Wirtschaft + Unternehmen

Ein Schalter mit 20 Funktionen

Ganze Techniker-Generationen haben die elektrischen Schalter und Steckdosen für die Installation sowohl bei den Funktionen als auch bei der rationellen Fertigung bis zum letzten Quäntchen ausgequetscht ¿ sollte man meinen. Denkste! Mit einem völlig neuen universellen Multifunktionsschalter löst dieses Unternehmen ganze Serien konventioneller Schalter ab.

Bei den Geräten für die elektrische Installationstechnik durften eigentlich keine technischen Überraschungen mehr zu erwarten sein. Das war wenigstens meine Ansicht. Stecker und Schalter wurden nur noch vom Bestreben diktiert, die Fertigung noch automatischer, rationeller und kostengünstiger zu gestalten. Der Einsatz moderner Kunststoffe und Kontaktwerkstoffe, der Einzug der schraubenlosen Anschlusstechnik und natürlich das wechselnde Design der Abdeckungen bestimmten die Veränderungen in der Branche. Eigentlich ¿ wenigstens vom Standpunkt des Technikers aus gesehen ¿ eine ziemlich langweilige Angelegenheit. Doch kürzlich kam unverhofft Spannung ins Geschäft.

Meister darf ich tauschen?

Fünf Anläufe brauchte ein Elektroinstallateur bis er die richtigen Schalter für den Neubau von Klaus-Peter Noe endlich zusammen hatte. Das ist weder selten noch ein Rekord. Schon bei kleinen Änderungen in der gewünschten Installation ist oft eine ganze Liste anderer Schalter fällig. Schließlich gibt es für die Vielzahl möglicher Funktionen jeweils ein anderes Modell. Wer sich damit nicht täglich beschäftigt, dem genügt ein Blick in die Regale gut sortierter Baumärkte, um in der Vielfalt den Überblick zu verlieren. Zeit und Kosten aufwändiges Umtauschen gehört praktisch ¿ auch bei den Profis ¿ zum Geschäft, das bestätigten mir etliche Fachgroßhändler.

Für Klaus-Peter Noe, Geschäftsführer der N&L Elektrotechnik, ein unmöglicher Zustand. Ein neuer, universeller Schalter muss her, schoss es ihm durch den Kopf. Und dieser Kopf akzeptierte in der Vergangenheit schon oft kein ¿unmöglich¿. Schließlich ist Noe kein Unbekannter in der Branche. Jedes seiner neuen Produkte muss, so lautet sein ungeschriebenes Gesetz, den Kunden deutliche Vorteile, insbesondere Zeiteinsparung bieten.

Von der Idee zum Produkt

Vor inzwischen mehr als fünf Jahren erzählte er mir das erste mal von seinem Vorhaben, einen neuen universellen Schalter zu entwickeln. Jetzt liegt das Resultat auf dem Tisch und begeisterte die Kunden auf der Messe light + building in Frankfurt, zugegeben weniger den Wettbewerb. Lassen Sie sich das Bild dieses Schalters auf der Zunge zergehen. Denn neben der technischen Idee und seiner Umsetzung haben hier vor allem die Kunststoff-Formenbauer eine Meisterleistung vollbracht. Kein Wunder also, dass es so lange gedauert hat.

Zumal es ja in der Elektroinstallationstechnik bekanntlich nicht reicht, eine neue Idee technisch einwandfrei zu lösen. Die Wege bis zur Zulassung durch die ¿ nach meiner Ansicht ¿ manchmal ziemlich konservativen Normungsgremien und Prüfinstitute sind oft lang und zuweilen unerforschlich. Aber auch das ist jetzt geschafft. Auf dem neuen Universalschalter prangt unübersehbar das CE- und das VDE-Zeichen.

Ein multifunktionaler Schalter

Es hat vermutlich zunächst einige Zeit gebraucht, möglichst viele benötigte Funktionen aufzulisten, die sich tunlichst mit einem Schalter realisieren lassen sollten. Daraus ergaben sich dann, wie ich vermute, einige wichtige Basisfunktionen. So besteht der Schalter aus zwei Schalteinheiten, die sich sowohl einzeln als auch zusammen betätigen lassen. Das bietet zusammen mit der Kontaktbestückung bereits eine ganze Latte an Funktionen. Durch einen kleinen Schiebeschalter lassen sich die Eingänge beider Seiten ohne Brücke Zeit sparend auf eine Klemme legen. Die verdoppelt sich durch die Möglichkeit, durch Umlegen jeweils einer Feder beide Seiten einzeln vom Schalter zum Taster umzustellen. Eine integrierte Beleuchtungseinheit, die sich auf einzelne Kontakte schalten lässt, bietet weitere interessante Anwendungen. Auf dieser Basis entstanden dann letztendlich zwanzig Grundfunktionen, die die meisten Schalterfunktionen in einer modernen Gebäudeinstallation abdecken. Selbstverständlich passen diese Schaltermodule sowohl in Unterputz- wie in Aufputzdosen.

Die dargestellten Funktionsschaltbilder zeigen ihnen einige Kombinationen, die sich in dieser Form bisher mit konventionellen Schaltern überhaupt nicht realisieren ließen. Die gleichen unmissverständlichen Schaltbilder führen den Installateur in einem kleinen mitgeliefertem Heftchen durch die unterschiedlichen Einstellungs- und Anschlussmöglichkeiten.

Müssen Steckdosen so sein?

Bei dieser Gelegenheit ließ Klaus-Peter Noe gleich noch die herkömmliche Steckdose unter die Lupe nehmen. Auch da, wie könnte es anders sein, wurden noch eine ganze Reihe an Verbesserungen integriert, die das Installieren erleichtern und vereinfachen. Schraubenlose Steckanschlüsse an zwei Seiten lassen sich einerseits Zeit sparend anschließen. Andererseits kann eine solche Steckdose problemlos in eine bestehende Leitung eingefügt beziehungsweise die Leitung durchgeschleift werden.

Durch die Möglichkeit, Zusatzelemente ¿ beispielsweise Überspannungsschutz ¿ anzustecken, entstand darüber hinaus ein ausgesprochen Zukunft sicheres Konzept, das künftig mit Funktionsmodulen ergänzt werden kann, die es heute noch gar nicht gibt.

Am Ende nur Gewinner

Es liegt auf der Hand, wie viele Möglichkeiten, Kosten zu sparen, sich hier für alle beteiligten Seiten ergeben. Das beginnt beim Installateur, der mit einem Schaltermodell für weitgehend alle Eventualitäten eines Auftrags gerüstet ist. Zeit aufwändiges Umtauschen entfällt hier also in Zukunft. Beim Händler reduziert sich die Typenvielfalt und damit der Verwaltungsaufwand bei Einkauf und Verkauf. Die erforderliche Lagerkapazität schrumpft ebenfalls ganz erheblich.

Sie sehen, es lohnt durchaus, sich nicht mit allen Ungereimtheiten im Tagesablauf abzufinden. Im günstigsten Fall entsteht daraus eine völlig neue, konkurrenzlose Produktlinie. Solche Ideen zu Ende zu führen, erfordert, um bei diesem Beispiel zu bleiben, naturgemäß sehr viel Mut und Weitsicht, wenn man die Fertigungseinrichtungen für ein vorhandenes, umfangreiches Schaltgeräteprogramm erstmal abschreiben und ein neues finanzieren muss.

Bernhard Siegmund / Juni 2000


Links: http://www.sologic.de

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