Editorial

Quick ‘n Dirty

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Kennen Sie den Namen der aktuellen Bildungsministerin? 3-2-1-Na? Seit ihrer Ernennung hat man nichts mehr von ihr gehört – im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin Annette Schavan, die auch ein Jahr nach ihrem Ausscheiden in den Medien ständig präsent ist: ob mit ihrem aberkannten Doktortitel, ob mit der geplanten Entsendung als Vatikan-Botschafterin, was mit dem fehlenden Doktortitel aber gegen die Außenamtsregeln verstößt, oder mit der umstrittenen Verleihung des Dr. h.c. als Ersatz für ihren echten Doktor durch die Uni Lübeck – einer Uni übrigens, die es ohne ihre Unterstützung nicht mehr geben würde.

Bei Schülern, Studenten und Unternehmen wird die Ehrendoktorin aber vor allem wegen ihres Reformeifers in Erinnerung bleiben: Sie trieb die Umstellung auf G8 und die Bologna-Reform maßgeblich voran.

Schneller und besser war das von ihr formulierte Ziel bei G8, schneller, besser und internationaler sollte mit Bachelor und Master die studentische Ausbildung werden. Doch heute ist klar: Beide Ziele wurden deutlich verfehlt. Schneller ja, besser nein.

In Kombination aus G8, Bachelor und fehlendem Zivil- oder Wehrdienst drängen heute 22-jährige Ingenieure in die Firmen und sollen dort dann eigenverantwortlich arbeiten – was sie in der Ausbildung nie gelernt haben. Immer mehr Unternehmen beklagen die mangelnde Eignung, weil Persönlichkeitsbildung und Allgemeinwissen in sechs Bachelor-Semestern auf der Strecke bleiben. So bedauert etwa Dirk Wember, Geschäftsführer von Haas Schleifmaschinen, bei einem Gespräch am Rande der Grindtec, dass den Jugendlichen heute die Zeit fehle, Erfahrungen zu sammeln: „Die Unternehmen brauchen Persönlichkeiten, nicht nur Absolventen.“

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Eine Hochschule muss mehr leisten als Ausbildung, nämlich Bildung. Das gelingt aber mit dem Bachelor nicht, wie ich auch an der Ausbildung unserer Tochter zur Mechatronikerin sehe: Ein System mit festen Stundenplänen und ohne eigene Gestaltungsmöglichkeiten des Studiums ist die Fortführung der Schulausbildung und hat mit einem selbstständigen, wissenschaftlichen Lernen und Forschen wenig zu tun. Die starren Lehrpläne und Vorschriften der Regelstudienzeit verhindern Kreativität und Eigenverantwortung im Studium bereits im Ansatz.

Die wachsenden Zweifel der Wirtschaft bekommen natürlich auch die Studenten mit, und entsprechend hoch ist der Drang zum Master: statt 30 Prozent der Bachelors, die auf Master weiterstudieren, wie von den Experten geplant, sind es über 50 Prozent – und wenn es genug Plätze gäbe, wären es noch mehr. Doch Master-Studienplätze gibt es viel zu wenig.

Die G8-Reform wird von den Bundesländern bereits wieder zurückgefahren, und bei Bologna ist eine Reform der Reform ebenfalls überfällig. Das Master-/Bachelor-Modell, das einer weltweit anerkannten Hochschultradition in Deutschland einfach übergestülpt wurde, ist gescheitert.

Das wäre ja eine lohnenswerte Aufgabe für die amtierende Bildungsministerin - wenn mir nur ihr Name einfallen würde....

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