KI + Datenanalyse
Dank 3D schneller zur technischen Illustration
Mit mehr als 2.000 Mitarbeitern entwickelt und produziert die Liebherr-Werk Biberach GmbH Turmdrehkrane aller Systeme und Größenklassen, die für jede Aufgabe im Hoch- bau die richtige Hebetechnik bieten: Schnelleinsatzkrane, Mobilbaukrane, Oberdreherkrane, Nadelauslegerkra- ne und Spezialkrane. Kein anderer Hersteller bietet ein so vielseitiges Kranprogramm, das ständig erweitert wird, um die unterschiedlichen Kundenanforderungen nach Möglichkeit aus dem Standard abdecken zu können. Entwickelt werden alle Liebherr-Krane mit der 3D-Software CoCreate-Modeling von PTC. Der 3D-Einsatz im Allgemeinen und die einfach zu handhabende, explizite Modelliertechnik des 3D-Systems im Besonderen haben maßgeblich dazu beigetragen, die Entwicklungszeiten zu verkürzen und die Markteinführung neuer Produkte zu beschleunigen. Weil die technische Dokumen- tation heute laut Gesetz fester Bestandteil des Produktes ist, darf kein Kran ohne Bedienungsanleitung ausgeliefert werden. Sie besteht normalerweise aus zwei vollen Leitz-Ordnern mit je 300 bis 400 Blatt und beinhaltet alle Dokumente für die Vorbereitung des Baugrunds, die Aufstellung des Krans, die Bedienung, die Wartung und die Reparatur, einschließlich der dafür erforderlichen Ersatzteilliste, die ebenfalls in der Technischen Dokumentation erstellt und gepflegt wird. Aufgrund der modularen Bauweise vieler Krane wird die Dokumentation auftrags- beziehungsweise werksnummernbezogen zusammengestellt, auch wenn sie viele wiederkehrende Illustrationen und Textpassagen enthält. Üblicherweise bestellen die Kunden sie in mehreren Exemplaren und Sprachversionen.
Die immer kürzeren Lieferzeiten bedeuten, dass auch die technischen Redakteure schneller dokumentieren müssen. Zeit sparen wollen sie vor allem durch eine effizientere Wiederverwendung von vorhandenen Textbausteinen und Illustrationen in neuen Bedienungsanleitungen. Deshalb soll der Dokumentationsprozess auf ein XML-basiertes Redaktionssystem umgestellt werden, mit dem Arbortext-Editor als Eingabewerkzeug und einer Schnittstelle zur Illustrations-Software Arbortext-IsoDraw. Derzeit erstellen die Redakteure die Bedienungsanleitungen zum Teil mit einfachen Text- beziehungsweise Grafikeditoren, noch ohne Datenbank-gestützte Verwaltung der Textbausteine und Illustrationen.
Die Redakteure fangen meist schon an bestimmte Module zu dokumentieren, bevor die Konstruktion des Krans komplett abgeschlossen ist. »Die Dokumentation für einen komplett neuen Kran zu erstellen, dauert etwa ein halbes Jahr«, schätzt Redakteur Markus Balko, wobei er und seine Kollegen mehr als die Hälfte der Zeit mit der technischen Illustration beschäftigt sind. Um das wachsende Volumen an Illustrationen möglichst schnell und effizient zu erzeugen, nutzen sie seit geraumer Zeit die Software IsoDraw, die heute Bestandteil der Dynamic-Publishing-Lösung Arbortext von PTC ist.
Illustrative Konstruktions- modelle werden erzeugt
Die Illustration ist bei Liebherr das führende Element, auch wenn die Bedienungsanleitungen nach wie vor viele Textpassagen enthalten, weil sie juristisch hieb- und stichfest sein müssen. Wegen der Produkthaftung spielt das Thema Sicherheit eine zentrale Rolle. »Früher haben wir den Text gleich in die Grafiken eingebaut, was ein Riesenaufwand war, weil für die Sprachversionen auch die Grafiken übersetzt werden mussten. Wir haben uns angewöhnt, Text und Illustrationen zu trennen und die Dokumentation modularer aufzubauen. Dennoch soll der Text die Illustration nur begleiten«, betont Markus Balko, der nicht nur illustriert, sondern für bestimmte Krane die komplette Dokumentation erstellt.
