Wirtschaft + Unternehmen

Gut vorbereitet zum Erfolg

Nicht erst durch die bevorstehende EU-Ost-Erweiterung öffnen Investitionen in Mittel- und Osteuropa interessante Möglichkeiten für westliche Unternehmen. Nach Ansicht des Osteuropa-Experten Dag-Uwe Holz vom F.A.Z.-Institut, Frankfurt, seien mittlerweile alle dortigen Reformstaaten lohnende Anlage- und Absatzmärkte. Er rät gerade kleinen und mittelständischen Investoren, an die sich die Leipziger Messe Reallocation (22. und 23. Juni 2004) vor allem wendet, zu einem Engagement im Osten. Gegenüber Großunternehmen seien sie flexibler und könnten sich dadurch leichter etablieren.
Bei allen Chancen kann der Gang in neues Marktgebiet auch Risiken mit sich bringen. Daher hat Reallocation in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut für Management- Markt- und Medieninformationen, der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) sowie der IKB Deutsche Industriebank einen zweiteiligen Invest-Ratgeber herausgegeben. Unter dem Titel ¿Erfolgsfaktoren bei Auslandsinvestitionen¿ finden interessierte Unternehmen hilfreiche Informationen auf ihrem Weg in den Osten.

Analyse und Selbstreflexion
Der erste Teil ¿Checkliste des konkreten Handlungsbedarfs¿ strukturiert die wichtigsten Aspekte einer Auslandsinvestition. Zu Beginn eines jeden Auslandsvorhabens sollte eine genaue Analyse stehen, die sich nicht nur auf den neuen Markt bezieht. Vor allem werden die Unternehmen zu kritischer Selbstreflexion ermutigt: Wie ist unsere Ausgangssituation? Sind wir zu einem langfristigen Engagement bereit? Über welche erprobten Technologien und erfolgreichen Produkte verfügen wir? Können wir eine positive wirtschaftliche Entwicklung aufweisen? Ist unsere Organisations- und Managementstruktur geeignet zur Steuerung und Überwachung einer Auslandsgesellschaft? Am Ende dieser ersten Analyse steht die abschließende Frage, ob die Auslandsinvestition aus unternehmerischer Sicht überhaupt Sinn macht. Wird dies positiv beantwortet, müssen projektbezogene Rahmenbedingungen in Augenschein genommen werden.

Standortwahl
Natürlich beeinflusst die Wahl des Landes maßgeblich den Investitionserfolg. Der Investor sollte klare Vorstellungen über das Land und seine dortigen Ziele haben. Dazu ist zuerst eine grobe Beurteilung der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der in Frage kommenden Länder notwendig. Insbesondere sollte das Unternehmen dabei außen- und innenpolitische Konflikte, die wirtschaftliche Entwicklung, mögliche Barrieren für Investoren, die Rechtssicherheit sowie das Konvertierungs- und Transferrisiko überprüfen. In einer zweiten Auswahlphase sollten dann soziodemographische und volkswirtschaftliche Faktoren beurteilt werden: Bevölkerungsgröße, Kaufkraft, Lohnniveau, Infrastruktur sowie die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte. Auch die Entfernung zum Mutterhaus sowie eventuell bereits bestehende Geschäftskontakte in den Ländern dürfen bei der Standortentscheidung nicht außer Acht gelassen werden.
Die Standortwahl ist immer eng verknüpft mit dem Thema ¿Immobilie¿. Besonders hilfreich dürften daher auch die länderspezifischen Checklisten zum Erwerb von Gewerbeimmobilien für Investoren sein, die alle wichtigen Fragen für eine Markt- und Standortanalyse beantworten. Sie wurden von der European Business School ebs, Oestrich-Winkel, speziell für die Bedürfnisse der Reallocation-Besucher entwickelt und unterstützen bei der individuellen Recherche, besonders im Hinblick auf Lage und Wert der Immobilie, Rechts- und Eigentumsverhältnisse, verkehrstechnische Anbindung und Vermarktungspotenzial.

