Brandsichere Kabel
Sicher im Bus unterwegs
Gute Zeiten für die Busindustrie, denn die Nachfrage nach modernen Stadt-, Überland- und Fernbussen wächst. Parallel steigen auch die Anforderungen an Ausrüstung, Komfort und Sicherheit. Deshalb müssen Leitungen in Omnibussen auch immer mehr Daten übertragen, zum Beispiel für den Ticketautomaten, die Fahrzielanzeige, die Überwachungskamera oder für das Entertainement-System in den Fernbussen. Kabel, die im Fahrgastraum von Bussen verlegt werden, unterliegen heute ganz besonders hohen Brandschutz-Anforderungen, die in der neuen EU-Norm ECE-R 118.01 geregelt sind.
Normalerweise sind Kabel, die besondere Brandschutzanforderungen erfüllen müssen, aus Polyvinylchlorid (PVC). Sie enthalten Halogene als Brandhemmer, also beispielsweise Fluor, Chlor und Brom. Diese Additive verhindern das schnelle Abbrennen des Kabelmantels und begünstigen das Verlöschen des Brands am Kabel. Das Problem dabei: Bei einem Feuer kommt es bei diesem Mantelmaterial zu starker Rauchentwicklung und es werden Halogene ausgegast. Kommt Chlorgas mit Wasser in Verbindung, entsteht Chlorwasserstoff (Salzsäure), außerdem bilden sich Säuren wie Fluorwasserstoff (Flusssäure) und Bromwasserstoff sowie das giftige Dioxin. Werden sie eingeatmet, verätzen diese Säuren die Atemwege und können schlimmstenfalls zum Tod führen. In Bussen sind deshalb PVC-Kabel im Fahrgastraum verboten.
Als Alternative zu PVC setzt die Industrie auf Polyurethan (PUR). Das Material ist extrem beständig gegen Öl und viele Chemikalien und sehr widerstandsfähig gegen Abrieb und bei millionenfacher Bewegung etwa in Maschinen. Allerdings neigt es zur Hydrolyse, es nimmt also Wasser auf. Bei der Anwendung im Innenraum eines Busses fällt dies nicht ins Gewicht. Bedenklicher ist, dass PUR schlechtere Brandeigenschaften als PVC hat. Den Ingenieuren der Lapp Gruppe ist es in dreijähriger Entwicklungszeit gelungen, das Brandverhalten von PUR auf das Niveau von PVC zu heben. Sie entwickelten eine PUR-Rezeptur mit Additiven, die keinerlei Gesundheitsgefahr darstellen, auch wenn sie bei einem Brand in die Luft gelangen sollten. Diese Additive enthalten keine Halogene, wie auch PUR-Kabel generell halogenfrei sind. Daraus ist das Etherline Heat 6722 entstanden, das ein leistungsfähiges und brandsicheres Kabel ist und die neue EU-Norm erfüllt. Dieses Kabel wird beispielsweise in Bussen des Unternehmens Evo Bus, einem Tochterunternehmen der Daimler AG, eingesetzt. Evo Bus ist führender Full-Line-Anbieter sowohl im europäischen Omnibusmarkt als auch weltweit. Die ersten Busse mit Etherline Heat 6722 waren für eine europäische Hauptstadt bestimmt, die 100 Fahrzeuge bei Evo Bus geordert hatte. Das brandsichere Kabel gibt es in den drei Varianten Cat5e, Cat6A und Cat7. Die Leitungen können damit Übertragungsleistungen von einem Gigabit pro Sekunde bis zu zehn Gigabit pro Sekunde schaffen. Den Unterschied beim Cat7-Kabel macht die Übertragungsfrequenz, die 1.000 Megahertz beträgt, was Vorteile gegenüber dem Cat6A-Kabel (500 Megahertz) bietet, wenn es in Folge von Störungen zu Informationsverlusten kommt und einzelne Datenpakete erneut gesendet werden müssen. Die Kabel enthalten vier Aderpaare, über die jeweils ein Viertel der Daten übertragen wird, beim Cat6A- und Cat7-Kabel also 2,5 Gigabit pro Sekunde pro Aderpaar.

Familienfreundliche Personalpolitik
Lapp gewinnt im Wettbewerb „Erfolgsfaktor Familie 2016“
Der Stuttgarter Kabelhersteller U.I. Lapp hat beim Unternehmenswettbewerb „Erfolgsfaktor Familie 2016“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in der Kategorie mittlere Unternehmen gewonnen. Inhaber Andreas Lapp nahm die Auszeichnung am 28. Juni in Berlin entgegen.
Strenge Flammtests
Durch den Mantel aus Spezial-PUR erfüllt das brandsichere Kabel die neue Norm ECE-R 118.01 der Economic Commission for Europe (ECE). Sie trat Ende 2015 in Kraft und regelt die Anforderungen an den Brandschutz von Kabeln im Fahrgastraum von Bussen. Die Norm schreibt insbesondere strenge Flammtests vor: Dabei wird eine Flamme an die Mitte eines 50 Zentimeter langen Kabelstücks gehalten und nach 15 bis 30 Sekunden wieder entfernt. Der Brand am Kabelmantel muss innerhalb von 70 Sekunden von selbst verlöschen, und die Flamme darf sich nicht weiter als zwanzig Zentimeter in jede Richtung ausbreiten. Ein nicht optimiertes PUR-Kabel würde diesen Test nicht bestehen, der Brand würde sich wie bei einer Zündschnur ausbreiten und könnte im Bus weitere Kabel und die Inneneinrichtung in Brand stecken.
Etherline Heat 6722 erfüllt außerdem die Klasse 3 der DIN ISO 6722, der wichtigsten Norm für Kabel in Automobilen. Für Klasse 3 muss das Kabel über lange Zeit einen Temperaturbereich von -40 bis +105 Grad Celsius aushalten (normal sind -20 bis +90 Grad), kurzfristig sogar +125 Grad. Wobei mit „kurzfristig“ 4.500 Stunden gemeint sind, also ein halbes Jahr. Im Schnitt werden in den Bussen jeweils rund 140 Meter der Etherline Heat 6722 installiert. Allerdings kann die Länge der Kabel variieren und auch deutlich größer werden, etwa bei Gelenkbussen oder wenn Reisebusse mit einem Entertainment-System ausgestattet werden. Lapp hat außerdem bereits Anfragen von Automobilzulieferern, die das Kabel für Prüfstände einsetzen wollen. ee










