5-Achs-Bearbeitungszentrum
"Wir sind unser kritischster Kunde"
Den kleinsten Werkstätten stellen die Haas-Maschinen eine hohe Produktivität zur Verfügung. Jüngstes Modell in diesem Marktsegment ist die UMC 750. In wirklich alle Industriezweige wird die überaus günstige Maschine verkauft, betont Alain Reynvoet, Geschäftsführer von Haas Automation Europe. Darüber hinaus erfuhr SCOPE-Chefredakteur Hajo Stotz, in welcher Größenordnung der Marktanteil der Dreh- und Vertikalmaschinen des Unternehmens in Europa gewachsen ist.
SCOPE: Herr Reynvoet, Sie sind seit Mitte 2011 neuer Europageschäftsführer von Haas Automation. Wie lief das vergangene Jahr für Haas in Europa?
Reynvoet: Sehr gut. Im Vergleich zu 2011 haben wir 2012 in Europa 15 Prozent mehr Maschinen verkauft. Und für dieses Jahr erwarten wir ein ähnliches Wachstum.
SCOPE: Da der Markt selbst nicht um 15 Prozent gewachsen ist bzw. weiter wächst, müssen Sie anderen Anbietern Marktanteile abnehmen?
Reynvoet: Das ist richtig. Die Wirtschaft in Europa wächst nicht in diesem Maße, aber wir werden dieses Ziel erreichen und diese Anteile durch Verdrängung gewinnen. In den USA ist uns das bereits gelungen. Dort haben wir heute bei den Werkzeugmaschinen, je nach Region, einen Marktanteil von bis zu 75 Prozent erreicht und sind die unangefochtene Nummer Eins.
SCOPE: Gilt das auch für Drehmaschinen?
Reynvoet: Die genannten Anteile gelten für Vertikalmaschinen. Bei Drehmaschinen liegt unser Anteil in den USA zwischen 20 und 45 Prozent.
SCOPE: Wie sieht die Aufteilung von Vertikal- und Drehmaschinen bei Haas in Europa aus?
Reynvoet: In Europa, Asien oder Amerika ist die Verteilung eigentlich ähnlich: Zu 60 bis 65 Prozent verkaufen wir vertikale Bearbeitungszentren, um die 30 Prozent unserer Verkäufe sind Drehmaschinen und 3 bis 5 Prozent sind Horizontalmaschinen.
SCOPE: Und mit welcher Strategie wollen Sie in Europa stärker als der Markt wachsen?
Reynvoet: Dazu verfolgen wir eine 3-Punkte-Strategie: Wachstum durch neue Maschinen, Wachstum durch besseren Service und Wachstum durch neue Märkte. Beispielsweise wollen wir im Drehmaschinenmarkt unsere Anteile ausbauen.
SCOPE: Auf der AMB 2012 haben Sie das Bearbeitungszentrum UMC 750 vorgestellt. Wie kam diese Maschine im Markt an?
Reynvoet: Unsere UMC 750 ist der zweite Grund, warum ich an unser Wachstum glaube. Von der 5-Achs-CNC haben wir seit der Vorstellung bereits über 100 Stück verkauft, das ist wirklich bemerkenswert. Diese Maschine bietet zu einem sehr guten Preis eine hohe Leistungsfähigkeit und Funktionalität.
SCOPE: Was kostet die Maschine denn?
Reynvoet: Wir bieten sie ab 99.999 Euro an.
SCOPE: Aber ist das wirklich eine echte 5-Achs-Maschine? Im Markt ist vom Wettbewerb zu hören, dass sie kein echtes 5-Achs-Fräsen beherrscht.
Reynvoet: Das ist eine echte 5-Achsen-Maschine. Wir haben sie zwar anfangs präsentiert als eine 3+2-Achsen-Maschine, weil sie zum Positionieren der Drehtechnik keine Hochgeschwindigkeit bietet und wir sie deshalb nicht mit einer Hermle, zum Beispiel, vergleichen wollen. Zunächst dachten wir auch, dass man für etliche 5-Achs-Anwendungen diese hohe Geschwindigkeit benötigt. Doch heute wissen wir, dass unsere Kunden selten 5-Achs-Simultan-Fräs-Anwendungen haben, die meisten benötigen nur die Positionierung. Für 99 Prozent unserer Kunden reichen daher die Funktionalitäten der UMC 750 mehr als aus. Und wenn der Wettbewerb behauptet, dass das keine echte 5-Achs-Maschine ist: Vergleichbare Bearbeitungszentren anderer Anbieter sind deutlich teurer und bieten auf keinen Fall mehr Funktionalitäten. Das zeigen wir gerne jedem Interessenten!
SCOPE: Wer sind denn die typischen Interessenten?
Reynvoet: Für kleine Unternehmen, für kleine Zulieferer ist das genau die richtige Maschine – ab 100.000 Euro, mit allen Optionen für 130.000 Euro, können sie Teile fertigen, für deren Herstellung sie bisher eine wesentlich teurere Maschine kaufen mussten.
SCOPE: In welche Branchen haben Sie die Maschine denn bisher verkauft?
Reynvoet: In alle, wirklich alle. Ich habe extra nochmal unsere Kundenliste durchgesehen – das geht querbeet: Medizinbereich, Automotiv, Allgemeiner Maschinenbau, Flugzeugindustrie, Schweizer Uhrenindustrie, selbst zu Schulungszwecken an Universitäten.
SCOPE: Wird die Maschine in Kalifornien gebaut?
Reynvoet: Ja, wie alle Haas-Maschinen wird auch die UMC 750 fast komplett an unserem Hauptsitz in Oxnard produziert. Einige Komponenten kaufen wir zu, wie zum Beispiel die Kugelspindel. Die wird hier in Deutschland bei Steinmeyer gefertigt. Auch die Gußteile kaufen wir zu, die werden jedoch bei uns bearbeitet. Aber ansonsten bauen wir alles in Oxnard: die Spindel, die Steuerung, das Blech, alle Einzelteile und Komponenten. Für die Fertigung der Teile nutzen wir natürlich unsere eigenen Maschinen und lernen so ständig dazu. Wir sind unser kritischster Kunde und wissen, wie das ist, wenn eine Maschine nicht richtig funktioniert oder Ersatzteile fehlen. Neben den Innovationen sind daher Qualität und Service wichtige Punkte, an deren Verbesserung wir ständig arbeiten, damit die Kunden zufrieden sind.
SCOPE: Als dritten Strategiepunkt sprachen Sie von neuen Märkten – welche sind da für Sie besonders interessant?
Reynvoet: Wir sehen Länder wie Schweden, Tschechien, Rumänien, Polen oder Bulgarien an Bedeutung gewinnen. Dort verkaufen wir inzwischen weit mehr Maschinen als in Westeuropa, bis auf Deutschland. Das ist für Haas noch immer einer der wichtigen Märkte in Europa.