Sicherheit durch Planung
Oft ist eine Auslandsinvestition für ein Unternehmen zunächst im Rahmen eines sogenannten ¿Joint Ventures¿ (gemeinsames Wagnis) sinnvoll. Mehrere rechtlich und wirtschaftlich getrennte Unternehmen kooperieren bei einem solchen Projekt. Soll dies dauerhaft verfolgt werden, bietet sich häufig die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens (Equity Joint Venture) an. Die finanzielle Beteiligung am Eigenkapital eines Joint Ventures, die weitere Finanzkraft zur Fertigstellung des Investitionsvorhabens sowie eine eventuell notwendige Nachfinanzierung müssen von vornherein sichergestellt werden. Das bedeutet: Die Erstellung eines Businessplanes sowie eines Investitions- und Finanzierungskonzeptes ist unerlässlich.

Lokale Partner
Auslandserfahrene Unternehmer bestätigen, dass ein auswärtiges Engagement nur Erfolg hat, wenn man im Markt für den Markt produziert. Schon jetzt ist die Nachfrage nach Investitionsgütern in den Reformstaaten besonders stark. Hält man daneben noch an regionalen Beschaffungsmärkten fest (¿Home-based Player¿), können bei der Wertschöpfung beste Ergebnisse erzielt werden. Eine Untersuchung der Schweizer Universität St. Gallen belegt darüber hinaus sogar einen positiven Zusammenhang von Auslandsinvestitionen und Geschäftsentwicklung der inländischen Muttergesellschaft.
Auch auf die Einbeziehung eines Partners vor Ort in das Gemeinschaftsunternehmen sollte nicht verzichtet werden. Wie kein Zweiter kennt er die andersartigen politischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und kulturellen Rahmenbedingungen, wodurch Kontakte zu Behörden und Institutionen erleichtert werden. Durch seine direkte Marktnähe kann das neue Terrain schneller und besser erschlossen werden. Außerdem erhöht eine solche Partnerschaft oft das Image des ¿Ausländers¿, was besonders förderlich bei der Vergabe öffentlicher Aufträge sein kann.

Versicherbare Risiken
Doch selbst die genaueste Planung kann bestimmte Risiken vor Ort nicht ganz ausschließen. Daher ist es sinnvoll, sich auf dem Weg in das Ausland durch eine seriöse Versicherung begleiten zu lassen. Sie bietet Schutz gegen vier grundlegende Gefahren: Enteignung, Konvertierungs- und Transferrisiko, politische Gewalt sowie Vertragsbruch. Zwar ist eine Enteignung in den mittel- und osteuropäischen Ländern heute nahezu ausgeschlossen, dennoch können Konfiszierung, Verstaatlichung oder sonstige Eingriffe von hoher Hand versichert werden.
Die weitaus größere Nachfrage besteht nach der Absicherung eines möglichen Konvertierungs- und Transferrisikos. Wird es beispielsweise unmöglich, Dividenden, Gewinne, Zinsen oder Tilgungen in Hartwährung zu konvertieren und aus dem Gastland zu transferieren, springt die Versicherung ein. Gleichzeitig ist auch das Risiko von Aufschüben oder Verboten von Zahlungen abgedeckt.
Eine Assekuranz ist auch gegen politisch Gewalt möglich. Sie schließt Schäden aus Krieg, Bürgerkrieg, Aufruhr, Terror und Sabotage ein und fängt alle physische Schäden wie auch Nachteile aus der Betriebsunterbrechung auf. Die Versicherung gegen Vertragsbruch durch staatliche Seiten gestaltet sich etwas schwieriger, da ein juristischer Prozess oft langwierig ist und einen ungewissen Ausgang hat.
Wer sich für eine Auslandsversicherung interessiert, kann sich zwischen einer privaten oder öffentlichen Versicherung entscheiden. Generell gilt aber die Empfehlung: Öffentliche Versicherer sind bei Konvertierungs- und Transferrisiken vorzuziehen. Diese Versicherungen gehören der ¿International Union of Credit and Investment Insurers¿ an, auch als ¿Berner Union¿ bekannt. Private Versicherungen sind dagegen bei politischer Gewalt, Geschäftsunterbrechung und Vertragsbruch die bessere Alternative. Bei Interesse an einem privaten Anbieter sollte das Unternehmen einen Versicherungsbroker hinzuziehen, besonders wenn es dem Investor an Zeit und Erfahrung mangelt. Außerdem verlangen viele ¿Private¿ generell diese Vermittlung. Dominiert wird der private Sektor von Lloyds London und der American International Group. Deutsche Privatversicherungen bieten keine Absicherung von politischen Risiken an. Allerdings ist die Bundesrepublik durch das Haushaltsgesetz ermächtigt, zu Gunsten deutscher Firmen Bundesgarantien für Auslandsinvestitionen zu übernehmen, um politische Risiken abzusichern. Der Bund hat zur Bearbeitung der Garantien die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers Deutschland (PwC) beauftragt, wobei ein Gremium aus verschiedenen Ministerien und Wirtschaftssachverständigen über die Anträge entscheidet.

