Automatisierungslösung

Marvin Meyke,

Mehr Variation beim unbemannten Fräsen

Der niederländische Fertigungsbetrieb Edumar Metaalbewerking gestaltet seine Automatisierung flexibler. Auf dem Weg zu einer noch flexibleren mannlosen Fertigung kommt nun eine Verbundlösung des Automationsspezialisten BMO und der Hedelius Maschinenfabrik zum Einsatz.

© BMO Automation

Edumar Metaalbewerking ist der Pilotkunde für die neue Infinity-Plattform von BMO Automation. Knapp ein Jahr nach der Installation des ersten Moduls für das Palettenhandling in der Fabrik wurde die Zelle um Produkthandling erweitert und mit einer zweiten CNC Maschine gekoppelt. Die Infinity-Plattform ist eine flexible Automatisierungsplattform, die mit dem Zerspanungsunternehmen wächst und an die betrieblichen Entscheidungen angepasst werden kann. Vor kurzem wurde die Infinity-Plattform mit dem Technishow Innovation Award ausgezeichnet.

Know-how an Kunden weitergeben

Edumar Metaalbewerking beschreibt sich selbst als ein sozial verantwortungsbewusstes Unternehmen, das nicht nur für seine Kunden arbeitet, sondern mit seinen Kunden zusammenarbeitet. Dies ist wohl darauf zurückzuführen, dass beiden Gründer und Inhaber, Eduard und Marius Wijlaars, auf einen Werdegang bei Philips zurückblicken können. „Wir möchten unsere eigenen Erfahrungen gerne an unsere Kunden weitergeben und ihnen zeigen, wie sie die Herstellung ihrer Werkstücke noch weiter optimieren können“, erläutert Eudard Wijlaars. 

Langjährige Erfahrung mit Robotikzellen

Ihren ersten Roboter kauften die beiden Brüder bereits im Jahr 2006. „Drei Wochen lang war ich damit zufrieden, danach nicht mehr“, erinnert sich Eduard Wijlaars an die Anfänge der automatischen Beladung einer CNC Maschine. Die Fräsmaschine hatte die Produkte auf den 12 Paletten innerhalb von zwei Stunden abgearbeitet. „Ich bin von zu Hause aus wieder in die Firma zurückgefahren, um neue Werkstücke aufzuspannen. Deshalb war ich nach diesen wenigen Wochen schon nicht mehr ganz so glücklich mit dieser Lösung.” Innerhalb eines Jahres wurde ein Roboter mit 30 Palettenpositionen angeschafft. Und 2012 kaufte Edumar die erste BMO-Roboteranlage. Heute sind bei Edumar mehrere Roboterzellen von BMO Automation im Einsatz. „Die Vertragsprodukte stellen wir an den Wochenenden und über Nacht her, damit sie nicht mit anderen Aufträgen kollidieren. Über Nacht und an den Wochenenden laufen unsere Maschinen immer. Wir verarbeiten immer mehr kleine Stückzahlen in großer Vielfalt, also so genanntes ‚low volume high mix‘. Noch vor ein paar Jahren haben wir uns nicht getraut, Einzelstücke auf einer solchen automatischen Maschine zu bearbeiten - heute schon.”

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Gesucht: Eine flexible Lösung für die Automatisierung

Anfang 2022 erhielt Edumar einen Großauftrag zum Fräsen von Aluminiumplatten für eine Produktionshalle in der Halbleiterindustrie. Es ging um eine große Stückzahl in einer Größe von mehr als 600 mm im Quadrat. Aufgrund ihrer Größe und waren sie daher nicht für den Einsatz in der Titanium-Zelle von BMO geeignet. Den beiden Brüdern war klar, dass für einen Auftrag dieser Größenordnung eine Automatisierung erforderlich war. Eduard Wijlaars: „Frank Biemans versprach, eine Lösung zu finden. Wir wollten aber nicht nur die großen Platten laden, sondern später in der neuen Zelle auch kleinere Bauteile unbemannt fräsen können.“ Ein paar Monate später war der Lieferant Pilotkunde für die neue Infinity-Plattform von BMO Automation, die auf der EMO 2023 international vorgestellt wurde. Die Zelle zeichnet sich durch ihren modularen Aufbau aus. Es können problemlos weitere Lagermodule hinzugefügt werden. Die Höhe der standardisierten Träger für Produkte und sogar Werkzeuge, wie Schraubstöcke, ist einstellbar. Diese dynamische Lagerung wird mit intelligenten Algorithmen gesteuert: In den Infinity-Lagermodulen kann die Höhe für die Träger in Schritten von 5 cm angepasst werden, und dies geschieht vollautomatisch anhand der gemessenen Höhe während der Zuführung durch den Bediener. Auf diese Weise passen sich die Lagermodule dynamisch an die nachts oder am Wochenende zu bearbeitenden Aufträge an. „Dadurch wird es für uns noch einfacher, Produkte in großer Vielfalt unbemannt herzustellen“, fasst Eduard Wijlaars die Vorteile zusammen.

