Interview

Andreas Mühlbauer,

Herausforderungen für die Mess- und Prüftechnik

Die Herausforderungen sind auch 2023 enorm für deutsche Unternehmen. Welche Konsequenzen sich daraus für die Prüftechnik ableiten und welche Chancen sich bieten, erläutert Wolfgang Mörsch, Sachgebietsleiter Marketing international bei ZwickRoell, im Gespräch mit Andreas Mühlbauer.

Welche Konsequenzen ergeben sich aus der Energiewende für die Prüftechnik?

Wolfgang Mörsch, Sachgebietsleiter Marketing international bei ZwickRoell. © ZwickRoell

Mit der Änderung des Klimaschutzgesetzes hat die Bundesregierung die Klimaschutzvorgaben verschärft und das Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2045 verankert. Einer der wichtigsten Treiber ist hier das Thema grüner Wasserstoff – mit der Folge, dass künftig immer häufiger Materialien und Bauteile in Verbindung mit Wasserstoff kommen. Aufgrund seiner geringen Dichte und des geringen Molekülquerschnitts diffundiert Wasserstoff leicht und schnell durch feste Werkstoffe. Dies führt beispielsweise bei metallischen Werkstoffen zur Wasserstoffversprödung und damit zu einer starken Reduzierung der Werkstofffestigkeit. Mechanische Werkstoffprüfungen sind deshalb ein wichtiger Bestandteil für die Charakterisierung und Entwicklung neuer Werkstoffe, die unter Wasserstoffeinfluss langfristig und sicher funktionieren müssen. Zunehmend müssen solche unter realen Umgebungsbedingungen stattfinden, sprich Autoklaven oder Druckbehälter, gefüllt mit flüssigem oder gasförmigen Wasserstoff, müssen in die Prüf- und Messsysteme integriert werden.

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Welche Chancen bietet die Digitalisierung?

Hier kann vor allem die Prüfsoftware genutzt werden, um beispielsweise die Zustandsüberwachung oder Wartung der installierten Prüftechnik zu unterstützen. Durch ein systematische Maschinen- und Datenmonitoring lassen sich Fehler frühzeitig erkennen beziehungsweise vorausschauend vermeiden. Dies macht die Qualitätskontrolle sicherer und erhöht die Effizienz, da Daten cloudbasiert in Echtzeit zur Verfügung stehen. Auch im hohen Standardisierungsgrad der Mess- und Prüftechnik steckt enormes Potenzial. Die Standardisierung ist die ideale Basis, um Prüfprozesse zu 100 % zu automatisieren. Der Trend zu Cobots beschleunigt und vereinfacht diesen Prozess zusätzlich. Auch komplett autonome Materialprüfprozesse sind vor allem in der Metallindustrie bereits erfolgreich installiert, und die Benefits sind eindeutig messbar: höhere Sicherheit bei den Prüfergebnissen, höherer Durchsatz von Prüfproben, außerdem wird weniger Fachpersonal benötigt.

Können Simulationen und KI reale Prüfungen ersetzen?

ChatGPT und weitere KI-Tools sind gerade in aller Munde und auch in vielen industriellen Bereichen auf dem Vormarsch, doch welche Folgen hat das für die Prüftechnik? Egal ob künstliche Intelligenz, genauso wie Simulations-Programme, beides muss mit „Content“ aus der realen Welt befüllt werden. Der „Content“ in diesem Fall sind Prüf- und Messergebnisse realer Materialien, ermittelt an und durch reale Maschinen. Je besser simuliert werden soll, desto mehr und detaillierte Ausgangsdaten, bestimmt durch reale Versuche, müssen vorliegen. Zudem kann KI selbst den Benutzer der Prüfsysteme unterstützen. So verwendet beispielsweise ZwickRoell auch in seinen Neuentwicklungen künstliche Intelligenz, um Fehlbedienungen zu vermeiden und den Prüfprozess einfacher zu gestalten. Die Zukunft bleibt in jedem Fall spannend.

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