Markus Balko arbeitet schon seit 1993 mit der Software Arbortext-IsoDraw, die anfangs ein reines 2D-System war, mit dem ausgehend von eingescannten Fotos oder technischen Zeichnungen die isometrischen Ansichten gezeichnet wurden. »Irgendwann konnte man dann auch 3D-Drahtmodelle importieren und davon 2D-Ansichten ableiten. Kanten, die verdeckt sein sollten, mussten damals noch aufwändig gelöscht werden. Dies änderte sich mit der Funktion CADprocess, mit der man von den Modellen automatisch Isometrien ableiten und die verdeckten Kanten berechnen kann«, erläutert Markus Balko. »Diese Möglichkeit bietet meines Wissens kaum eine andere Illustrations-Software.«
Das 3D-Konstruktionssystem liefert heute den Großteil des Inputs für die Illustrationen. Lediglich zum Beispiel Zukaufteile, für die der Hersteller keine 3D-Daten zur Verfügung stellt, werden ausgehend von Zeichnungen oder Fotos noch händisch illustriert. Arbortext-IsoDraw bietet dafür leistungsfähige Funktionen, um in der Perspektive zu zeichnen. »Ansonsten importieren die Redakteure die 3D-Modelle aus der Konstruktion mitsamt den Strukturinformationen, drehen sie in die gewünschte Position und leiten davon perspektivischen Ansichten ab. Beim Import werden alle Informationen entfernt, die für die Illustration nicht relevant sind, so dass sich die Dateien in IsoDraw anschließend schneller laden lassen«, erklärt Markus Balko.
Zeitaufwand um ein Drittel reduziert
Die technischen Redakteure übernehmen die Konstruktionsmodelle normalerweise im STEP- oder IGES-Format in Arbortext-IsoDraw. Dazu laden sie die 3D-Modelle zunächst in das CAD-System, bereiten sie auf und konvertieren sie in eines der Austauschformate. Sehr große Bauteile werden mit Hilfe der Makrotechnik in IsoDraw geladen, um davon die perspektivischen Ansichten abzuleiten, die anschließend in der 2D-Darstellung zu einem kompletten Kran zusammengesetzt werden. »Die wieder verwendbaren Skripte sind sehr wichtig, weil dadurch gerade von komplexen Teilen weitgehend automatisch die Ansichten abgeleitet werden können, so ein Liebherr-Redakteur. Arbortext-IsoDraw ist nicht nur ein schnelles, sondern auch einfach zu erlernendes und zu bedienendes Werkzeug: »Ein technischer Zeichner oder Illustrator, der die Software nicht kennt, kann nach einer Woche damit locker eine Explosionszeichnung erstellen«, sagt Markus Balko. Damit lassen sich viel einfacher als in einem CAD-System Explosionsdarstellungen erzeugen oder 3D-Ausbrüche machen. Dazu muss das Modell nur in die gewünschte Position gedreht und mit einem Art Stanzwerkzeug gelöchert werden. Zu den Stärken von IsoDraw gehören die 2D- und 3D-Animationsfunktionen, mit denen sowohl die importierten 3D-Modelle als auch die Illustrationen in Bewegung versetzt werden können, um bestimmte Abläufe oder Wirkzusammenhänge zu veranschaulichen. Die Bedienungsanleitungen werden zwar in elektronischer Form erstellt, müssen aber in Papierform ausgeliefert werden, weshalb die Einbindung von 3D-Illustrationen und -Animationen in die Dokumentation zur Zeit noch kein Thema ist. Die Redakteure speichern ihre Illustrationen normalerweise als schlanke TIF-Dateien ab, die später in die Dokumentstruktur eingefügt und als PDF-Datei ausgedruckt werden. Die Verwendung des TIF-Formats erleichtert zugleich die Einbindung der Illustrationen in die Ersatzteillisten, die die Redakteure im ERP-System anlegen und pflegen. Außerdem werden sie für die Erstellung von Schulungsunterlagen weiter verwendet.
Die Nutzung der 3D-Daten aus der Konstruktion hat für einen enormen Produktivitätsschub in der Technischen Dokumentation gesorgt. Die perspektivischen Zeichnungen von einem Baukran lassen sich heute in ein bis zwei Wochen erstellen, was von Hand Monate gedauert hätte, weshalb man sich früher vielfach mit Konstruktionszeichnungen behalf: »Unsere heutigen Betriebsanleitungen enthalten mehr perspektivische Ansichten und sind dadurch einfacher verständlich«, berichtet Markus Balko. Dank 3D-Einsatz sind die Illustrationen außerdem detailgenauer, was allerdings nicht nur Vorteile hat. Der Kunde will keinen stilisierten Kran mehr sehen, weshalb die Redakteure mehr Zeit in die Abbildung seines spezifischen Kranmodells investieren müssen. Obwohl die Bedienungsanleitungen immer mehr und immer detaillierte Illustrationen enthalten, hat sich der Aufwand für ihre Erstellung aber nach Schätzung von Markus Balko um etwa ein Drittel reduziert. -we-
PTC - Parametric Technology GmbH http://www.ptc.com








