ZVEI auf der Hannover Messe 2025
ZVEI kritisiert hohe regulatorische Hürden
Zum Auftakt der Hannover Messe 2025 hat der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) die wirtschaftliche Lage der deutschen Elektro- und Digitalindustrie als herausfordernd bezeichnet.
ZVEI-Präsident Dr. Gunther Kegel erklärte auf einer Pressekonferenz, dass die Branche mit hohen Belastungen durch Bürokratie und Steuern sowie globalen Unsicherheiten kämpfe. „2025 wird die reale Produktion voraussichtlich um 2 % zurückgehen“, so Kegel.
Die Zahl der Beschäftigten in der Branche sank 2024 moderat um 2 % auf rund 890.000. „Diese nahezu konstant hohe Beschäftigungszahl werden die Unternehmen nicht halten können, wenn die Konjunktur nicht schnell anspringt“, warnte Kegel. Ein positives Signal sieht der Verband in einem leichten Anstieg der Auftragseingänge zum Jahresanfang um 2 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. „Das ist ein erstes Zeichen für eine Stabilisierung – wenn auch auf niedrigem Niveau. Eine echte Trendumkehr sehen wir allerdings noch nicht“, so Kegel weiter.
Reformforderungen und Infrastrukturmaßnahmen
Die Branche setzt Hoffnung in die angekündigten Infrastrukturmaßnahmen der kommenden Bundesregierung. „Das Sondervermögen kann ein wichtiger Impuls sein – wenn es zügig in konkrete Investitionen zur Modernisierung des Landes mündet“, erklärte Kegel. Der ZVEI fordert Investitionen insbesondere in folgende Bereiche:
- Stromnetzausbau zur Sicherstellung einer stabilen und kostengünstigen Energieversorgung.
- Dekarbonisierung des Gebäudesektors, um die Klimaziele zu erreichen.
- Förderung von Schlüsseltechnologien wie Mikroelektronik und Batterietechnologien.
Kegel mahnte jedoch, dass Strukturreformen notwendig seien, um langfristig höheres Wachstum zu ermöglichen. „Anderenfalls droht, dass das Sondervermögen als Strohfeuer verpufft“, so der ZVEI-Präsident.
Industrielle KI als Innovationsmotor
Ein großes Potenzial für die Elektro- und Digitalindustrie sieht der Verband in der Anwendung von Künstlicher Intelligenz (KI). „KI ist der neue Schraubenschlüssel der Industrie“, sagte Kegel. Deutschland sei in der Entwicklung leistungsfähiger KI-Anwendungen weiter, als häufig wahrgenommen werde. „Nahezu alle Automatisierer bieten bereits KI-gestützte Lösungen an“, betonte er.
Der ZVEI kritisiert allerdings hohe regulatorische Hürden. Harte Vorschriften sollten nur auf wenige kritische Anwendungsfälle beschränkt bleiben, da hohe Compliance- und Zertifizierungskosten von bis zu 300.000 Euro viele kleine und mittlere Unternehmen überfordern. „Noch liefern wir das Betriebssystem der globalen Industrie. Doch zu viel innovationshemmende Regulatorik könnte dazu führen, dass wir vom nächsten amerikanischen oder chinesischen Software-Update abgehängt werden“, warnte Kegel.
Fortschritte bei Elektrifizierung und Infrastruktur
Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage zeigt sich der ZVEI optimistisch für die kommenden Jahre. „Die Megatrends Elektrifizierung, Digitalisierung und Automatisierung sind intakt und werden der Branche wieder Auftrieb geben“, erklärte Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung.
Der eMonitor des Verbands zeigt positive Entwicklungen. So stieg die Zahl der E-Ladepunkte stieg um 33 % im Vergleich zum Vorjahr und die Speicherkapazität von batteriebasierten Gewerbe- und Großspeichern wuchs um 45 %.
Weber betonte die Bedeutung wettbewerbsfähiger Strompreise für die Branche. „Die Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie steht und fällt mit dem Strompreis. Eine Senkung um fünf Cent pro Kilowattstunde durch eine Reduzierung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß und eine Halbierung der Netzentgelte ist gut und richtig. Die neue Bundesregierung wird sich daran messen lassen müssen.“
Hannover Messe als Plattform für den Dialog
Auch 2025 steht die 'All Electric Society Arena' des ZVEI im Zentrum des Dialogs mit Politik und Wissenschaft. In hochrangig besetzten Paneldiskussionen werden zentrale Themen diskutiert:
- Wie gelingt die industrielle Transformation?
- Welche politischen Rahmenbedingungen sind auf Bundes- und EU-Ebene notwendig?
- Wie können technologische Innovationen schneller in die Breite getragen werden?
Die Hannover Messe zeigt damit einmal mehr, dass Innovationen und Zukunftstechnologien entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie sind.









