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IBM: Dr. Thomas Wedel über Product Lifecycle Management
Product Lifecycle Management, auch PLM genannt, ist derzeit in aller Munde. Doch kaum einer weiß, was sich hinter dem Begriff verbirgt. Zur Verwirrung trägt die Vielzahl der Anbieter mit unterschiedlichen Definitionen bei. SCOPE befragte Marketingleiter Dr. Thomas Wedel vom Geschäftsbereich IBM Product Lifecycle Management nach den Hintergründen, dem Markt und praktischen Einsatzbeispielen.
SCOPE: Wie definieren Sie Product Lifecycle Management?
Wedel: Griffig formuliert würde ich sagen: Die gesamten IT-Anwendungen die den Lebenszyklus eines Produktes begleiten fallen unter den Begriff PLM. Wir sehen darin allerdings nicht den Verkauf einer einzelnen Software, sondern die Implementierung von Anwendungssoftware zu einer Lösung.
SCOPE: Das hört sich einfach an, aber was steckt dahinter und wie sieht das in der Praxis aus?
Wedel: Hinter dem Begriff PLM steckt ein mächtiges System, das erklärungsbedürftig ist. Denn in seiner vollständigen Ausprägung verknüpft PLM Daten und Prozesse, die für die Fertigung von Produkten erforderlich sind. Das mag sich zunächst ein wenig banal anhören, die Auswirkungen sind jedoch immens, denn sie bewirken eine ganz neue Arbeitsweise von Unternehmen.
Dank PLM muss beispielsweise die Konstruktionsabteilung nun nicht mehr den Einkauf anrufen, um sich nach der Verfügbarkeit eines Teils zu erkundigen. Und auch die Fertigung sieht einen Entwurf nicht erst nach seiner Fertigstellung. Vorbei ist auch die Zeit, in der Unternehmen Inseln waren. Stattdessen haben nun alle Prozessbeteiligten den gleichen Wissensstand - und das ohne Zeitverzug.
SCOPE: Wen sehen Sie als Zielgruppe für PLM?
Wedel: Alle Industriebranchen ziehen großen Nutzen aus dem Product Lifecycle Management. Bereits sehr aktiv sind die Luft- und Raumfahrt, Automobilhersteller sowie deren Zulieferer, die Prozessindustrie und auch der Maschinenbau.
SCOPE: Wer sind heute Ihre Ansprechpartner in den Unternehmen?
Wedel: Das hat sich im Laufe der letzten 10 bis 20 Jahren wesentlich verändert. Früher waren dies in erster Linie EDV-Leiter und IT-Manager. Zu dieser Zielgruppe hat die IBM traditionell gute Kontakte.
Über die Zeit hinweg wurden die Entscheidungsprozesse immer mehr in die Fachabteilungen verlagert. Durch die Ausdehnung der PLM-Themen in betriebswirtschaftliche Bereiche sitzen heute Entscheider aus dem kaufmännischen Bereich mit am Tisch und auch verstärkt auch wieder IT-Manager. Denn die Integration beispielsweise von ERP- oder SCM-Komponenten spielt beim Product Lifecycle Management eine wesentliche Rolle. Involviert sind aber auch Geschäftsführer, die die bereichsübergreifenden Komponente abdecken.
SCOPE: Sie sprachen von integrierten Komponenten...
Wedel: PLM verbindet unterschiedliche Applikationen aus dem technischen und kaufmännischen Bereich zu einem übergreifenden, prozessorientierten System, so dass Konstruktionsprogramme und Geschäftsanwendungen wie Customer Relationship Management (CRM), Supply Chain Management (SCM) und Enterprise Resource Planning (ERP) miteinander kommunizieren können.
In diesem Rahmen entsteht eine Umgebung, in der etwa Einkaufsdaten Entwurfsentscheidungen beeinflussen, die Fertigung in den Entwicklungsprozess einbezogen wird und die neuesten, von der Marketingabteilung erhobenen Erkenntnisse über das Konsumentenverhalten zeitnah allen Produktmanagern zur Verfügung stehen. PLM stellt auch sicher, dass die Entwicklungsabteilung über Wartungs- und Supportprobleme informiert wird, um eine kontinuierliche Verbesserung des Produkts sicherzustellen. Diese Kette reicht von der Entstehung bis zur Entsorgung eines Produkts.
SCOPE: Wie sieht dies in einer Unternehmensgruppe aus?
Wedel: PLM ist nicht auf ein einziges Unternehmen beschränkt, sondern kann eine Vielzahl von Unternehmen umfassen, also faktisch jede Firma und alle Systeme, die in irgendeiner Weise in die Wertschöpfungskette des Produkts involviert sind.
SCOPE: Die Definitionen zu PLM verschiedener Anbieter fallen sehr unterschiedlich aus, das irritiert potentielle Kunden.
Wedel: Inzwischen sind sehr viele auf den ¿PLM-Zug¿ aufgesprungen, da das Thema trendy ist. Die Vielzahl der Anbieter und Definitionen verwirrt leider potentielle Kunden. Im Gegensatz zu unseren Wettbewerbern sind wir nicht nur an technischen Lösungen orientiert, sondern bieten die Gesamtintegration von Lösungen.
SCOPE: Welche PLM-Produkte umfasst Ihr Portfolio?
Wedel: Die Basis unserer PLM-Strategie bilden unsere Produktdaten-Management-Systeme (PDM) Enovia und Smarteam, wobei Smarteam auch als grundlegendes Werkzeug für das Collaborative Engineering dient. Ernsthaftes PLM umfasst immer PDM, einfacher gesagt: Kein PLM ohne PDM. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die CAD/CAM/CAE-Software Catia.
SCOPE: Wie wird man PLM-Anwender? Muss bereits vorhandene Produktentwicklungs-, SCM- oder ERP-Software ersetzt werden?
Wedel: Nein, die Betonung liegt auf ¿Integration¿ ¿ sofern möglich werden bestehende Komponenten eingebunden. Unternehmen können mit bereits vorhandenen Komponenten beginnen und ¿ihr PLM¿ nach und nach immer weiter ausbauen.
SCOPE: Viele Firmen sind irritiert, wenn ein ERP-Hersteller wie SAP nun plötzlich auf die PLM-Schiene steigt. Worin unterscheiden sich die Anbieter IBM PLM und SAP PLM?
Wedel: SAP wählt den kaufmännischen, wir den technischen Ansatz. Die Walldorfer konzentrieren sich vorwiegend auf die Integration von ERP-Komponenten.
IBM ist davon abgesehen weltweit einer der größten Systemintegratoren für SAP-Produkte und somit bestens gerüstet, sowohl kaufmännische als auch technische Aspekte zu realisieren.
Stefan Graf
Der IBM Bereich Product Lifecycle Management unterstützt Fertigungsunternehmen mit Beratungsleistungen und Software-Produkten. IBM Lösungen werden unter anderem im CAD-Bereich, in der Konstruktion und Fertigung, beim Produktdatenmanagement, zur virtuellen Produktentwicklung und bei der Zusammenarbeit über das Internet eingesetzt.
IBM ist exklusiver Vertriebspartner des französischen Software-Hersteller Dassault Systèmes. Zu deren Produkten zählen unter anderem die CAD/CAM/CAE-Software Catia und das PDM-System Enovia.
Links: http://www.de.ibm.com








