Wirtschaft + Unternehmen
Mit der Klemme verbunden
Nur wenigen Unternehmen gelingt es 100 Jahre alt zu werden und dabei als Familien- unternehmen selbständig zu bleiben. Mit innovativen Produktideen hat Wieland die elektrische Verbindungstechnik nachhaltig geprägt, sich große Märkte erschlossen und völlig neue Installationsphilosophien entwickelt.
Das elektrische Zeitalter hat begonnen und gebärt Tüftler und Erfinder. Der Ingenieur Friedrich H. („Fritz“) Wieland beschäftigt sich mit Energieverbrauch, Stromverlust und Verbindungstechnik. Er erhält erste Patente für eine Anzeigevorrichtung für Energieverbrauch und Stromverlust und gründet schließlich am 7. Oktober 1910 sein eigenes Unternehmen in Bamberg: Die „Elektrische Industriegesellschaft mit beschränkter Haftung“. Bis dahin hatte der erfindungsreiche Mann bereits viele Jahre als Elektroingenieur gearbeitet.
Friedrich H. Wieland steckte voller Ideen. Viele Patente konnte er sein Eigen nennen. Mit der so genannten Wieland-Klemme legte er den Grundstein für den Erfolg seines Familienunternehmens. Binnen weniger Jahre hatte sich die Schlitzklemme mit geteiltem Isoliermantel aus Porzellan und eingearbeiteter Spannkappe millionenfach verkauft. Diese Ausführung übertraf alle bisherigen Produkte und wurde als Patent offiziell zugelassen. Nach und nach wurde die Klemme zum Bestandteil einer ganzen Reihe von Abzweigvorrichtungen. Man setzte sie auf Abzweigdosen oder gestaffelte Abzweigsockel auf und entwarf Hauptleitungs-Abzweigkästen mit Zwei-, Drei- und Vierleiter-Abzweigungen. Als Isoliermaterial wurde neben technischer Keramik auch der seinerzeit neu entwickelte Kunststoff Bakelit verwendet.
Nach dem zweiten Weltkrieg kommen Reihenklemmen auf den Markt. Sie gehören neben Leiterplattenklemmen bis heute zum Kerngeschäft des Unternehmens und stehen in allen gängigen Anschlusstechniken für unterschiedliche Anwendungen zur Verfügung.
Schneller Anschluss vor Ort...
Im Wirtschaftswunderland der 1960er Jahre knüpft das Unternehmen mit den in Bamberg produzierten Spezialklemmen für Haushaltsgeräte mit seinem Erfolg an den wachsenden Konsum an. Wer einen Elektroherd von Siemens oder einen Kühlschrank von Viessmann kauft, erwirbt damit auch Produkte der „F. Wieland Elektrische Industrie GmbH Bamberg“.
Das Unternehmen entwickelt Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre vorkonfektionierte Anschlussleisten für die Weiße und die Rote Ware, wie die Haushalts- und Heizungsgeräte genannt werden, und führt damit eine neue Anschlusstechnik ein. Sowohl die Fertigung als auch der Anschluss vor Ort können nun sehr viel schneller und sicherer erfolgen. Als sich auch im Baugewerbe die industrielle Bauweise immer mehr durchsetzt, wird das Steckprinzip für eine effektivere Gebäudeinstallation genutzt. Ab 1977 entsteht nach und nach ein System, das speziell auf die steckbare Elektroinstallation in Büro- und Zweckgebäuden ausgelegt ist. Gesis ist geboren und mit ihm eine völlig neue Installationsphilosophie: Kabel und Komponenten werden industriell vorkonfektioniert und geprüft und zum Installationstermin raum- und etagenweise verpackt auf die Baustelle geliefert. Steckbare Kontakte ersetzen das aufwändige Abisolieren und Anklemmen von Elektrokabeln vor Ort, das nur von Fachkräften erledigt werden darf. Bis zu 70 Prozent der Installationszeit und bis zu 30 Prozent der Kosten lassen sich mit vorkonfektionierten Bauteilen sparen. Heute besteht diese Produktfamilie aus mehreren tausend Komponenten für die Gebäudeinstallation und -automation sowie für den Möbel- und Ladenbau. Die Gesis-Steckverbinder sind stecksicher kodiert, schnell verlegt und rasch angeschlossen.
Seit über 30 Jahren ist das Familienunternehmen mit dem System Gesis Marktführer. Weltweit wurden auf diese Weise viele namhafte Gebäude installiert. Prominente Beispiele dafür sind die Petrona Twin Towers in Kuala Lumpur, der Post-Tower in Bonn sowie unzählige Büro- und Zweckgebäude in Europa und vielen Ländern auf der ganzen Welt.
Die Produkte aus Bamberg setzen in der Welt der steckbaren Verbindungstechnik markante Akzente: Jüngstes Beispiel ist die Linect-Anschlusstechnik für Leuchten.
Der im Jahr 2005 entwickelte, unternehmenseigene Anschluss für Einbauleuchten wurde zu einem branchenweiten Standard weiterentwickelt und steht ab 2010 als einheitliche Anschlussklemme allen gängigen Stecksystemen zur Verfügung. Namhafte Leuchtenhersteller sowie viele Bauherren, Planer und Installateure nutzen die Vorteile, von der vereinfachten Ausschreibung bis hin zur sicheren und schnelleren Installation von Standardleuchten.
...und auf der ganzen Welt
Seit den 1980er Jahren hat das Unternehmen sein Produktportfolio mit Automatisierungskomponenten kontinuierlich erweitert. Zum traditionell großen Programm an Reihen- und Leiterplattenklemmen sowie Industriesteckverbindern gehören seitdem I/O-Bausteine, Stromversorgungen und Überspannungsschutzgeräte, ein sehr großes Sortiment an Schalt- und Sicherheitsrelais, modular aufgebaute Safety-Steuerungen, ein besonders robustes Automatisierungs- und I/O-System sowie spezielle Steckverbinder für Industrieanlagen, Außenbereiche, Photovoltaikanlagen und vieles mehr.
Doch Wieland ist mehr als nur Produktlieferant. Zu den Stärken des Unternehmens zählen die Kundennähe über ein weltweit dicht ausgebautes Vertriebsnetz und ein spezieller Vertriebsservice. Dabei erarbeiten Ingenieure und technische Mitarbeiter gemeinsam mit den Kunden Lösungen und begleiten sie durch alle Projektphasen.
Heute beschäftigt das international tätige Unternehmen circa 2000 Mitarbeiter weltweit, davon arbeiten etwa 800 im Stammhaus in Bamberg. Wieland erwirtschaftete 2009 einen Umsatz von circa 176 Millionen Euro. Das Unternehmen ist nach EN ISO 9001:2008 zertifiziert. Und es entwickelt und produziert gemäß einem EG-auditierten Umweltmanagmentsystem. ee








