Interview mit Helmut Schmid

Annina Schopen,

Früh den Wurm fangen

Helmut Schmid hat Universal Robots vom Start-up zum Marktführer entwickelt. Nun bietet er mit HS Auxsilium Beratung für Start-ups an. Im Interview spricht Schmid über Herausforderungen bei Neugründungen, Digitalisierung als mögliche Gewinnerin der Krise und das Potenzial von Automatisierung in der Montage.

Helmut Schmid bietet mit Auxsilium Beratung und Dienstleistungen für Start-ups an. © Auxsilium

Herr Schmid, Sie haben in der Corona-Krise ein neues Unternehmen gegründet – ein mutiger Schritt, was hat Sie dazu bewogen?
Eine Krise bietet immer auch Chancen und Möglichkeiten, auch wenn man sagen muss, dass dies nun vielleicht nicht der optimale Zeitpunkt für eine Neugründung sein mag. Aber genau jetzt stehen viele Unternehmen und insbesondere Start-ups am Scheideweg. Wie weiter? Und genau hier will ich ansetzen.

HS Auxsilium bietet Unternehmensberatung für Start-ups an, was genau können wir uns darunter vorstellen?
Mit Universal Robots habe ich ein Start-up zum Markt- und Branchenführer entwickelt. Diese Erfahrungen, mit einer guten Go-to-market-Strategie ein Geschäft zu starten, zu entwickeln, neue Partner zu finden, Vertriebskanäle zu evaluieren, neue Marketing-Tools zu initiieren, aber vor allem mit meinem Netzwerk auch Türen zu öffnen für viele tolle Ideen, Anwendungen und Lösungen, werde ich einbringen und den Unternehmen anbieten.

„Der Bereich der Montage bietet die größten Möglichkeiten des Fortschritts.“

Uns interessiert in dieser Ausgabe der INDUSTRIAL Production besonders die Montage. Wo steht Deutschland technologisch aktuell in diesem Bereich?
Der Bereich der Montage ist generell ein sehr schwieriges Feld, da es sich oft um komplexe und schwer zu automatisierende, aber auch viele monotone Tätigkeiten handelt. Verlagerung in Low-Cost-Länder war und ist bis dato immer noch eine der ersten Lösungen gewesen. Daher befindet sich auch Deutschland hier technologisch noch am Anfang mit viel Potenzial nach oben.

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Wie definiert sich Fortschritt im Bereich der Montage: vollständige vernetzte Automatisierung? Intelligentere Mensch-Maschine-Kollaboration?
Der Bereich der Montage bietet die größten Möglichkeiten des Fortschritts, da sich nur etwa zehn Prozent der Tätigkeiten wirklich vollautomatisieren lassen, wir nach wie vor mit Fachkräftemangel zu kämpfen haben und Produktivitätssteigerungen im Fokus stehen. Gerade in der Montage wird eine intelligentere Mensch-Maschine-Kollaboration im Vordergrund stehen, um die besten Eigenschaften und Fähigkeiten von Mensch und Maschine zu kombinieren.

Was sind die Trends in der Montage mit Cobots, was sollten Gründer beachten?
Auch wenn der Einsatz von Cobots mittlerweile unkompliziert ist, liegt der Teufel meist im Detail. Gründer und Automatisierungsbeginner sollten mit einfachen, wiederholenden Aufgaben beginnen, um die Gesamtkosten für Risikobeurteilung, Applikation und Anwendung, aber auch bei möglichen Änderungen so gering wie möglich zu halten. Amortisationskosten und Invest sind und bleiben der Haupttreiber und Entscheider für die Automatisierung, insbesondere bei KMUs.

Welche Technologien werden aktuell in Unternehmen implementiert?
Da Kosten Hauptentscheider im Bereich der Montage sind, sind Low-Cost-Automatisierung mit Robotern, Einsatz von Linearachsen, aber auch modulare Zusammenstellung von Komponenten im Trend. Insbesondere hier sehe ich für die Zukunft noch ein enormes Potenzial, an dem viele Start-up-Unternehmen arbeiten, um die bestmöglichen und kostengünstigsten Lösungen für Montagetätigkeiten in Deutschland am Markt anzubieten. Re-shoring und Standortsicherheit in Deutschland wird damit untermauert und stärkt den deutschen Arbeitsmarkt für die Zukunft maßgeblich.

Gibt es bestimmte Industriesegmente, die gerade im Montagebereich einen technologischen Sprung nach vorn machen?
Ich denke, hier können alle Industriesegmente im Bereich der Montage profitieren. Bedingt durch Corona werden allerdings die gut laufenden Bereiche wie Logistik, Pharma- und Medizintechnik als erste einen Sprung nach vorn machen, zumal auch dies die Bereiche sind, die bis dato Automatisierung eher vernachlässigt haben und nun die Produktionskapazitäten und Produktivität teils enorm erhöhen müssen.

In der öffentlichen Diskussion wird die Corona-Pandemie oft als Treiber von Digitalisierung und Vernetzung gesehen. Wie sehen Sie das aus Ihrer Erfahrung?
Auch wenn zum jetzigen Zeitpunkt viele negative Schlagzeilen wie Jobabbau die Zeitungen füllen, ist vieles davon hausgemacht und nicht zwangsläufig auf die Corona-Pandemie zurückzuführen. Auch ich gehe davon aus, dass die Digitalisierung/Automatisierung und Robotik mögliche Gewinner nach der Krise sein werden. Es liegen den Partnern bereits viele Anfragen zu diesem Thema vor, jetzt muss nur noch die nicht kleine Hürde der Investitionen genommen werden, denn der frühe Vogel fängt den Wurm. Wer jetzt investiert, wird morgen zu den Gewinnern zählen.

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