Editorial: Kraftstoffpreise
Soko Supermarkt
Verlässlichkeit ist in den vergangenen Jahren Mangelware geworden. Kaum geht es bergauf, kommt der nächste Dämpfer. Auffällig ist, wie selektiv wir auf Unsicherheit reagieren. Knappes Angebot erhöht den Preis. Das erfahren wir an vielen Stellen und nehmen es meist hin. In Deutschland misst sich die Stimmung zuverlässig am Benzinpreis. Steigt er, steigt der politische Puls gleich mit – wir haben jetzt sogar eine Taskforce.
Teilweise ist die Aufregung nachvollziehbar. Für die Logistik ist Diesel kein Detail, sondern Kostenbasis. Wer täglich fährt, merkt jede Schwankung.Und doch wirkt es einseitig; gerade erst wurde die Pendlerpauschale erhöht. Und während der Preis an der Zapfsäule sofort Aufmerksamkeit bekommt, steigen andere Kosten deutlich leiser, aber mindestens ebenso spürbar oder gar deutlich stärker. Etwa für Lebensmittel, deren Preise in den letzten Jahren kräftig angezogen haben. Mieten steigen weniger spektakulär, sind dafür dauerhaft hoch. Nicht die wirtschaftliche Wucht entscheidet also über Aufmerksamkeit, sondern die Frage, wie sichtbar ein Preisschild ist.
Der Unterschied ist die Sichtbarkeit. Der Benzinpreis blinkt auf großen Tafeln. Lebensmittelpreise verstecken sich im Einkaufswagen. Mieten kommen monatlich und bleiben. Wir reagieren also weniger auf das, was am meisten belastet, sondern auf das, was am lautesten signalisiert. Und Auto ist bei uns ja ohnehin ein sensibles Thema, da muss anderes auch mal zurückstehen. Hier spielt wiederum auch politischer Reflex mit hinein. Die Kosten für Energie und Transport stecken nicht nur im Dieselpreis, sondern eben auch im Supermarktregal. Nur wird das eine politisch adressiert, das andere hingenommen.
Eine Taskforce für hohe Spritpreise ist schnell organisiert. Ein Tempolimit schafft es dabei nicht in die ernsthafte Diskussion. Echte Impulse bei den Mieten? Eher nicht. Auch die „Soko Supermarkt“ vermisse ich ein wenig. Das Problem sind nicht nur die Preise, sondern eben auch unsere Prioritäten.










