Volumenstromsensoren
Ultraschall-Durchflusssensoren für den Massenmarkt
Wie ein deutsches Traditionsunternehmen für Heiztechnik, ein Technologie-Start-Up und ein mittelständischer Chiphersteller einen kompakten und kostengünstigen Durchflusssensor auf Ultraschall-Basis für Gas-Wandgeräte realisierten.
Das Ultraschall-Prinzip bei Durchflusssensoren ist im Grunde nichts Neues, doch bisher war der Stückpreis zu hoch und die Geräte zu groß für den Einsatz in einem massentauglichen Gas-Wandgerät. Der Sensorentwickler und Hersteller Allengra konnte mit Hilfe des Chipherstellers Acam einen voll funktionsfähigen Sensor in kompaktem Design an Viessmann, einen bekannten Hersteller von Heiztechnik-Systemen, liefern. Viessmann ist damit der erste Hersteller von Gas-Wandgeräten, der einen Ultraschall-Durchflusssensor in eine seiner Gerätefamilien integriert hat.
Effizienzsteigerung der Heizungsanlage um bis zu 15 Prozent
Bei herkömmlichen Gas-Brennwertgeräten muss mit Hilfe eines Bypasses ein Kesselmindestvolumenstrom eingehalten werden, damit es bei einer plötzlichen Verringerung der Wärmeabnahme, und damit verbundenen Verringerung des Volumenstroms während der Brennerlaufzeit nicht zur Überhitzung der Geräte kommt. Wird weniger Wärme vom Heizsystem abgenommen als das Gerät gerade erzeugt, sorgt beim Premium Gas-Wandgerät von Viessmann, dem Vitodens 300-W, ein innovativer Regelalgorithmus zur dynamischen Anpassung und Optimierung der Brennerleistung und -laufzeit in Abhängigkeit des aktuellen Volumenstroms. Vorrichtungen wie effizienzmindernde Bypass- oder Überströmeinrichtungen sind deshalb beim Gas-Wandgerät nicht mehr notwendig. Im Gerät wird der Volumenstromsensor darüber hinaus für den innovativen automatisierten hydraulischen Abgleich der Heizungsanlage eingesetzt. Dabei werden in Verbindung mit der Software Vitosoft bzw. Vitoflow die einzelnen Heizkörper präzise vermessen und aufeinander eingestellt. Hierdurch wird gemäß Fachliteratur eine Effizienzsteigerung der gesamten Anlage um bis zu 15 Prozent erreicht.

Acam eröffnet Büro in China
Acam-Messelectronic hat mit Unterstützung der bw-i (Baden-Württemberg International) ein Büro im chinesischen Nanjing eröffnet. Zunächst wird hier ein Vertriebsmitarbeiter die Acam-Kunden vor Ort betreuen. Ein weiterer Mitarbeiter für die technische Unterstützung soll das "Affiliated Office" in den kommenden Wochen verstärken.
Die erste Skizze auf einer Serviette
Der Weg bis hierher war jedoch lang. Die Räder in der Industrie drehen sich zuweilen langsamer als ein Ingenieur sich das wünscht. Als Raul Junker im Jahr 2000 für einen namhaften deutschen Wasserzählerhersteller mit dem Chiphersteller Acam aus Karlsruhe-Stutensee in Kontakt tritt, versteht er schnell in welche Richtung der Wasserzählermarkt sich langfristig entwickeln muss. Die mechanische Wasserdurchflussmessung gehört zwar immer noch zu den am Meisten eingesetzten Zählerarten, doch die Ultraschall-Durchflussmessung bietet dem gegenüber sehr viele Vorteile. Einziger entscheidender Nachteil: Bisher waren die reinen Herstellungskosten der mechanischen Zähler nicht zu erreichen.
2005 macht sich Junker selbständig und beginnt den Aufbau der Firma Allengra, mit dem Ziel, eine preisgünstige Gegenvariante zum mechanischen Zähler zu entwickeln. Von der Hydraulik hat er bereits eine klare Vorstellung und zeichnet bei einem Treffen mit dem Acam-Geschäftsführer Andreas Larsch eine Skizze auf eine Serviette. Larsch ist von der Idee überzeugt und innerhalb von zwei Wochen stellen sie in einer ersten Zusammenarbeit einen funktionsfähigen Prototypen fertig.Bald interessiert sich ein deutscher Hersteller von Komponenten aus der Heizungsbranche für den Sensor und unterstützt Junker: “Man hat uns dort beigebracht, wie man den Volumenstromsensor ordentlich qualifiziert.”
