Wirtschaft + Unternehmen

Expansionskurs für die Wirtschaft

Die deutsche Wirtschaft bleibt auch in 2001 auf Expansionskurs. Der Aufschwung dürfte sich ¿ mit leicht verminderter Dynamik ¿ fortsetzen. Schubkraft erhält die Konjunktur weiterhin von den günstigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der verbesserten Wettbewerbsfähigkeit deutscher Anbieter. Die Exporte zeigen sich von der besten Seite. Gleichzeitig gewinnt die Binnenwirtschaft an Auftrieb. Die positive konjunkturelle Grundtendenz macht sich in Ansätzen auch am Arbeitsmarkt bemerkbar.

So erfreulich all dies ist, zur Selbstzufriedenheit besteht kein Anlass. Die weltwirtschaftlichen und hausgemachten Risiken haben sichtbar zugenommen. Wir sollten uns nicht auf die Dauerschwäche des Euro verlassen. Sie treibt die Preise nach oben und zwingt die EZB, ihre Zinszügel weiter zu straffen. Die Euro-Schwäche ist überdies ein ¿süßes Gift¿, das Wirtschaft und Politik dazu verleitet, sich auf dem Erreichten auszuruhen.
Neben der Reduzierung der Steuern muss jetzt endlich die immer wieder versprochene Absenkung der im internationalen Vergleich eindeutig zu hohen Lohnnebenkosten in Angriff genommen werden. Ohne durchgreifende strukturelle Reformen, vor allem der sozialen Sicherungssysteme und am Arbeitsmarkt, werden wir den Kampf gegen die weiterhin zu hohe Arbeitslosigkeit nicht gewinnen können. Leider sind die jüngsten Signale der Bundesregierung nicht ermutigend.
Die Rentenreformpläne greifen zu kurz. Die geplante Verschärfung der Mitbestimmung, einklagbare Rechte auf Teilzeitarbeit und die Einschränkungen bei befristeten Beschäftigungsverhältnissen sind angesichts der Verunsicherung in der deutschen Wirtschaft denkbar falsche Signale. Wir brauchen nicht mehr, sondern weniger Regulierung am Arbeitsmarkt. Denn die Ungleichgewichte am deutschen Arbeitsmarkt nehmen zu: Bedarf und Qualifikation klaffen immer weiter auseinander. Immer mehr Unternehmen klagen über akuten Fachkräftemangel und berichten von Behinderungen ihrer Geschäftstätigkeit. Wenn Wirtschafts- und Bildungspolitik hier nicht rasch und zielgerichtet gegensteuern, werden die Fehlentwicklungen am Arbeitsmarkt die Leistungsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft in den kommenden Jahren empfindlich beeinträchtigen. Die Chancen auf einen mittelfristig höheren Wachstumspfad dürfen nicht leichtfertig verspielt werden.
SCOPE hat in den 40 Jahren seines Bestehens seine Leser praxisnah über zentrale Themen aus Industrie und Technik informiert. Ich wünsche dem Jubilar für die Zukunft alles Gute und weiterhin eine glückliche Hand bei der Themenauswahl.


Anzeige
  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Editorial

Europawahl FSK 16

Eine gute Nachricht: In den vergangenen 20 Jahren ist in Deutschland die Wahlbeteiligung bei Europawahlen kontinuierlich gestiegen – von 43,0 % auf zuletzt knapp 64,8 %. Ich mag die Idee, auch jungen Menschen ab 16 eine politische Beteiligung in...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Editorial 01-02/2024

Projekt Demokratie

Viele Menschen gehen dieser Tage auf die Straße, weil sie rechten Hass und Populismus leid sind. Auch die Industrie ist sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. „Die Transformation als Jahrhundertprojekt“ ist der Titel eines Papiers, das...

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren