Interview mit Wilhelm Jung

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Ein Trend zu weiterer Miniaturisierung

Wie sich die Antriebstechnik mit zunehmender Digitalisierung verändert und welche Entwicklungen in Zukunft zu erwarten sind, darüber sprach Andreas Mühlbauer mit Wilhelm Jung, Gründer und Eigentümer von Jung Antriebstechnik und Automation. Seit 35 Jahren entwickelt das Unternehmen hochdynamische Linearachsen und Schwenk-Drehantriebsmodule für Fabrikautomation und Maschinenbau.

© Jung Antriebstechnik und Automation

Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung der Produktion sind auch die Antriebe zunehmend mit den Gesamtsystemen vernetzt. Inwiefern haben sich dadurch auch die Anforderungen der Kunden verändert?

Diesbezüglich hat sich im Laufe unserer Firmengeschichte einiges getan. Zunächst waren bei unseren Kunden autarke, also nicht vernetzte Antriebs- und Positioniersysteme gefragt, bei denen man über SPS-Eingänge einzelne Fahraufträge anstoßen konnte. Die Bedienung und die Realisierung einer praxistauglichen Mensch-Maschinen-Schnittstelle war dabei immer ein lästiges und vor allem kostspieliges Thema. Ab den 2000er Jahren hat sich das dann geändert. Mit der Verbreitung von Profibus-DP und CANopen begannen unsere Kunden die Positioniersysteme zu vernetzen und in der SPS zu visualisieren. Für uns war es damals spannend, die Systeme busfähig zu machen und die entsprechenden Softwarebausteine zu integrieren. Allgegenwärtig war zudem die Frage nach der Latenz; von einem wirklichen Echtzeitverhalten war in diesem Zusammenhang nicht immer die Rede. Seit etwa 2005, als PC-gestützte Industriesteuerungen und damit Feldbussysteme mit Ethernet im Maschinenbau Einzug hielten, setzte sich die Vernetzung in "Echtzeit" dann durch. Seit einigen Jahren liefern wir sowohl an unsere Endkunden als auch an Maschinenbauer ausschließlich Antriebs- und Positioniersysteme mit Ethernet-Technologie.

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Was ändert sich dadurch für die Antriebshersteller auf der technischen Seite; müssen sie neue Wege gehen?

Die Miniaturisierung macht auch vor vernetzten Antriebslösungen nicht halt. Das heißt, wir Antriebshersteller müssen viel Technik in möglichst kleinem Bauraum unterbringen. Der Trend geht zu Antrieben, die vernetzbar sind und in deren Gehäuse die komplette Antriebs-, Positionier- und Netzwerkelektronik bereits integriert ist.

Wohin wird Ihrer Ansicht nach die technische Entwicklung der Antriebssysteme in den kommenden Jahren gehen?

Bei den Antrieben selbst, also beispielsweise bei Linearmotoren oder bürstenlosen Servomotoren, sind durch die verfügbaren Materialien, zum Beispiel die Magneten und deren physikalische Eigenschaften, schnellen Innovationen Grenzen gesetzt. Anders sieht es auf der Steuerungsseite aus. Bei Wechselrichtern und Positioniercontrollern zeichnet sich ein deutlicher Trend zu weiterer Miniaturisierung ab. Ein Beispiel dafür ist der neue Motion Controller MC 3001 von Faulhaber, der trotz Briefmarkengröße im Leistungsbereich von 40 bis 120 Watt rangiert und den wir bereits einsetzen.

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