Günstiger Preis und kompakten Bauweise
2010 spricht Viessmann Junker auf den Sensor an. Zu diesem Zeitpunkt war der Hersteller von Heiztechnik-Systemen auf der Suche nach einem geeigneten Volumenstromsensor für seine Premium Gas-Wandgeräte. Der oben genannte Komponentenhersteller hatte in diesem Zusammenhang bereits eines der qualifizierten Muster an das Unternehmen weitergegeben, welches dort erfolgreich getestet werden konnte. Nach ersten Gesprächen konnte eine gemeinsame Spezifikation erarbeitet werden. Junker stellte sich schließlich der schwierigen Herausforderung, den für Viessmann maßgeschneiderten Volumenstromsensor zu entwickeln. Erste Prototypen zeigen bereits vielversprechende Ergebnisse, der Weg zum Massenprodukt ist jedoch noch weit.
Die Motivation für den Hersteller von Heiztechnik-Systemen bestand dabei einerseits in dem günstigen Preis und andererseits in der kompakten Bauweise des Volumenstromsensors. Der GP2-Chip des Messelektronik-Spezialisten, der das Rechenherz des Sensors bildet, war einfach zu implementieren, somit konnte Allengra das Design und die Elektronik schnell zusammenbringen. Die Karlsruher als Chiphersteller haben die Entwicklung nach Kräften unterstützt.
Schon bald stellte sich die Frage, wo der neue Sensor produziert werden kann. Der Hersteller von Heiztechnik-Systemen nahm dazu gemeinsam mit Junker zu diversen namhaften europäischen Firmen Kontakt auf. Es wurde jedoch schnell deutlich, dass kein geeigneter Partner zu finden war, welcher gleichermaßen über das notwendige Fertigungs- und Prüf-Know-How verfügte und dazu kostengünstig produzieren konnte. „Also überredete Viessmann mich, meine eigene Firma auszubauen, die sich ganz auf die Herstellung und Weiterentwicklung des Sensors konzentrieren sollte. So wurde meine Firma zum Hersteller. Das Unternehmen stellte mir alles zur Verfügung, was ich zur Weiterentwicklung brauchte: Know-How, Labor-& Prüfkapazitäten, Material und moralische Unterstützung. Etwa alle vier Wochen fanden gemeinsame Projektbesprechungen statt, um den aktuellen Fortschritt und die nächsten Schritte zu besprechen. In dieser Zeit hat uns das Viessmann-Team auch maßgeblich bei der Entwicklung und Sicherung unserer Herstellungsmethoden unterstützt. Welches Unternehmen hätte so etwas schon riskiert? Zu diesem Zeitpunkt waren wir noch eine kleine Garagenfirma mit Zweitsitz in Rumänien”, so Junker.
Der schließlich fertig entwickelte Volumenstromsensor besetzt eine elementar wichtige Funktion im Gas-Wandgerät Vitodens 300-W. Von mechanischen Sensoren mit Flügel- oder Turbinenräder hatte der Hersteller zu Recht Abstand genommen. Die vielen Schwebstoffe und abrasiven Materialien im Wasserkreislauf beeinträchtigen die Arbeitsweise auf Dauer. Mit einem Durchflussmesser, der auf dem Ultraschall-Prinzip basiert, erreicht der Sensor eine größere Messdynamik von 5 Liter/H bis 2500Liter/H, und der entstehende Druckabfall fällt mit max. 35 mBar sehr niedrig aus. Ein Ultraschall-Durchflusssensor ist weniger empfindlich gegenüber Verschmutzung und insgesamt langzeitstabiler. Dazu schafft er ideale Voraussetzungen für technische Weiterentwicklungen.