Leitfaden Vertragsrecht
Sind alle Analysen abgeschlossen und auch die letzten offenen Fragen beantwortet, warten oft juristische Hürden auf die Investoren. Diese lassen sich mit einem verlässlichen Wegbegleiter, dem zweiten Teil des Invest-Ratgebers sicher überwinden. Sehr anschaulich werden rechtliche Rahmenbedingungen, mögliche Vertragsstrukturen sowie die darin meist englische Fachterminologie erläutert. Besondere Beachtung finden Darlehens- und Joint-Venture-Verträge. Außerdem stellt dieser praxisbezogene Band Investoren umfangreiche Mustervorlagen zur Verfügung, die bedenkenlos eingesetzt werden können.
Ergänzend zu dem Besuch der Messe im Juni 2004 sind die Reallocation-Publikationen ganz sicher eine wertvolle Entscheidungsgrundlage für Unternehmen, damit ihr Auslandsengagement von Anfang an auf einem sicheren Fundament steht. Monika E. Melk

¿Erfolgsfaktoren bei Auslandsinvestitionen¿
Band 1: Checkliste des konkreten Handlungsbedarfs (von Hans Joachim Hebgen)
Band 2: Leitfaden Vertragsrecht (von Martin Vogel)
Herausgeber: DEG ¿ Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH, F.A.Z.-Institut für Management-, Markt- und Medieninformationen mbH, IKB Deutsche Industriebank AG und Leipziger Messe GmbH
Bezug: F.A.Z.-Institut, Frau Binsack, Postfach 200163, 60605 Frankfurt, Telefax 069/75911966, E-Mail [email protected], http://www.laenderdienste.de
Preis: Ein Band kostet 80 Euro, beide Bände 120 Euro

Wer attraktive Wirtschaftsstandorte kennen lernen möchte, für den ist die BDI-Unternehmerreise in die Slowakei, nach Polen und Rumänien vom 23. bis 26. Juni 2004 sicher interessant. Von Leipzig geht es über Bratislawa nach Breslau und abschließend nach Timisoara in Siebenbürgen. Dabei erhalten die Reiseteilnehmer bei Gesprächen mit Managern deutscher und internationaler Unternehmen aus Automobil- und Zulieferindustrie, Elektronik/Elektrotechnik, Maschinen- und Anlagenbau sowie Informations- und Kommunikationstechnologie Informationen ¿aus erster Hand¿. Außerdem sieht das Reiseprogramm Treffen mit Vertretern von Investitions- und Ansiedlungsagenturen sowie mit örtlichen Entscheidern aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung vor. Informationen und Anmeldeunterlagen zur Reise, die von Arndt G. Kirchhoff (Vorsitzender des BDI-Mittelstandsausschusses) geleitet wird, sind beim BDI direkt erhältlich

Anzeige
  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Editorial

Europawahl FSK 16

Eine gute Nachricht: In den vergangenen 20 Jahren ist in Deutschland die Wahlbeteiligung bei Europawahlen kontinuierlich gestiegen – von 43,0 % auf zuletzt knapp 64,8 %. Ich mag die Idee, auch jungen Menschen ab 16 eine politische Beteiligung in...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Editorial 01-02/2024

Projekt Demokratie

Viele Menschen gehen dieser Tage auf die Straße, weil sie rechten Hass und Populismus leid sind. Auch die Industrie ist sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. „Die Transformation als Jahrhundertprojekt“ ist der Titel eines Papiers, das...

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren