Editorial
Iban die Schreckliche
Vor kurzem hat sich das Arbeitsamt bei mir gemeldet - genauer gesagt, die Abteilung Familienkasse. Für einen Kindergeldumstellungsantrag forderte sie meine Iban-Daten an. Ok, kein Problem, dachte ich. Das erste, was mir dazu aber auf der entsprechenden Web-Seite meiner Bank entgegensprang, war der Slogan: "Aus dieser Nummer kommen Sie nicht mehr raus". Mit diesem nicht sonderlich vertrauenerweckenden Versprechen wirbt die Sparkasse für das neue Zahlungsverfahren.
Die 22-stellige Iban und die internationale Bankleitzahl BIC sind Bestandteil des Sepa-Verfahrens, das eine europaweit einheitliche Zahlungsabwicklung schaffen soll. Bei Unternehmen, Behörden und Vereinen muss die Umstellung bis zum 1. Februar 2014 erfolgen, Privatpersonen haben Zeit bis 2016. Vorteil laut dem Bundesfinanzministerium sei, dass Zahlungen in der EU künftig kostengünstiger und schneller durchgeführt werden können. Von schneller konnte bei meinen ersten Iban-Schritten aber keine Rede sein: Die Monsternummer erwies sich als überaus abschreiberesistent - die fehlerlose Übertragung gelang mir erst im dritten Anlauf.
Doch besonders aufwendig ist die Umstellung für kleine und mittelständische Unternehmen. Und vor allem: für viele völlig nutzlos. Von den 18 Milliarden Überweisungen und Lastschriften, die in Deutschland pro Jahr anfallen, sind nicht mal vier Prozent grenzüberschreitend. Bei einer Umfrage des Forschungsinstituts ibi der Universität Regensburg unter rund 1.000 Unternehmen, Behörden und Vereinen antwortete rund die Hälfte, sich keine finanziellen Vorteile von Sepa zu versprechen. Elf Prozent der Befragten schätzten die Ersparnisse, die sich durch Sepa in den nächsten fünf Jahren für sie ergeben, auf unter 1000 Euro. Lediglich ein Prozent rechnet mit einer Ersparnis von mehr als einer Million Euro etwa durch ein besseres Cash-Management und niedrigere Bankgebühren.
Dafür müssen die Unternehmen Briefbögen neu drucken und die Sepa-Daten von Kunden und Lieferanten millionenfachen neu eintippen. Und der gesamte Lastschriftvorgang muss aufwändig umgestellt werden - wer zukünftig zum "Zahlungsempfänger" einer Lastschrift werden will, muss über die Bundesbank eine Gläubiger¿Identifikationsnummer beantragen. In Zeiten hochautomatisierter industrieller Prozesse - wie sie etwa wieder auf der kommenden SPS in Nürnberg zu sehen sind - erscheint dieser Umstellungsaufwand wie ein Relikt aus einem softwarelosen Jahrhundert: Statt Millionen von Unternehmen zu einer aufwändigen Umstellung zu zwingen, hätten die Banken doch die neuen Sepa-Daten als Dienstleitung bei jedem Zahlungsvorgang auch einfach "übersetzen" und mit übermitteln können.
Im Vergleich zu Malta können wir uns in Deutschland freilich noch glücklich schätzen: Dort sind die Iban-Nummern 31 Stellen lang.








