Software
Zertifikate sind aussagekräftiger
Graeme Phillips, Autodesk Program Manager, EMEA KnowledgePoint
Der Fachkräftemangel stellt in Deutschland und Europa ein Problem dar. Nach der jüngsten Studie des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) aus dem Jahr 2011 gibt es in der Ingenieurbranche weiterhin Schwierigkeiten, die offenen Stellen zu besetzen. Im April 2011 herrschte laut den Berechnungen des VDI eine Lücke von 68.700 offenen Stellen, im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Anstieg von 124,5 Prozent. Diese Lage wird auch in den nächsten Jahren noch so bestehen bleiben. Um wirtschaftlich keine Nachteile zu erlangen, sind die Unternehmen aber dringend darauf angewiesen, die Stellen baldmöglichst zu besetzen. Viele führende Unternehmen bestätigen, dass der Fachkräftemangel für sie ein real existierendes Problem ist. „Die richtigen Menschen an uns zu binden“, beschrieb Trevor Garlick, Leiter der BP-Nordsee-Projekte, kürzlich als größte Hemmschwelle für das Wachstum von BP.
Der VDI rechnet damit, dass bis 2027 jährlich 40.000 Hochschulabsolventen benötigt werden um allein die altersbedingt ausscheidenden Fachkräfte zu ersetzen. Dem stehen durchschnittlich 37.000 Erstabsolventen von ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen gegenüber. Angesichts dieser Zahlen ist es kein Wunder, dass eine aktuell in Großbritannien durchgeführte Studie von OnePoll belegt, dass fast die Hälfte der befragten Konstrukteure den Fachkräftemangel in ihrer Branche als ernsthaftes Problem ansieht. Auftraggeber der Studie war der auf Weiterbildung und IT-Training spezialisierte Dienstleister und Distributor für das professionelle Zertifizierungsprogramm von Autodesk KnowledgePoint.
Mitarbeiter gesucht, die zu Organisation und Marke passen
Das Problem scheint weniger der allgemeine Fachkräftemangel zu sein als das Fehlen der richtigen Qualifikationen. Alternativ wird vorgeschlagen, das Problem weniger als Ausbildungs- oder Bildungsfrage, sondern eher als kulturelle Herausforderung zu betrachten, da die Unternehmen immer mehr nach Mitarbeitern suchen, die zum Ethos der Organisation und der Marke passen. In anderen Worten: Sie wollen Mitarbeiter, die sofort durchstarten können, statt Zeit zu brauchen, mit dem Unternehmen zusammenzuwachsen. Um nur einen Punkt zu nennen: Die Diskrepanz zwischen dem, was in der Schule und den Universitäten gelehrt wird und dem, was tatsächlich auf dem Arbeitsmarkt gefordert wird, scheint einer der Schlüsselfaktoren für die derzeitige Situation zu sein. Während einige Bildungseinrichtungen vorbildlich mit der Industrie und den Softwareentwicklern zusammenarbeiten, bleiben andere mit veralteten Kursen zurück. Das spiegelt sich auch in der OnePoll-Untersuchung wieder: Fast die Hälfte der Befragten war der Meinung, dass das aktuelle Bildungssystem die Situation verschlimmert, da den Schülern üblicherweise nicht die richtigen Fachkenntnisse vermittelt werden.
Die Maschinenbaubranche ist ein gutes Beispiel, bei dem die Diskrepanzen zwischen Lehrinhalten und aktuellen Ansichten deutlich werden, vor allem aufgrund der enormen Geschwindigkeit der Änderungen und des Fortschritts in diesem Sektor in den letzten Jahren. Die Digitalisierung brachte Veränderungen hinsichtlich der Entwurfskonzeption, Workflows, Tests und Analysen sowie der Vorgehensweise bei der Entwicklung von Prototypen. Sie machte komplexe aber oft mühsame Berechnungen und Abstimmungen überflüssig, die häufig die Arbeitsabläufe dominierten. Deshalb sind einst unerlässliche Methoden und Formeln nicht mehr länger notwendig. Natürlich ist es nicht falsch, diese traditionellen Arbeitsweisen zu lernen. Sie müssen jedoch durch aktuelle Qualifikationen ergänzt werden, damit ein Student seinem zukünftigen Arbeitgeber von Nutzen sein kann.
Vielleicht zeigt sich die Lösung in Form der ansteigenden Popularität der IT-Zertifizierung als Zeichen dafür, dass die Arbeitgeber ihr Konzept der Ausbildung ‚on-the-job‘ überdenken. Dieser Trend unterstreicht auch die Notwendigkeit eines weltweiten Standards, der den Arbeitgebern sicher zeigt, dass ein Bewerber für die Stelle geeignet ist.
Es ist offensichtlich, dass mehr Zertifizierungen die Lücke nicht schließen können. Dennoch bieten sie einen universellen Standard, um die Einheitlichkeit und Relevanz der Kenntnisse sicherzustellen. Indem Arbeitgeber nach den passenden Zertifikaten fragen und weniger nach einer Qualifizierung, die innerhalb eines Landes oder sogar weltweit nicht vereinheitlicht ist und wenig über das jeweilige Qualifikationsniveau aussagt, haben sie mehr Sicherheit bei der Einstellung.
Mit Hilfe der Zertifikate können sich auch gut ausgebildete Kandidaten aus dem Bewerberfeld herausheben. Die KnowledgePoint-Untersuchung zeigte, dass eine gute Mehrheit (59 Prozent) der Umfrageteilnehmer diese Bescheinigungen für wichtig hält. 51 Prozent sagten aus, dass sie daran interessiert seien, in Eigeninitiative ein Zertifikat zu erwerben. Das lässt darauf schließen, dass Personen immer mehr Selbstverantwortung für ihre Ausbildung übernehmen.
Enttäuschenderweise sagte nur die Hälfte aus, dass ihr Unternehmen sie dazu ermutige, diese Qualifikationen zu erlangen. In diesem Punkt liegt Westeuropa allerdings hinter dem Rest der Welt zurück. Die USA haben den größten Markt für Zertifikate weltweit, aber auch in den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) gibt es ein rapides Wachstum, genauso wie in Osteuropa, wo sich die Expansion des IT-Marktes in den letzten Jahren dramatisch beschleunigte. Deutschland, Großbritannien und die anderen europäischen Staaten müssen konsequenterweise darauf reagieren, da Zertifizierungen etwa bei Stellenausschreibungen wichtig werden.
Das vielleicht vielsagendste Urteil lässt sich fällen, wenn die Umfrageergebnisse nach dem Alter aufgeschlüsselt werden. Maßgebliche 71 Prozent der Befragten in der Altersgruppe von 35 bis 54 Jahren waren der Meinung, dass Zertifikate wichtig seien, im Vergleich zu 51 Prozent der 18- bis 24-jährigen. Ältere Ingenieure mit traditionellem Fachwissen haben gelernt, dass sich verändernde Arbeitsweisen Unvorbereitete schneller treffen. Mit Zertifikaten auf dem Laufenden zu bleiben, ist eine Möglichkeit, aktuelle Methoden zu lernen und die eigenen Fähigkeiten zu verbessern.
Knowledge Point GmbH, München Tel. 089/126686-0, http://www.knowledgepoint.de