Stillstandszeiten reduzieren

BMO Automation steuert die Produktion in der Zelle über seine eigene Job Management Software. Mit der Option Tool Life Management bewertet die Software anhand der Betriebsstunden automatisch, ob die Standzeit für die geplante Produktion noch ausreicht. Ist dies nicht der Fall, wird der Bediener während der Einrichtung automatisch gewarnt. Die Software meldet auch, wenn ein bestimmter Schraubstock fehlt. „Je kleiner die zu fräsenden Batches sind, desto wichtiger ist diese Tool Life Management Software“, so Eduard Wijlaars. „Menschen machen Fehler, Software nicht. Sie hilft, den Stillstand von Maschinen zu vermeiden. Wenn die Bediener die gesamte Liste abgehakt haben, können sie die Maschinen mit gutem Gefühl einschalten.“ Eduard Wijlaars staunt immer noch, wie einfach die Software zu bedienen ist. Für ihn ist dies jedoch eine unabdingbare Voraussetzung. „Für den Bediener sollte die Software so einfach wie möglich sein. Er möchte nicht unbedingt 9 Achsen programmieren oder einen Roboter mit einem Teach-Panel programmieren.” Eduard Wijlaars will dabei jedoch keinesfalls den Eindruck erwecken, dass Bediener nichts anderes tun als Tasten zu drücken. Im Gegenteil: Er und sein Bruder fordern ihre Mitarbeiter ständig heraus. Sie investieren viel in Weiterbildung und Schulung. Außerdem erstellen sie alle mit hyperiMill ihre eigenen Programme. Die Auszubildenden der Stufe 3 (berufliche Fachausbildung) lernen bereits, mit dieser CADCAM-Software zu arbeiten. „Wenn man sein eigenes Programm erstellt, erkennt man seine Fehler und lernt daraus. Die Jungs denken jetzt viel mehr darüber nach, wie man Werkstücke am besten fräst und wie man die Produktion richtig einrichtet.“

Die Infinity-Plattform kann problemlos für die Bedienung von mehr als zwei CNC Maschinen eingerichtet werden. Bei Edumar belässt man es bewusst bei zwei CNC Maschinen, der Forte 65 und der Acura 85. Laut Eduard Wijlaars ist dies effizient genug. „Nachts kann immer etwas schief gehen, und dann stehen vier Maschinen still, wenn man eine Linie mit vier CNC Maschinen hat. Wenn man die Kosten des Roboters gegen die einer Maschine abwägt, ist eine Zelle mit zwei CNC Maschinen eine gute Lösung, vor allem, wenn wir bald mit dem AMR arbeiten.“ Sobald die neue Halle fertig ist, wird dort ein großes Regal für die Lagerung stehen und davor ein Roboter, der den AMR beladen wird, um die Infinity Plattform automatisch mit Materialien, Werkstücken und bald auch mit Werkzeugen zu versorgen. Dadurch wird die Produktion noch flexibler, und Edumar müsste bei Wiederholaufträgen im Prinzip weniger Lagerbestände an Schnellläufern vorhalten. Eduard Wijlaars hat dies jedoch nicht vor. „In ruhigen Wochen produzieren wir auf Vorrat. Wenn die Nachfrage anzieht, können wir aus diesem Bestand liefern und haben dann mehr Zeit für Eilaufträge. Wir sind dann flexibler.“

Spindeleffizienz ein wichtiges Kriterium

Für ihn ist die Spindeleffizienz zwar nicht ausschlaggebend, aber die flexible Automatisierungslösung von BMO Automation trägt dazu bei, die Spindeleffizienz hoch zu halten. Um dies zu veranschaulichen, verweist er auf einen konkreten Auftrag, bei dem die 3-Achsen-Maschine Streifen bearbeitet. „Hierfür haben wir eine Form hergestellt, in die 12 Streifen passen. Er befindet sich an einer festen Position in der Infinity-Zelle. Wenn wir nachts eine Stunde Zeit haben, fräsen wir diese 12 Streifen.“

Mit einer Lösung wie der Infinity-Plattform ist die Automatisierung nicht starr, sondern außerordentlich flexibel. Genau das, was Fertigungsunternehmen brauchen, um gut auf die sich ändernde Nachfrage reagieren zu können. „Wir halten unsere Mitarbeiter nicht dazu an, härter zu arbeiten, sondern motivieren sie eher dazu, intelligenter zu arbeiten. Am liebsten hätte ich faule Leute, denn die lassen die Maschinen und den Roboter die Arbeit tun“, lacht der Metallunternehmer aus den Niederlande. Als faul kann man sein 40-köpfiges Team angesichts der stetigen Steigerung der Produktion ganz sicher nicht bezeichnen. Als klug aber schon.

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