeiten im Sommer 2014.

Für rund 14 Millionen Euro wird im Siegener Walzwerk das Kühlbett modernisiert. Damit reagiert der international operierende Hersteller von Langprodukten aus Spezialstahl auf die stetig wachsenden Anforderungen der Kunden hinsichtlich Prozesssicherheit und Oberflächenbeschaffenheit der gewalzten Stäbe. Die Inbetriebnahme der Anlage soll im Herbst 2015 erfolgen. Der erste Teil des insgesamt siebenwöchigen Bauvorhabens ist bereits abgeschlossen.

"Das Kühlbett ist optimal für unseren Abmessungsbereich von Stäben mit einem Durchmesser von 20 bis 90 Millimetern konzipiert. Von den qualitativen und prozesstechnischen Verbesserungen, die wir mit der Anlage erzielen können, werden insbesondere Edelbaustahlkunden wie Automobilzulieferer oder Kaltumformer profitieren, bei denen unser Stahl häufig eine sichtbare Komponente des späteren Bauteils ist. Beispielsweise bleiben bei komplexen Bauteilen für Antriebstrang und Getriebe im Automobil oft unsere Oberflächen sichtbar. Oberflächenriefen sind daher nicht akzeptabel", erläutert Walzwerksleiter Dr. Thomas Helsper.

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Verbesserte, reproduzierbare Längentoleranzen und geradere Stäbe ohne zusätzliches Richten

So ermöglicht das 66 Meter lange Kühlbett des Anlagenbauers SMS Meer, dass die gewalzten Stäbe demnächst ohne Unterbrechung von einem Übergabewagen auf das Rechenbett gehoben werden. Da der Rollgang mit einem Maßanschlag ausgestattet wird, werden die Stäbe auf jeden Fall parallel in einem fest definierten Abstand zueinander liegen. Bei jeder Hebung wird auch eine kleine Drehung erfolgen. Auf diese Weise können die Stäbe in Zukunft über die ganze Breite gleichmäßig und kontrolliert abkühlen. Der Gleichlauf der Stäbe und die homogene Temperaturverteilung sorgen für deutlich verbesserte und reproduzierbare Längentoleranzen nach dem Zuschneiden. "Abhängig von der Qualität schrumpft das gewalzte Material bei Abkühlung in einem Temperaturbereich zwischen 1.000 und 20 Grad Celsius um ein bis zwei Prozent. Je nach Grad der thermischen Schrumpfung über die Rollgangbreite sind auch die Stäbe nach dem Zuschneiden unterschiedlich lang. Diese Problematik lässt sich mit der neuen Technik ab 2015 deutlich entschärfen", so Helsper.

Die modern konstruierten Richtroste bewirken außerdem, dass die Stäbe das Kühlbett zukünftig gerade verlassen, so dass sie nicht mehr - wie bisher üblich - in der Adjustage in einem zusätzlichen Arbeitsgang gerichtet werden müssen, was einen zusätzlichen Zeitaufwand bedeutete. Der Produktionsablauf wird auf diese Weise noch effizienter gestaltet.

Qualitätsverbesserung durch Oberflächenschonung

Darüber hinaus werden sich bereits beim Auflaufen der gewalzten Stäbe in das Kühlbett die qualitativen Vorteile der Modernisierung bemerkbar machen. Werden die Stäbe bisher noch durch flächige Reibung in einer nicht einsehbaren Rinne abgebremst, erledigt diese Aufgabe zukünftig ein Rollgang mit Bremsschieber. Dadurch lassen sich Reibflächen an der Staboberfläche deutlich verkleinern.

Erhöhung der Durchlaufgeschwindigkeit und verbesserte Materialverfolgung

"Abgesehen von den qualitätssteigernden und prozessverbessernden Effekten, wird sich auch die mittlere Durchsatzleistung im Siegener Walzwerk um mindestens 10 Prozent erhöhen", prognostiziert Dr. Helsper und ergänzt: "Zurzeit stehen unsere beiden Trennanlagen in einer Linie hintereinander. Ein gleichzeitiger Betrieb ist nicht möglich, so dass es beim automatischen Durchlauf schon einmal vorkommt, dass eine Maschine auf die andere warten muss. Nach der Modernisierung sind beide Trennanlagen entkoppelt und über einen Quertransport miteinander verbunden. Damit werden wir Nebenzeiten reduzieren." Der ab Herbst 2015 kontinuierlich getaktete Gesamtprozess im Siegener Walzwerk wird auch die Materialverfolgung deutlich vereinfachen und das ohnehin schon geringe Risiko einer Materialverwechslung noch weiter minimieren.

Nur sieben Wochen Großbaustelle

Bis es soweit ist, wird allerdings noch rund ein Jahr verstreichen. Für den Abriss des alten Kühlbettes, die zwischenzeitliche Demontage von Anlagenteilen, die umfassenden Fundamentarbeiten und für den Aufbau und die Inbetriebnahme des neuen Kühlbetts stehen dem von SMS Meer koordinierten Projekt- und Bauteam nur insgesamt sieben Wochen zur Verfügung - eine große Herausforderung für alle Beteiligten. "Für unsere Kunden soll es durch die Modernisierung zu keinerlei Einschränkung bei der Auftragsbearbeitung kommen. Deshalb werden alle Arbeiten in den regulären jährlichen Betriebsstillständen erledigt", erklärt Helsper. Anfang August sind somit bereits 80 Prozent aller Fundamente und Kabelkanäle gebaut worden. Die dafür demontierten Anlagen wurden innerhalb der zur Verfügung stehenden drei Wochen des Sommerstillstands wieder aufgebaut. Im Sommerstillstand 2015 stehen dann der Abriss der alten Anlagenteile und der Aufbau der neuen Elemente auf dem Programm. kf

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