Ein mutiger Schritt für ein Traditionsunternehmen
Mittlerweile hat Allengra über 100.000 Sensoren für Viessmann hergestellt. Junker dazu: „Durch die Erfahrung, die wir gewonnen haben, können wir jetzt in einem Preisbereich mitspielen, wo wir vor Jahren noch das 20- bis 30fache verlangen mussten.“ Aus einer kleinen Garagenfirma in Rumänien ist ein weiter wachsendes, 30-köpfiges Zulieferunternehmen geworden, das erfolgreich den hohen Anforderungen etablierter Konzerne gerecht wird und qualitativ hochwertige Produkte entwickelt und produziert. Junker fasst zusammen: „Unterm Strich lässt sich sagen, dass Viessmann für ein Traditionsunternehmen der Heiztechnik einen sehr mutigen Schritt gegangen ist. Man kann das getrost als Pionierarbeit bezeichnen. Und mit Acam hatten wir einen sehr flexiblen Partner, der mit uns gerne das Risiko eingegangen ist und den benötigen Chip sehr schnell zu Verfügung gestellt hat.“
Neue Einsatzmöglichkeiten für Ultraschall-Volumenstromsensoren
Mit dem Nachfolgechip der Karlsruher, dem GP30, wird eine neue Ära in der Ultraschall-Durchflussmessung anbrechen. Junker arbeitet bereits an einem neuen Sensor auf Basis des neuen Chips, der geeignet ist für sämtliche flüssige, wasserähnliche Medien mit oder ohne Zusätze. Auch wenn der Hauptmarkt weiterhin aus Wasser-Volumenstromsensoren besteht, so finden sich auch im industriellen Bereich viele Anwendungen wie die Solarthermie oder Kühlanlagen, die präzise und robuste Volumenstrommessungen benötigen. Genau hier können die Vorteile des neuen Chips voll ausgeschöpft werden. Durch die weitere Integration wesentlicher Funktionen, welche für die Ultraschall-Durchflussmessung notwendig sind, können diverse Elektronikbauteile und somit Kosten eingespart werden. Der wesentliche Vorteil dieser Ein-Chip-Lösung liegt jedoch in einer deutlichen Robustheits- und Genauigkeitssteigerung. Durch den Wegfall von Bauteilen (unter anderem auch die aktuell noch notwendigen D/A und A/D-Wandler) wird das Messrauschen reduziert sowie die EMV-Stabilität erhöht. Es eröffnen sich somit ganz neue Einsatzmöglichkeiten für Ultraschall-Volumenstromsensoren. Auch im aktuellen Einsatzbereich – der Heizungsbranche – ist aufgrund der durch den GP30 realisierbaren, nicht unerheblichen Kostenreduzierung des Sensors ein Trend für den Einsatz auch in Heizgeräten des mittleren Preissegments und damit eine klare Stückzahlsteigerung zu erwarten.
Acam Messelectronic
Die Firma mit Sitz in Stutensee bei Karlsruhe ist ein „Fabless Vendor“ mit speziellem Fokus auf ICs für die Messtechnik. Unter Verwendung standardisierter digitaler CMOS Technologien setzt die 25-köpfige Mannschaft der Geschäftsführer Augustin Braun und Andreas Larsch Kundenwünsche in applikationsspezifischen ICs bis hin zu System-on-Chips (SoCs) deutlich vereinfacht und risikoärmer um als vergleichbare Anbieter. Das Unternehmen wurde 1996 gegründet und erwirtschaftete 2013 einen Umsatz von 7,2 Millionen Euro. Aufgeteilt auf insgesamt fünf Produktgruppen bietet es hochinnovative Messtechniklösungen auf IC-Basis an. Eine der Hauptlinien des Spezialisten sind ICs für die Ultraschall-Durchflussmesstechnik. Hier ist Acam Weltmarktführer mit einem Marktanteil von ca. 35%. Die ICs entwickelt das Unternehmen seit Firmengründung, heute werden von sie führenden Wärmemengen- und Wasserzählerherstellern eingesetzt. Vier weitere Produktgruppen (TDC, Picostrain, Pico Cap, Pico Turn) versorgen jeweils ihre Anwendungen mit optimalen Lösungen für präzises, stromsparendes und effektives Messen und Auswerten. Viele der Produkte sind System-on-Chip Lösungen mit benutzerprogrammierbaren Mikroprozessoren und NVMs.












