Editorial

Digitale Revolution?

Mit "Laptop und Lederhosn" hat vor Jahren Edmund Stoiber, der damalige bayerische Ministerpräsident, die IT-Strategie des Freistaates beschrieben. Und jahrelang gefiel sich Bayern in der Rolle des trachtentragenden Silicon Valley. Doch die Realität hinkt weit hinter dem Selbstbildnis her. Während in Berlin und den Stadtstaaten die IT-Szene brummt und sich Netzwerke aus Unternehmensgründern, Investoren und Forschung und Entwicklung aufbauen, ist der Freistaat - bis auf einige Ballungsräume - eher IT-Entwicklungsland. Selbst im Münchner Westen fühlt man sich mancherorts ins Kommunikationsmittelalter zurück versetzt.


Zwar kündigte bereits 2007 der damalige Ministerpräsident Edwin Huber vollmundig an, dass es bei den Breitbandzugängen in drei Jahren keine Unterschiede mehr zwischen Stadt und Land geben würde. Doch bis auf etliche Ankündigungsprospekte im Briefkasten kam davon im ländlichen Raum nichts an. Lediglich bei Anschlüssen mit einer Leistung von 1 Mbit/s sind gut 99,2 Prozent der Haushalte versorgt. Über Anschlüsse mit 50 MBit/s verfügen nur 44 Prozent. Damit landet Bayern im bundesweiten Vergleich auf Platz 9. Dazu kommt: Die regionale Verteilung ist extrem unterschiedlich. Während in den Städten rund 75 Prozent der Haushalte auf Anschlüsse mit 50 MBit/s zugreifen können, sind es auf dem Land gerade mal 10 Prozent.
Und laut Auskunft des Statistischen Bundesamtes hat sogar jedes zehnte Unternehmen nur die normale Telefonleitung als Zugang und damit gar kein schnelles Internet. Bundesweit sieht es nicht viel besser aus, hier verfügt nach derselben Quelle nur jedes vierte Unternehmen über einen Breitbandzugang. Für Deutschland ist das Platz 15 im EU-Vergleich. Für Unternehmen im ländlichen Raum bleiben Themen wie Industrie 4.0 oder Smart Factory damit ferne Visionen - sie träumen eher von Internet 1.0.

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Im Juli genehmigte nun die EU das neue 1,5 Mrd. Euro schwere Breitband-Förderprogramm der Seehofer-Regierung ('Digitale Revolution'), die damit bis 2018 ein flächendeckendes Hochgeschwindigkeitsnetz schaffen will.
Doch mein hoffnungsvoller Anruf beim eigens eingerichteten Amt für Digitalisierung und Breitband mit der Frage, wann die digitale Revolution denn nun in meiner Straße ankomme, endete mit dem ernüchternden Auskunft: "Das entscheidet die Telekom, wo sie investiert." Und die sagt: "Wir investieren nur dort, wo wir die Chance haben, unser Geld zurück zu verdienen."
Na, dann können die Bayern noch lange auf die Revolution warten.

Hajo Stotz

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